Kindgerecht bauen und kindgerecht wohnen

kindergerecht_maedchen.jpg

Wie ein behinderten- oder seniorengerechtes Haus gebaut und eingerichtet werden soll, darüber gibt es Normen und ausreichend Fachliteratur. Doch wie ist das mit dem Kinderzimmer? Kinderreiche Eltern finden zunächst einmal schwer eine Mietwohnung. Die Hausbesitzer möchten Ruhe im Haus — aber Kinder machen nun einmal Lärm. Hausbesitzer oder andere Mieter begreifen leider nicht immer, dass Kinderlärm Zukunftsmusik ist.

Wenn Bauexperten davon ausgehen, dass jedes Kind sein eigenes Zimmer haben und dass dieses Zimmer um die 15 qm groß sein sollte, dann wird das Ministerin Ursula von der Leyen für ihre sieben Kinder möglich gemacht haben. 98 % der Familien werden ihren Kindern solche Wohnverhältnisse nicht bieten können. In sozial schwachen Familien werden vier Kinder in zwei Etagenbetten untergebracht und die Betten stehen dann auch noch in einem Raum. Die Redaktion von baumarkt.de kann solche Missstände nicht beseitigen. Aber wir können und wollen hier doch einen Leitfaden ins Netz stellen, wie Wohnungen kindgerecht ausgestattet werden sollten, wenn es eben möglich ist:

  1. Pro Kind ein Raum, der mindestens 12 qm groß sein und in dem zunächst die Wickelkommode und später ein Schreibtisch stehen sollte. Im Raum sollten alle Anschlüsse für elektronische Medien und das Telefon vorhanden sein/eingebaut werden, denn Kinder können nicht von moderner Kommunikation ausgeschlossen werden.

  2. Im Krabbelalter muss die Mutter (oder der Vater) das Kind ständig im Auge behalten. Das Kind in der Küche „ja“, wenn dafür gesorgt wird, dass das Kind nicht an die Herdplatte greifen oder die Bedienknöpfe des Herdes verdrehen kann.

  3. Im Krabbelalter darf das Kind auch ins Wohnzimmer, wenn Vater/Mutter es (von der Küche aus) ständig beobachten können und wenn alle spitzen Ecken entschärft worden sind — z.B. durch Abdeckkappen am Wohnzimmertisch und wenn alle Steckdosen eine Kindersicherung haben.

  4. Im Krabbelalter und darüber hinaus sollten alle Treppenaufgänge oder Treppenabgängen mit einem Gitter versperrt werden. Und wenn im Garten ein Teich ist, dann muss dieser abgeschirmt oder mit Drahtnetzen abgedeckt werden.

  5. Die Tapeten im Zimmer des Babys sollten abziehbar sein, denn mit sechs oder sieben Lebensjahren ist Tapetenwechsel angesagt — und mit 12 bis 14 Jahre ein weiteres Mal.

  6. Das Kinderzimmer sollte hell sein und in Süd- oder Südwestlage liegen, aber auch verdunkelbar sein, wenn am PC gearbeitet wird.

  7. Regale und Schränke sollten an der Wand festgedübelt werden, denn Jungen können auf die Idee kommen, am Regal hochzuklettern und dieses umzustürzen.

  8. Lose Teppiche auf glatten Böden sind (auch für Senioren und behinderte Menschen) eine Gefahrenquelle. Wenn Teppich, dann fest verklebter Teppichboden — oder noch besser ein Korkboden.

  9. Eine Leselampe über dem Bett sollte fest in der Wand verdübelt werden.

  10. Ein Rauchmelder ist unheimlich wichtig, denn Kinder spielen gerne mit dem Feuer.

  11. Keine nostalgischen Türbeschläge mit spitzen Ecken, an denen sich Kinder Beulen am Kopf holen können. Keinen Schlüssel im Schloss stecken lassen. Der Schlüssel darf erst wieder ins Schloss, wenn die Kinder „vernünftig“ geworden sind und mit ihrer ersten Liebe allein sein wollen.

Wenn sich mehr Nachwuchs einstellt, als geplant war, sollte ein älteres Kind nicht in einen Kellerraum umziehen, weil das Zimmer nahe der Eltern für das Baby gebraucht wird. Dann sollte eher der Arbeitsraum in den Keller verlegt und zum Zimmer für das Baby umfunktioniert werden.

Und wenn die Kinder dann aus dem Haus, auf einmal zwei oder mehr Kinderzimmer unbewohnt sind und sich die inzwischen über 55 Jahre alten Eltern fast verloren vorkommen in dem leeren Haus? Dann kann sich der Hausbesitzer glücklich schätzen, dessen Architekt die Kinderzimmer schon so eingeplant hatte, dass sie später einmal ohne allzu großen Aufwand in Appartements zum Vermieten umgestaltet werden können.

Foto: www.fotoatelier-schumacher.de