Mauern mit KS-Steinen (Kalksandstein) - was spricht dafür?

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Bei der Wahl des richtigen Baustoffs zum Bau eines Hauses muss der Bauherr zwischen verschiedensten Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften abwägen. Gängige Baustoffe sind beispielsweise Beton, Ziegelsteine, Porenbeton, Leichtbeton oder Kalksandstein. Kalk­sand­stein ist wegen seiner zahlreichen positiven Eigenschaften der meistverwendete Mauerstein. Etwa jeder dritte am aufgehenden Mauerwerk benötigte Baustein ist ein Kalksandstein. Er darf jedoch nicht mit dem gleichnamigen Naturstein verwechselt werden, der keineswegs zum Bauen geeignet ist und fast nur für bildhauerische Tätigkeiten verwendet wird. Sollten Sie mehr über Natursteine erfahren wollen, können Sie dies hier tun. 

Der Baustoff Kalksandstein wird meist als KS-Stein bezeichnet. Er ist ein Gemisch aus Kalk, Sand und Wasser. Die Herstellung von Kalksandstein geht auf ein Verfahren zurück, das in Deutschland von Michaelis entwickelt und 1880 patentiert wurde. Nach der Formung des Gemischs in Steinpressen erfolgt die Härtung unter hohem Wasserdampfdruck bei Temperaturen von 160 °C bis 220 °C. Nach dem Abkühlen sind die Steine gebrauchsfertig. Kalksandsteine werden überall in Deutschland in etwa 130 Werken hergestellt. Dies garantiert kurze Transportwege. Da Kalksandsteine ohne chemische Zusätze auskommen, sind sie auch ökologisch ein empfehlenswertes Baumaterial.

Vor- und Nachteile von KS-Steinen

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Daß KS-Steine nur aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden, wurde bereits näher erläutert. Zudem wird zur Herstellung nur sehr wenig Energie benötigt. Kalksandstein aus dem Rückbau von Gebäuden kann erneut in den Produktionsprozess eingebracht werden. Diese Gründe sind es allerdings nicht alleine, warum der Kalksandstein bei Bauherren so beliebt ist. Viele Bauherren nehmen den Rohbau, so weit es geht, selbst in die Hand (im wahrsten Sinne des Wortes). Sie benötigen dazu einen Stein, der möglichst einfach ohne großen Maschineneinsatz zu verlegen ist. Der Kalksandstein wird sehr maßgenau und in vielen Steinarten (Voll-, Loch-, Block- und Hohlblocksteine) und Abmessungen (DF bis 20 DF oder größer) hergestellt. Zudem läßt sich der Stein mit präziser Stoßfugenverzahnung in Normal- oder Dünnbettmörtelverlegen. Bei entsprechendem Versetzgerät lassen sich mit großformatigen Steinen schnell und leicht Mauern erstellen.

KS-Steine eignen sich für Außen- und Innenwände. Als Sichtmauerwerk bieten sich eine Fülle von gestalterischen Möglichkeiten, auch in Verbindung mit anderen Baustoffen wie beispielsweise Holz. Wegen seiner Rohdichte und der damit verbundenen Schwere ist der Kalksandstein ein sehr guter Lärmschutzstein. Innenwände können daher schlank und schalldämmend gemauert werden, eben genau so, wie die Anforderungen an eine Innenwand sind. Die Wärmespeicherfähigkeit von Kalksandstein ist ebenfalls sehr gut. Schnelle Temperaturschwankungen können dadurch ausgeglichen werden. Kalksandsteine haben eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit. Dies entpuppt sich als Nachteil gegenüber Mauerziegeln oder speziell dem Porenbeton. Außenwände müssen wegen der schlechteren Wärmedämmung zweischalig mit einer wärmedämmenden Schicht erstellt werden.

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Für den Statiker von Interesse ist die hohe Druckfestigkeit des KS-Steins. Somit lassen sich schlanke, massive und darüber hinaus noch sehr hoch belastbare Wände planen und ausführen. Schlanke Bauwerke bedeuten zugleich auch weniger Materialbedarf und damit weniger Kosten, wobei Kalkssandstein sowieso schon zu den günstigeren Baustoffen zählt. Dies ist wiederum für den Bauherren von großem Interesse. Kalksandstein ist witterungsbeständig und widersteht selbst extremen Minusgraden, weshalb der Einsatz als Sichtmauerwerk möglich ist. Doch nicht nur Kälte widersteht der Stein, auch extreme Hitze ist kein Problem für ihn. Kalksandstein ist nicht brennbar. Im Temperaturbereich von 200 °C nimmt die Festigkeit gegenüber dem Ausgangswert sogar noch zu.

Diese Formate gibt es beim KS-Stein

Wie bereits angedeutet, gibt es KS-Steine in vielen unterschiedlichen Arten und Abmessungen. In der folgenden Tabelle, die wir dem Buch "Baustoffkunde für den Praktiker", erschienen beim Wohlfarth-Verlag, entnommen haben, finden Sie alle Bezeichnungen, Eigenschaften und Anwendungsbereiche von Kalksandsteinen. Grundlage für die Tabelle ist die DIN 106, Teil 1.


BezeichnungKurzzeichenSchichthöhe
(cm)
Eigenschaften und Anwendungsbereiche
a) Vollsteine mit einem Lochanteil ≤ 15 % der Lagerfläche
1. KS-Vollsteine>KS≤ 12,5Für tragendes und nicht tragendes Mauerwerk in Normalmörtel versetzt.
2. KS-R-Blocksteine>KS-R≥ 12,5 und ≤ 25Wie Zeile 1, zusätzlich mit Nut-Federsystem an den Stirnseiten. Stoßfugenvermörtelung kann daher meist entfallen.
3. KS-R-PlansteineKS-R(P)≥ 12,5 und ≤ 25Wie Zeile 2, auf Grund Einhaltung geringerer Grenzabmaßen der Höhe (dh = ± 1 mm) zum Versetzen in Dünnbettmörtel.
4. KS-FasensteineKS F≤ 25Wie Zeile 3, jedoch mit beidseitig umlaufender Fase an der Sichtseite von ca. 7 mm.
5. KS XLKS XL≥ 50 und ≤ 62,5Wie Zeile 3
b) Lochsteine mit einem Lochanteil › 15 % der Lagerfläche
6. KS-Lochsteine>KS L≤ 12,5Für tragendes und nicht tragendes Mauerwerk in Normalmörtel versetzt.
7. KS-R-HohlblocksteineKS L-R≥ 12,5 und ≤ 25Wie Zeile 1, zusätzlich mit Nut-Federsystem an den Stirnseiten. Stoßfugenvermörtelung kann daher meist entfallen.
8. KS-R-PlansteineKS L-R(P)≥ 12,5 und ≤ 25Wie Zeile 2, auf Grund Einhaltung geringerer Grenzabmaßen der Höhe (dh = ± 1 mm) zum Versetzen in Dünnbettmörtel.
c) frostwiderstandsfähige Steine
9. KS-VormauersteineKS Vm oder KS VmL≤ 12,5KS-Vormauersteine sind Voll- oder Lochsteine mindestens der Druckfestigkeitsklasse 12, die frostwiderstandsfähig sind (25facher Frost-Tau-Wechsel)
10. KS-VerblenderKS Vb oder KS VbL≤ 12,5KS-Verblender sind Voll- oder Lochsteine mindestens der Druckfestigkeitsklasse 20 mit geringeren Grenzabmaßen der Höhe als bei Zeile 8 und erhöhter Frostwiderstandsfähigkeit (50facher Frost-Tau-Wechsel), die mit ausgewählten Rohstoffen hergestellt werden.