Mauerverbände - welche gibt es? Was muss beachtet werden?

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Bauherren trauen sich viel zu. Sie meinen, sie brauchen lediglich ein paar Mauersteine, eine Kelle, eine Wasser waage und etwas Mörtel und schon kann es losgehen. Von Läufern, Bindern, Längsfugen oder Stoßfugen haben Sie noch nie etwas gehört. Damit eine Mauer stehen bleibt, muss jedoch aus statischer Sicht einiges beachtet werden. Die Steine müssen im Verband mit einem genau festgelegten Überbindemaß gemauert werden. Damit Sie nicht nur mit Enthusiasmus, sondern auch mit etwas Fachwissen an das Mauern herangehen, sollten Sie sich zuvor sich daher folgende Informationen durchlesen.

Begriffsbestimmungen Mauerwerk

Als Mauerwerk bezeichnet man aus Mauersteinen zusammengefügte Bauteile, deren Schichten in bestimmten Verbänden angeordnet sind. Die Verbindung der einzelnen Mauersteine erfolgt zum Ausgleich von Unebenheiten und zur Erhöhung der Haftung und des Verbundes in der Regel mit Mörtel.

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Legt man die Steine so in die Mauerflucht, daß die Längsseite zu sehen ist, sind sie als Läufer vermauert. Stoßen zwei Läufer mit ihrer breiten Seite aufeinander, werden die Fugen als Längsfugen bezeichnet. Stoßfugen entstehen beim zusammentreffen der schmalen Seiten von Läufern oder der breiten Seiten von Bindern. Von Bindern spricht man, wenn die Kopfseite der Mauersteine in der Maueransicht sieht. Alle waagerecht angeordneten Steine einer bestimmten Mauerlänge ergeben die Mauerschicht. Die waagerechten Fugen zwischen den Mauerschichten heißen Lagerfugen.

Warum im Verband mauern?

Wenn Sie früher mit Lego oder mit Holzklötzchen spielten, werden Sie sicherlich intuitiv die Steine im Verband angeordnet haben; das Häuschen wurde damit einfach stabiler. Aus dem selben Grund werden auch die Mauersteine im Verband gelegt. Durch einen Mauerverband werden die Lasten und Kräfte nicht nur senkrecht, sondern gleichmäßig auf den ganzen Mauerquerschnitt verteilt.

Der Mörtel kann zwar die Steine zusammenhalten, doch für die Kraftübertragung ist er nicht geeignet. Deshalb müssen die Steine auch ein bestimmtes Überbindemaß haben. Dieser Mindestversatz beträgt 4,5 cm. Bei höheren Steinen gilt für das Überbindemaß ü = hSt, wobei hSt die Höhe des Steines bezeichnet.

Die Steine einer Schicht sollen die gleiche Höhe haben. Eine Außnahme bilden die Wandenden und Stürze. Dort ist eine zusätzliche Lagerfuge in jeder zweiten Schicht zum Längen- und Höhenausgleich zulässig. Diese Steine müssen mindestens eine Breite von 11,5 cm haben. In Schichten mit Längsfugen darf die Steinhöhe nicht größer als die Steinbreite sein.

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Mauerverbände

Je nach Anordnung der Mauersteine ergeben sich unterschiedliche Mauerbilder, die sich Läuferverband, Binderverband, Blockverband oder Kreuzverband nennen. Auf den Abbildungen finden Sie häufig die Abkürzung "am". Diese Abkürzung bezeichnet einen Achtelmeter (also 12,5 cm) und ist ein Baurichtmaß, aus dem sich die Abmessungen der Mauersteine ergeben. Wird die Mauersteinlänge nach Baurichtmaß mit 2 am angegeben, beträgt die tatsächliche Steinlänge aber nicht 2x12,5 cm, also 25 cm, sondern 24 cm, da die Dicke der Fuge noch abgezogen wird. Analog dazu ist die Steinlänge bei einem Baurichtmaß von 1 am 11,5 cm.

Der Läuferverband

Aus Läufern bestehen alle Schichten beim Läuferverband. Im Normalfall werden zwei übereinander liegende Mauersteine mit einem Versatzmaß von 1 am oder ½ am angeordnet. Das Mindestversatzmaß liegt bei 4,5 cm. Hauptsächlich 11,5 cm dicke Wände aus kleinformatigen Steinen werden im Läuferverband hergestellt. Aus einer Kombination von klein- und mittelformatigen Steinen lassen sich 30 cm dicke Wände mauern. Im Läuferverband lassen sich auch großformatigen Steine mit einer Dicke von 24 cm, 30 cm oder 36,5 cm mauern.

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Der Binderverband

Ein Binderverband besteht, wie der Name schon sagt, aus Bindern, deren Schichten gegeneinander mit einem Überbindemaß von ½ am versetzt sind. Dieser Verband wird bei klein- und mittelformatigen Steinen weniger verwendet, es ergibt sich jedoch eine Wandstärke von 24 cm. Bei großformatigen Steinen treten dagegen häufig reine Binderverbände auf, wie beispielsweise bei 36,5 cm dicken Wänden.

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Der Blockverband

Bei mindestens einem Stein dicken Erdgeschoßwänden wird häufig der Blockverband gesetzt. Bei ihm wechseln sich Läufer- und Binderschichten regelmäßig miteinander ab. Begonnen wird mit einer Binderschicht, die darüberliegende Schicht besteht aus zwei nebeneinander liegenden Läufern. Bei 24 cm dicken Wänden und bei der Verwendung von kleinformatigen Steinen sind die Läufer um das Maß ½ am gegenüber den Bindern versetzt. Das Gleiche gilt bei 30 cm Wanddicke und der Verwendung von mittelformatigen Steinen. Auf der Abbildung sehen Sie drei Anordnungsmöglichkeiten für unterschiedliche Wanddicken.

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Der Kreuzverband

Um einen Kreuzverband erkennen zu können, sind mindestens vier Schichten notwendig. Die erste Schicht ist eine Binderschicht. Es folgt eine Läuferschicht, die um ½ am gegenüber der Binderschicht versetzt ist. Als dritte Schicht kommt wieder eine Binderschicht. Die zweite Läuferschicht ist um 1 am gegenüber der ersten versetzt angeordnet und läßt somit die charakteristischen Kreuze erkennen. Der Kreuzverband ist erst aber einer Mauerdicke von 24 cm möglich. Bei einer Dicke ab 36,5 cm liegen Läufer und Binder in der selben Schicht. In der Maueransicht sieht man jedoch weiterhin Binder innerhalb der Binderschicht und Läufer innerhalb der Läuferschicht.
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Allen, die sich mit Mauerverbänden bereits auskennen, erklären wir in unserem Beitrag Herstellung eines Maueranschlusses, wie man Mauerecken mauert, Mauern einbindet und Mauerkreuzungen fachgerecht ausführt.

Foto: www.fotoatelier-schumacher.de