Leimfarbe überstreichen kann Probleme bringen!

Angela S.: Wir haben in den letzten Wochen üble Erfahrungen mit Leimfarbe gemacht. In unserem neu erworbenen Altbau wurden die Wände damals mit Leimfarbe bestrichen und teilweise dann mit Tapeten beklebt. Die Zimmerdecken wurden ebenfalls mit Leimfarbe bestrichen.

Im Rahmen der Renovierung der Zimmer haben wir die Leimfarbe teilweise in mühseliger Arbeit abgewaschen. Dann bekamen wir den Tipp, die Leimfarbe doch einfach mit einer Grundierung zu überpinseln und dann unser Alpinaweiß direkt aufzutragen. Nachdem das Abwaschen der Wohnzimmer-Wände sehr mühselig war, haben wir diesen Tip befolgt und uns die Arbeit des Abwaschens bei der Wohnzimmerdecke gespart. Um ganz sicher zu gehen, haben wir sowohl die abgewaschenen Wände als auch die Zimmerdecke mit der Grundierung behandelt. Dann wurde die Farbe aufgetragen - und der Terror ging los:

Während sich die Wände wunderbar anmalen ließen, hatten wir bei der Decke unsere liebe Not: Teilweise blieben immer wieder regelrechte "Farb-Fetzen" an unserer Maler-Rolle kleben. Wir haben aber nicht gleich aufgegeben, sondern weitergemalt. Als die Fetzen größer wurden, probierte ich an einer kaputten Stelle mal mit dem Spachtel, wie leicht oder schwer sich die Farbe lösen läßt und ob die Probleme auf wenige kleine Stellen beschränkt sind. Das Ergebnis war ernüchternd: Innerhalb weniger als einer Stunde hatte ich die ca. 20 m2 Farbe von der Wohnzimmerdecke mit dem Spachtel abgetragen. Sie löste sich leichter und in größeren Fetzen ab, als so manche hartnäckige Tapete! Manchmal konnten wir sogar Streifen von bis zu einem halben Meter Länge am Stück von der Decke ziehen. Offenbar hat diese Grundierung für den nötigen Halt gesorgt.

Nun war es ja nicht unser Ziel, die Farbe wieder möglichst leicht abziehen zu können, sondern wir haben nach einer Methode gesucht, sie möglichst stabil aufzutragen - trotz Leimfarbe. Und wir haben noch eine Menge Zimmer zu renovieren...

Nun meine Frage: gibt es eine Möglichkeit, Wände und Decken zu streichen, ohne die Leimfarbe vorher abzuschrubben? Falls nicht, wie löst man Leimfarbe am leichtesten von den Wänden?

Antwort des Baumarkt-Teams: Wir wissen ja nicht, wer Euch den Tip gegeben hat, wir würden ihm allerding gründlich den Kopf waschen. Denn: Leimfarbenanstriche müssen nicht nur restlos abgewaschen werden, wenn anschließend Dispersionsfarben überstrichen werden, sondern man sollte zusätzlich nach dem Trocknen der Flächen noch eine lösemittelhaltige Grundierung auftragen, um Kreide- und Leimschleim, der in den Putzporen zurückbleibt, zu festigen.

Ein Überstreichen von Leimfarben mit Dispersionsfarbe wird nie zum gewünschten Erfolg führen, denn das Bindemittel in der Leimfarbe ist Zelluloseleim und wird durch Wasser angequollen bzw. löst sich.

Auch mit einem Grundiermittel ist es nicht möglich, den Leimfarbenanstrich so an den Untergrund zu binden, das er einen tragfähigen Untergrund für einen nachfolgenden Dispersionsfarbenanstrich bietet. Verwendet man wie Ihr ein wäßriges Grundiermittel, wird der Leimfarbenanstrich angequollen bzw. der Leim angelöst. Verwendet man ein lösemittelhaltiges Grundiermittel, kann dieses nicht in die Leimfarbe eindringen, weil der Leim vom Lösemittel nicht angelöst wird bzw. als Sperre wirkt.

Wir empfehlen daher, alte Leimfarbenanstriche gründlich abzuwaschen und, wie schon erwähnt, die Flächen anschließend nochmals zu grundieren, um einen festen und tragfähigen Untergrund für nachfolgende Anstriche oder Beschichtungen zu erreichen.

Zum Entfernen von Leimfarbe verwendet man immer Wasser. Der Fachmann benutzt zum Abwaschen eine Deckenbürste, Privatleute machen dies in den meisten Fällen mit einem größeren Viskose-Schwamm. Liegen sogenannte Mischbinderanstriche vor, d. h. Leimfarben, denen noch Dispersionsbinder zugesetzt wurde und die sich daher nur sehr schwer abwaschen lassen, sollte man diese mehrmals naß machen und dann mit einer Spachtel abschieben. Die Reste müssen dann noch abgewaschen werden.

Das macht zwar leider eine Menge Arbeit, ist aber der einzige Weg, die von Dir beschriebenen Probleme zu vermeiden.