Mauerdurchbruch in Eigenregie

David: "Ich plane in Kürze einen Mauerdurchbruch in meinem Ferienhaus. Da es sich um ein Haus handelt, welches nach spanischen Baurecht gebaut wurde, steht es weniger zur Debatte, ob ich eine tragende Wand erwischen könnte. Meine Frage richtet sich dahin: Was benötige ich an Werkzeug und in welchen Schritten gehe ich vor. Es ist nicht geplant eine Tür einzusetzen, sondern vielmehr ein Mauerdurchbruch als Durchgang, oben halb rund"

Antwort von Martin: "Ob Sie eine tragende Wand erwischen, ist leider nicht vom Baurecht abhängig, bzw. dem Heimatland des Hauses, sondern von der Örtlichkeit und dem Haus an sich. Und ob die Wand nun tragend war oder nicht und wie Sie eine tragende Wand abfangen, sollte Sie auch nicht erst interessieren, wenn es Risse in der Decke gibt und das Haus sich neigt. Das hat leider auch nichts mit Baurecht zu tun. Also ist die Vorgehensweise folgende: Überprüfen Sie (unabhängig davon, wo das Haus steht!), ob die Wand eine statische Aufgabe hat. Wenn "ja" müssen Sie mindestens einen Statiker einschalten, der die Statik prüft und Ihnen dann die weiteren Wege sagt, wir werden es in diesem Fall von hier aus mit Sicherheit nicht tun! Wenn die Wand nicht statisch bedeutend ist, müssen Sie mehrere (mindestens alle 2 m) kleine (ca 30x30cm) Durchbrüche direkt unterhalb der Decke herstellen, durch die sie provisorische Stützbalken durchziehen, die auf beiden Seiten die Decke gegen den Boden abstützen. Dann können Sie mit Maschinengewalt (Hilti oder andere Bohrhämmer, nicht Schlagbohrmaschine!) die Wand ausbrechen. Immer lagenweise von oben nach unten. Mundschutz und Sicherheitsschuhe tragen! Regelmäßig den Bauschutt entfernen (NIE auf einem Bauschuttberg stehen!). Wenn dann die Wand entfernt ist, werden rechts und links in den angrenzenden Mauern Widerlager geschlagen (vorher auf Tragfähigkeit prüfen/prüfenlassen!) in die dann ein ausreichend belastbarer Sturz eingelegt/betoniert wird. Der Raum bis zur Decke wird (bis auf die Stellen, an dem die provisorischen Stützbalken die Decke tragen) zugemauert/betoniert. Nach dem Austrocknen werden die Stützen entfernt und die Löcher geschlossen. Dann 3 Kerzen anzünden, dass man keinen Murks gemacht hat und es doch eine tragende Wand war... Nochmal meine Ermahnung: Überprüfen Sie, oder wenn Sie kein Fachmann sind, LASSEN Sie überprüfen, dass die Wand unbedeutend ist und die Statik nicht beeinträchtigt wird! Wenn die Statik vermurkst einmal ist, richtet sich das HAus nicht danach, ob es in Spanien, in Indien oder in Deutschland steht, um einzufallen!"

Antwort von Michael: "Martin hat hier recht. Man kann diese Arbeit nicht selbst machen, braucht aber auch keinen Architekten oder Statiker dazu. Ein erfahrener Maurer erkennt schnell, ob die Wand tragend ist oder nicht und wie er sie abzusichern hat. Er kennt er sich mit den regional verwendeten Materialien und Techniken aus und hat sowieso alle Gerätschaften bei der Hand. Deren Anschaffung allein kostet Sie mehr, als Sie dem Maurer zahlen müssten. Der Halbrundbogen wird rund GEMAUERT (und nicht etwa ein rundes Loch in die Wand geschlagen) oder quasi als Attrappe aus Riggips gemacht, beides Arbeiten fuer Profis. Wie Martin andeutet - wenn sie etwas selber machen wollen, können Sie ja den Bauschutt beiseite schaffen. Im Übrigen arbeiten spanische Maurer besser als die deutschen 'Experten', die sich mit Gelegenheitsjobs in Spanien ueber Wasser halten."