Kohlenmonoxid: Tödliche Gefahr in den eigenen vier Wänden

kaminfeuer_co.jpgKann einen der Kaminofen, der offene Kamin oder der Kachelofen umbringen, weil tödliches Kohlenmonoxid austritt, ohne dass die Bewohner das merken? Die Frage wurde im März 2014 wieder aktuell, als eine vierköpfige Familie durch eine Kohlenmonoxidvergiftung gestorben war. Um die Frage zu beantworten: Kachelöfen sowie offene Kamine sind seit Menschengedenken in Betrieb und ungefährlich, Kaminöfen ebenso. Aber wenn man eine Herdplatte heiß laufen lässt und die Küche abbrennt, dann können Bewohner natürlich durch Rauchgase vergiftet werden. Wenn man also Brennstellen leichtfertig bedient, dann kann eben alles passieren. Und im Fall der vierköpfigen Familie war im übrigen eine Gasthermenheizung bzw. ein verstopfter Schornstein Auslöser der Tragödie.

Vom tödlichen Leichtsinn des Grillens in geschlossenen Räumen

Um die 600 Todesfälle durch eine Kohlenmonoxidvergiftung soll es im Jahr in der BRD geben. Manche Opfer erhalten nach ihrem Ableben den Darwin-Award, einen zynischen Preis für das Sich-Verabschieden aus der Menschheit. So wurde posthum jemand „geehrt“, der auf die Idee gekommen war, die Grillsaison aufgrund des schlechten Wetters im Keller zu eröffnen. Andere Opfer glaubten, mit ihrem Gas- oder Kohlegrill die Wohnung beheizen zu können. Wieder andere nahmen an, das Feuer im Grill sei bereits erloschen und stellten diesen über Nacht in ihre Wohnung.

Daraus kann man die Lehre ziehen, dass Holzkohle- und auch Gasgrills in geschlossenen Räumlichkeiten nichts zu suchen haben. Schornsteinfeger warnen zudem vor Indoor-Grills. Wer jetzt annimmt, dass die Opfer von Kohlenmonoxidvergiftungen immer selbst Schuld seien, liegt aber falsch. In den weit überwiegenden Fällen liegen die Ursachen ganz woanders.

Dohlennester im Schornstein können tödliche Folgen haben

Auch wenn von defekten Gasthermen eine große Gefahr ausgehen kann, sollte man sich auch mit einer voll funktionstüchtigen und gewarteten Therme nicht in Sicherheit wiegen. Die bereits zitierte vierköpfige junge Familie kam ums Leben, weil Dohlen ein Nest in ihrem Kamin gebaut hatten. Die Abgase der Gaswohnungstherme konnten deshalb nicht mehr abziehen und reicherten sich im Haus an.

Die unter Artenschutz stehenden Dohlen machen sich zunehmend in den Städten breit. Da sie Höhlenbrüter sind, erscheinen ihnen Schornsteine als perfekte Nistplätze. Zunächst lassen die Dohlen größere Äste in den Kamin fallen, bis diese dort verkanten. Darauf wird dann ein Nest mit einige Nistmaterial vom Heu bis zur Plastiktüte vollgestopft. Diese dichten Nester können in bis zu fünf Metern Tiefe liegen. Kann der Schornsteinfeger diese Nester nicht mit seinem Spezialwerkzeug entfernen, muss der Schornstein gegebenenfalls sogar aufgestemmt werden. Damit es soweit gar nicht erst kommt, sollte der Schornsteinfeger oder Dachdecker fachgerecht ein Dohlengitter auf dem Kamin installieren.

Wenn die Drosselklappe nicht richtig eingestellt wird

kaminofen_co.jpgBei einem offenem Kamin, Kachel- oder Kaminofen kann nicht nur ein verstopfter Schornstein den Kohlenmonoxidgehalt erhöhen. Manche Besitzer drosseln an ihrem Kamin oder Kachelofen die Sauerstoffzufuhr, damit das Holz langsamer verbrennt. Stellt man diese falsch ein, begünstigt man eine unvollständige Verbrennung.

Viele Ofenbesitzer haben eine Drosselklappe im Abzugsrohr, um den Kaminzug regulieren zu können. Mit einer Drosselklappe kann man verhindern, dass die aufgeheizte Luft zu schnell und damit ungenutzt abtransportiert wird. Vergisst man diese zu öffnen oder schließt sie zu weit, können die Abgase nicht mehr abziehen und sickern in die Raumluft ein. Soweit die Theorie. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kohlenmonoxid durch eine geschlossene Klappe eines Kaminofens dringt, tendiert den Ofenherstellern zufolge jedoch gegen Null.

Anders ist es, wenn bei nicht vollständig geöffneter Drosselklappe Rauch in den Raum zurückschlägt, weil die Ofentür geöffnet wird, um Holz nachzulegen. Diese Rauchgase nimmt man — anders als Kohlenmonoxid - sofort wahr und wenn Rauch Raum in den Wohnraum dringt, wird normalerweise gründlich gelüftet.

Um das Feuer zu regulieren, sollte man über den Primär- und Sekundärluftschieber die Luftzufuhr steuern. Kaminschieber und Luftklappe müssen während des gesamten Abbrandes geöffnet bleiben und sind erst zu schließen, wenn keine Glut mehr zu sehen ist. Wer sein Kaminholz zudem von oben nach unten durchbrennen lässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Abgase vollständig verbrennen. Mit diesen und weiteren Tipps vom Schornsteinfeger heizt man richtig.

Woran erkenne ich eine Kohlenmonoxidvergiftung?

Kohlenmonoxid ist sehr tückisch. Das Gas ist geruchlos, geschmacklos und unsichtbar. Die Moleküle sind zudem so klein, dass sie sogar durch Wände dringen können. Die Quelle des Kohlenmonoxids muss sich also gar nicht unbedingt im selben Raum befinden. Beschlagene Fenster und Spiegel sowie feuchtwarme Luft im Heizungsraum können ein Indiz auf eine erhöhte Abgaskonzentration sein.

Zu den ersten körperlichen Symptomen einer Vergiftung gehören Gereiztheit, Verwirrtheit und Unwohlsein. Es kommt zu Kopfschmerzen und Übelkeit. In der nächsten Stufe verspürt man Atemnot und man verliert alsbald das Bewusstsein. Es kann auch zu Krämpfen kommen. Wird man vom Kohlenmonoxid im Schlaf überrascht, hat man kaum eine Chance, sich in Sicherheit zu bringen. Bei einer hohen Kohlenmonostoffkonzentration kann der Tod innerhalb von 10 Minuten eintreten. Schon bei geringen Anzeichen der geschilderten Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung sollte man einen Arzt aufsuchen.

Wie kommt es zu einer Kohlenmonoxidvergiftung?

Wenn organische Stoffe wie Holz, Öl, Erdgas oder Kohle verbrennen, reagiert der enthaltene Kohlenstoff (C) mit dem Sauerstoff (O2) aus der Luft zu Kohlenstoffdioxid (CO2). Das ist normalerweise kein Problem. Auch in unserem Körper geschieht — vereinfacht dargestellt — bei unserer Atmung nichts anderes. Wir atmen Sauerstoff ein und atmen Kohlendioxid aus.

Bei einem Feuer aber verläuft eine solche Verbrennung in den seltensten Fällen so sauber. Ein gewisser Grad an Kohlenstoffmonoxid (CO), so der korrekte chemische Ausdruck, entsteht dabei immer. Kritisch wird es erst, wenn das Kohlenmonoxid nicht abziehen kann und die Luft anreichert oder wenn keine ausreichende Sauerstoffzufuhr mehr gegeben ist. Fehlt der Feuerquelle Sauerstoff (O), stoppt die Verbrennung nicht augenblicklich, so wie man es von einer Kerze kennt, über die ein Glas gestülpt wurde. Bevor das Feuer erlischt, weil ihm die Sauerstoffnahrung ausgeht, läuft die Verbrennung unvollständig ab. Der Kohlenstoff oxidiert aufgrund dessen unvollständig. Er verbindet sich nur mit einem statt mit zwei Sauerstoffatomen, und es entsteht Kohlenstoffmonoxid. Kohlenmonoxid ist strukturell unserem Luftsauerstoff sehr ähnlich. Atmet man dieses Molekül ein, heftet es sich 200 bis 300 Mal fester an das Hämoglobin und verhindert so, dass Sauerstoff mit dem Blut transportiert wird. Die Zellen fehlt in der Folge Sauerstoff, um jenes Kohlendioxid herzustellen, dass wir ausatmen. Aufgrund dieses Sauerstoffmangels erstickt man dann.

Reichen Rauchmelder zum Schutz aus?

Pauschal muss man diese Frage verneinen. Die wenigsten Rauchmelder sind mit einem speziellen CO-Melder ausgestattet. Wirft man einen Blick auf die Statistik, sterben in Deutschland auch bedeutend mehr Menschen an den Folgen einer Rauchgas- als an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Sinnvoll ist der Einsatz von separaten CO-Meldern in sämtlichen geschlossenen Räumen mit Feuerstätten. Gemeint sind also die Räume, in denen sich ein offener Kamin. Kaninofen oder Kachelofen befindet, und auch solche Räume, in denen sich eine Gastherme oder ein Notstromaggregat befindet.

Der zuständige Schornsteinfeger wird eine auf das jeweilige Haus zugeschnittene Empfehlung aussprechen. Die Luxusausführungen der CO-Melder sind funkvernetzt. So kriegt man auch mit, wenn der CO-Melder im Keller oder auf dem Dachboden Alarm schlägt.

Ist dies der Fall, sollte man zunächst sämtliche erreichbare Fenster öffnen und dann das Haus verlassen. Dass es keine gute Idee ist, den Raum aufzusuchen, in dem der Alarm ausgelöst wurde, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Soweit man sich nicht selber in Gefahr bringt, sollten sämtliche Bewohner alarmiert werden. Im nächsten Schritt sollte man die Feuerwehr anrufen und schon auf den Verdacht einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung hinweisen.

Foto 1: www.fotoatelier-schumacher.de
Foto 2: epr/Storch