Kupferrohre - ungefährlich oder nicht?

Sind Kupferrohre in der Trinkwasserinstallation ungefährlich oder nicht? Diese Frage wurde wiederholt an uns gestellt. Wir lassen die Experten des Umweltbundesamtes und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin zu Wort kommen. In einer Presseerklärung heißt es, dass Kupferrohre nicht für alle Trinkwasserinstallationen geeignet sind. Bevor aber jemand nun in Panik gerät, sollte man den Beitrag in Ruhe durchlesen. "Durch die Bank" gilt: In den meisten Fällen sind Kupferrohre unbedenklich. Hier nun der Beitrag des Bundesinstituts für Risikobewertung:

Kupferrohre sollten nicht für die Trinkwasserinstallation verwendet werden, wenn das Wasser einen niedrigen pH-Wert hat. Dies gilt insbesonderne für alle Hausbrunnen-Varianten, weil bei diesen vielfach auf eine Aufbereitung des Trinkwassers verzichtet wird. Durch diese Vorsorgemaßnahme lassen sich mögliche Gefahren für die Gesundheit vermeiden. Ein stark erhöhter Kupfergehalt von Trinkwasser wird mit Leberschäden (Leberzirrhosen) bei Säuglingen in Verbindung gebracht. Grundsätzlich sollen nur Materialien für die Trinkwasserinstallation benutzt werden, aus denen möglich wenig Stoffe in das Trinkwasser gelangen können (Minimierungsgebot). Die örtlichen Wasserwerke geben über pH-Werte und geeignete Werkstoffe Auskunft.


Wichtig ist bei dieser Empfehlung die Unterscheidung zwischen weichen, salzarmen Wässern und sehr harten Wässern (Härtebereich 4). Bei ersteren ist es möglich, einen hohen pH-Wert, beispielsweise von 7,8 und höher, einzustellen. Das wird auch von der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vorgeschrieben und führt zu einer sehr geringen Kupferbelastung. Dagegen kann bei Wässern im Härtebereich 4 aus technischen Gründen der pH-Wert nicht beliebig angehoben werden, was die Vorschriften der TrinkwV berücksichtigen. Das technische Regelwerk schränkt deshalb für alle Härtebereiche die Verwendung von Kupferrohren von Wässern mit pH-Werten über 7,0 ein. Nach neueren Erkenntnissen des Umweltbundesamtes, Institut für Wasser-, Boden und Lufthygiene, sind Kupferrohre für den Härtebereich 4 auch im pH-Bereich zwischen 7,0 und 7,3 nicht in allen Fällen geeignet. Es wird empfohlen, sich in Zweifelsfällen vor der Neuinstallation von Kupferleitungen beim Gesundheitsamt zu erkundigen.

In der Vergangenheit sind wiederholt Fälle frühkindlicher Leberzirrhosen bei Säuglingen beobachtet worden, die auf erhöhte Kupferkonzentrationen von mehr als als 10 Milligramm Kupfer pro Liter Wasser zurückgeführt wurden. Bei den wenigen klinisch beschriebenen Fällen wurde Wasser aus Hausbrunnen in Verbindung mit Kupferrohren, Kupferboilern oder Kupfergeschirr verwendet. Aus dem Bereich der öffentlichen Trinkwasserversorgung sind dagegen keine Erkrankungsfälle registriert.

Als gesundheitlich unbedenklich wird nach derzeitigem Wissen eine mittlere Belastung des Trinkwassers mit 2 Milligramm (mg) Kupfer pro Liter Wasser angesehen. Diesen Wert hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Leitwert bekräftigt. Er ist ebenso Bestandteil des Entwurfes zur Novellierung der europäischen Trinkwasserrichtlinie. Auch die neueren Auswertungen von Tierversuchen des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes durch das Umweltbundesamt, Institut für Wasser-, Boden und Lufthygiene, bestätigen: Selbst stark erhöhte Kupferkonzentrationen im Trinkwasser führen nicht unbedingt zu Leberschäden. Außerdem gibt es neben Kupfer zahlreiche weitere mögliche Ursachen für solche Leberschäden.

Nach Auffassung des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) ist bei höheren Mittelwerten als 2 mg/l Kupfer der Sicherheitsabstand zu vielleicht gesundheitsschädlichen Konzentrationen nicht ausreichend. Um möglichen Gesundheitsgefahren vorzubeugen, wird deshalb dringend geraten, folgende Hinweise zu beachten:

  • Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung ist einwandfrei. Es kann jedoch beim Durchfluss durch hausinterne Installationen - in Abhängigkeit vom Rohrmaterial - verändert werden. Eltern von weniger als zehn Wochen alten Säuglingen sollten aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes den Rat der örtlichen Gesundheitsämter einholen, wenn die Säuglinge nicht gestillt werden und ausschließlich mit Trinkwasser zubereitete Nahrung erhalten. Ist das Gesundheitsamt der Auffassung, dass es nicht ausreicht, das abgestandene Wasser aus Kupferleitungen ablaufen zu lassen, um frisches, unbelastetes Trinkwasser aus dem Hahn zu erhalten, sollte für die Zubereitung von Säuglingsnahrung abgepacktes Wasser oder Mineralwasser verwendet werden, das hierfür ausdrücklich als geeignet ausgewiesen ist.
  • Kupfergeschirr ohne Innenbeschichtung aus Zinn oder Edelstahl soll nicht für die Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden. Häufig wird solch ungeeignetes Geschirr als Souvenir von Reisen mitgebracht.
  • Für Warmwasserboiler aus Kupfer gelten dieselben Einschränkungen wie für Kupferrohre.
  • Ein Austausch bestehender Installationen aus Kupfer gegen besser geeignete Werkstoffe ist auch in Versorgungsgebieten mit hartem Wasser und einem pH-Wert unter 7,3 nicht erforderlich, sofern die Vorgaben der Trinkwasserverordnung hinsichtlich des pH-Wertes eingehalten sind. Der Härtebereich und der pH-Wert des Wassers sind in vielen Städten und Gemeinden in der Jahresrechnung des Wasserversorgers aufgeführt; grundsätzlich können Sie beim zuständigen Gesundheitsamt oder beim Wasserwerk erfragt werden.
Einige Hersteller von Kupferrohren haben mittlerweile andere Werkstoffe entwickelt. So werden zum Beispiel seit Ende Oktober 1997 innen verzinnte Kupferrohre angeboten. Dieser neue Werkstoff ist nach Herstellerangaben auch für einen pH-Wert unter 7,3 geeignet.

Das Umweltbundesamt apelliert an Handelsketten und Baumärkte, dafür Sorge zu tragen, dass Materialien für Trinkwasserinstallationen nur mit Warnhinweisen und angemessenen Informationen angeboten werden. Für Kupferrohre ist zum Beispiel folgender Warnhinweis angemessen: "Aus gesundheitlichen Gründen dürfen Kupferrohre nicht für Wasser aus Hausbrunnen und nicht für hartes Trinkwasser mit einem pH-Wert unter 7,3 verwendet werden. Gefährdet sind insbesonderne Säuglinge."

Außerdem sollte darauf hingewiesen werden, dass das Versorgungsunternehmen oder das Gesundheitsamt Auskunft über geeignete Werkstoffe für Trinkwasserinstallationen im örtlichen Versorgungsgebiet geben und nur die vom Versorgungsunternehmen zugelassenen Installateure Neubauten oder Änderungen der Installation vornehmen dürfen.