Mauerwerk aus natürlichen Steinen - das muss beachtet werden

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Was gibt es schöneres, als eine Mauer aus Kalkstein, Sandstein oder Granit? Häuser werden heute nicht mehr aus Natursteinen gebaut, dies wäre zu teuer und unrentabel. Höchstens für besondere Bauten oder bei der Renovierung und Instandhaltung von alten Gemäuern verwendet man das natürliche Gestein. Wer einmal den Kölner Dom betrachtet hat, der weiß, dass die Instandhaltung eine Lebensaufgabe für ein ganzes Heer von Steinmetzen darstellt. Der Sandstein wird vom sauren Regen und anderen Witterungseinflüssen schneller zersetzt, als die Steinmetze die Steine austauschen können. Im Privatbereich werden Natursteine als Bodenbelag verwendet. Auch eine Gartenmauer aus Naturstein macht ein gutes Bild. Beachten Sie dabei jedoch, dass Gartenmauern nicht beliebig hoch sein dürfen. Die Höhe der Mauer regelt das Nach­bar­schafts­recht, das von Bundesland zu Bundesland verschieden ist. In Nordrhein-Westfalen wird beispielsweise empfohlen, die Höhe der Einfriedung "ortsüblich" zu wählen. Läßt sich eine ortsübliche Einfriedigung nicht feststellen, so ist eine etwa 1,20 m hohe Einfriedigung zu errichten. Sollten Sie mehr über Natursteine im Bauwesen erfahren wollen, so können Sie sich hier informieren. 

k3.jpgSowohl unsere Vorfahren, die ganze Burgen aus Naturstein erbauten, als auch heute noch die Bauhandwerker in den südlichen Ländern beherrschten bzw. beherrschen meisterhaft die Errichtung von Natursteinmauern. Der sagenhafte Palast von Knossos auf Kreta wurde ebenso aus Naturstein gebaut, wie die Pyramiden. Man kannte keine DIN-Normen (und in den südlichen Ländern pfeift man auch auf diese selbst dann, wenn man sie kennen würde). Vielleicht ergibt sich gerade daraus die Erklärung, warum solche Bauwerke Jahrtausende überstanden haben. 

Das Foto rechts zeigt eine neu angelegte hohe Mauer aus Natursteinen auf Kreta. Und das Foto unten zeigt uns eine mehrere hundert Jahre alte Natursteinmauer, die nicht nur selbst schon historisch ist, sondern bei der auch uralte, bereits einmal vermauerte Steine aus noch älteren Bauwerken verarbeitet wurden.


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Man sieht nicht nur, dass Steine völlig unterschiedlicher Größe aufeinandergeschichtet wurden, sondern dass sogar zersägte Teile von Rundsäulen eingebaut wurden - und allen deutschen Richtlinien zum Trotz hält das Ganze "unverschämterweise" immer noch. Gerechterweise muss man natürlich hinzufügen, dass sich im Süden eben keine Temperaturen unter Null Grad herrschen und dass dementsprechend zu Eis gefrorenes Wasser keine Schäden in den Mauerfugen anrichten kann.

Natursteinmauerwerk unterscheidet man nach der Art der Ausführung und nach der Bearbeitung der Steine. Die Bezeichnungen sind Trockenmauerwerk, Bruchsteinmauerwerk, Schichtenmauerwerk und Verblendmauerwerk. Wie auch beim Mauern mit künstlichen Steinen, gibt es beim Mauern mit Natursteinen einige Regeln, die in der DIN 1053 folgendermaßen beschrieben sind:

  • Weder an der Vorder-, noch an der Rückfläche dürfen mehr als drei Fugen zusammenstoßen.
  • Es darf keine Stoßfuge durch mehr als zwei Schichten gehen.
  • Auf zwei Läufer soll mindestens ein Binder kommen oder es sollen Binder- und Läuferschichten miteinander abwechseln.
  • Die Dicke (Tiefe) der Binder beträgt etwa das eineinhalbfache der Schichthöhe, mindestens jedoch 300 mm.
  • Die Dicke (Tiefe) der Läufer ist etwa gleich der Schichthöhe.
  • Die Überdeckung der Stossfugen beträgt bei Schichtmauerwerk mindestens 100 mm und bei Quadermauerwerk mindestens 150 mm.
  • An den Mauerecken werden die größten Steine eingebaut, gegebenenfalls in Höhe von zwei Schichten.
Zwischenräume im Innern des Mauerwerks müssen vermieden werden. Hohlräume werden mit allseits von Mörtel umhüllten Steinstücken gefüllt. In ähnlicher Weise sind auch weite Fugen auf der Vorder- und Rückseite von Zyklopenmauerwerk, Bruchsteinmauerwerk und hammerrechtem Schichtenmauerwerk zu behandeln. Sofern kein Fugenglattstrich ausgeführt wird, sind die Sichtflächen nachträglich zu verfugen. Sind die Flächen der Witterung ausgesetzt, so muss die Verfugung lückenlos sein und eine Tiefe mindestens gleich der Fugendicke haben. 

Entsprechend seiner Ausführung bzw. Konstruktion wird Natursteinmauerwerk nach DIN 1053 in vier Güteklassen eingestuft, die durch folgende Anhaltswerte charakterisiert sind:  

GüteklasseGrundeinstufungFugenhöhe:
Steinlänge h : l
Neigung der Lagerfuge
tan a
Übertragungsfaktor
?
N1Bruchsteinmauerwerksondz1.gif 0,25sondz1.gif 0,30sondz.gif0,5
N2Hammerrechtes Schichtenmauerwerksondz1.gif0,20sondz1.gif0,15sondz.gif0,65
N3Schichtenmauerwerksondz1.gif0,13sondz1.gif0,10sondz.gif0,75
N4Quadermauerwerksondz1.gif0,07sondz1.gif0,05sondz.gif0,85

  Der Übertragungsfaktor wird definiert als das Verhältnis von Überlappungsflächen der Steine zu Wandquerschnitt im Grundriss.

Trockenmauerwerk

trockenmauerwerk.jpg Trockenmauerwerk wird ohne Mörtel aus Bruchsteinen zusammengesetzt. Diese werden ohne große Bearbeitung in richtigem Mauerverband so aneinandergefügt, dass möglichst enge Fugen und kleine Hohlräume verbleiben. Die Hohlräume zwischen den Steinen müssen durch kleinere Steine so ausgefüllt werden, dass durch Einkeilen Spannung zwischen den Mauersteinen entsteht. Trockenmauerwerk darf nur für Schwergewichtsmauern verwendet werden. Die sichtbare Fläche des Mauerwerks kann mit einer Neigung von mindestens 10 % zur Senkrechten ausgeführt werden.

Bruchsteinmauerwerk

bruchsteinmauerwerk.jpg Wie das Trockenmauerwerk besteht das Bruchsteinmauerwerk aus Bruchsteinen. Allerdings werden diese bei der Bruchsteinmauer mit Mörtel vermauert. Die Steine sind annähernd regelmäßig, aber wenig bearbeitet. Läufer- und Binderschichten wechseln miteinander ab. Es ergeben sich unregelmäßige Fugen, die mit Mörtel voll ausgefüllt werden müssen. In Höhenabständen von 1,50 m muss das Mauerwerk abgeglichen werden, das heißt, die Lagerfläche geht über die ganze Mauerlänge durch.

Zyklopenmauerwerk

zyklopenmauerwerk.jpg Eine Sonderform des Bruchsteinmauerwerks ist das Zyklopenmauerwerk. Nur wenig bearbeitete Bruchsteine werden im ganzen Mauerwerk satt in Mörtel vermauert. Es ergeben sich nur wenige Lagerfugen und keine regelmäßigen Schichten. Dadurch ist die innere Festigkeit und der Zusammenhalt des Mauerwerks gemindert. Verwendet werden schwer zu bearbeitende Hartgesteine. Die Verarbeitung ist wie beim Bruchsteinmauerwerk mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden.

Hammerrechtes Schichtenmauerwerk

hschichtmauerw.jpg Bei diesem Schichtenmauerwerk sind die Steine der Sichtfläche 12 cm tief bearbeitet. Das bedeutet, dass die Lager- und Stossfugen der Steine in den ersten 12 cm parallel bzw. senkrecht zueinander sind. Die Schichtdicke darf innerhalb einer Schicht und in den verschiedenen Schichten wechseln. In Abständen von höchsten 1,50 m muss das Mauerwerk jedoch abgeglichen werden. Die Steinabmessungen liegen etwa zwischen 25 cm x 10 cm x7 cm und 80 cm x 40 cm x 40 cm.

Regelmäßiges und unregelmäßiges Schichtenmauerwerk

uschichtmauerw.jpg Mindestens 15 cm tief sind die Lager- und Stoßflächen beim unregelmäßigen Schichtenmauerwerk bearbeitet. Diese sollen zueinander und zur Oberfläche rechtwinklig stehen. Die Fugen dürfen nicht dicker als 3 cm sein. Die Schichtdicke darf innerhalb einer Schicht und in den verschiedenen Schichten wechseln. Das Mauerwerk ist in seiner ganzen Dicke in Abständen von höchstens 1,50 m auszugleichen. Nicht innerhalb einer Schicht wechseln darf die Höhe beim regelmäßigen Schichtenmauerwerk, das heißt, jede Schicht muss rechtwinklig zur Kraftrichtung ausgeglichen werden. Ansonsten gelten die gleichen Festlegungen wie beim unregelmäßigen Schichtenmauerwerk.

Quadermauerwerk

quadermauerwerk.jpg Beim Quadermauerwerk müssen Lager- und Stoßfugen in ganzer Tiefe bearbeitet werden. Die Steine sind also allseitig bearbeitet. Läufer- und Binderschichten wechseln ab. Die einzelnen Schichthöhen können unterschiedlich sein, müssen aber jeweils über die ganze Mauerlänge gleich bleiben.

Feldsteinmauerwerk

feldsteinmauerwerk.jpg Ein Mauerwerk aus Feldsteinen wird heute nicht mehr errichtet - es sei denn bei der Restaurierung von alten Feldstein-Kirchen und Gehöften, wie man sie z. B. in Norddeutschland und im Hohen Venn noch findet. Von der Eiszeit angeschwemmte Feldsteine, deren größere Formen als Findlinge bezeichnet werden, wurden von unseren Vorfahren dann vermauert, wenn - aus welchen Gründen auch immer - keine gebrannten Ziegelsteine verwendet werden konnten. Bei diesem Mauerwerk werden die sehr unregelmäßigen, meistens abgerundeten Feldsteine mit Mörtel miteinander verbunden, wobei sich - siehe Foto - breite Fugen ergeben können, die teilweise mit kleineren Steinen mehr aus dekorativen, als aus statischen Gründen ausgefüllt wurden. Für die Anlage eines Mauerwerks aus Feldsteinen gibt es keine bestimmten DIN-Regeln, sondern nur das "Händchen" und das know-how des Maurers.