"Intelligentes Wohnen" und Nachhaltigkeit gehören zusammen

solardach_01.jpg Dem intelligenten Zuhause wird die Zukunft gehören. Da sind sich Möbeldesigner, Ingenieure und IT-Experten weitegehend einig. Dabei ist immer wieder vom „Internet der Dinge“ die Rede, was die Vernetzung zahlreicher Haushaltsgegenstände meint. Doch dieses Smart-Home ist nur ein Aspekt der fortschreitenden Technisierung des Eigenheims. Nicht jede intelligente Technik im Haus wird sich über eine App steuern lassen oder benötigt einen Internetanschluss. Auch in den Baustoffen steckt immer mehr Technik. Manches davon wird schon in modernen Gebäuden angewandt, andere Entwicklungen werden aktuell noch erforscht, weitere werden es wohl nicht über das Versuchsstadium hinaus schaffen. Jedoch ist der Markt offen für Innovationen, weshalb es sich lohnt, schon einmal einen Blick in die Zukunft zu werfen und zu gucken, welche Funktionen Häuser noch erfüllen werden. Besonders die Nanotechnologie eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Planer und Forscher sind darauf bedacht, Häusern einen Mehrwert zu geben — also nicht allein Platz zum Wohnen zu bieten, sondern auch darüber hinaus Mensch und Umwelt zu nutzen. „Nachhaltigkeit“ ist eines der Stichworte. Architekten versuchen das seit jeher über das Design. Ihre Häuser geben den Städten ihren Charakter. Kein Architekt, der für seinen Beruf brennt, wird ein hässliches Haus designen. Allerdings sind Geschmäcker verschieden und wandelbar und nicht allein Architekten entscheiden über das Design.

Forscher arbeiten daran, Häuser energetisch autonom zu gestalten. Auch heute gibt es schon Wohnanlagen, die einen Energieüberschuss produzieren. Diese sind aber (noch) sehr teuer und lassen sich nicht überall realisieren. Insbesondere in Städten ist der Raum limitiert und die Herausforderungen für das Wohnen ganz anders als auf dem Dorf.

Mit Architektur Lärm bekämpfen

Lärm ist in Städten immer ein Thema. Und so kommt diesem beim Hausbau in der Stadt eine erhöhte Bedeutung zu. Dauerhafter Lärm macht bekanntlich krank. Wird ein Haus neu gebaut, ist es nicht nur entscheidend, dass der Straßenlärm nach innen abgeschirmt wird. Ein Neubau hat auch immer Einfluss auf die Nachbarbebauung. Eine geschlossene Riegelbebauung reflektiert den Schall und auf einmal wird es auf der gegenüberliegenden Straßenseite doppelt so laut. Bricht man eine gerade Fassadenfront auf, kann diese den Schall schlucken. Davon profitieren ganze Straßenzüge und auch die dahinterliegende Bebauung.

Pflanzen gegen Feinstaub

wein_an_der_fassade.jpg Begrünte Fassaden haben eine vielfache Funktion. Üppig mit Efeu oder Wein bewachsene Fassaden bieten Vögeln in der Stadt einen Lebensraum und helfen, das Klima im Haus zu regulieren. Im Winter schützen sie die Fassade vor der Kälte, im Sommer schirmen sie Hitze ab. Auch helfen sie, hässliche Fassaden zu kaschieren. Allerdings brauchen diese Fassaden Pflege. Wein, Knöterich und Efeu wachsen auch in die kleinsten Lücken und können die Stabilität des Putzes gefährden.

Doch Fassadenbegrünung wird von Architekten auch ganz bewusst eingesetzt. Dabei muss es sich nicht um alles überragende Kletter- und Schling­pflanzen handeln. Eine kleine Pflanze, die lange Zeit eher als lästiges Unkraut angesehen wurde, wird zum multifunktionalem Gestaltungselement: Moos. Die kleinen Pflanzen bilden keine Wurzeln und beziehen ihre Nährstoffe aus der Luft und haben eine riesige Oberfläche. Auf einem Quadratmeter befinden bemooster Fassade befinden sich fünf Millionen kleinste Blättchen, die auch Schadstoffe aus der Luft aufnehmen und diese filtern.

Auch ein Vorgarten hat enorme Auswirkungen auf die Lärm- und Schadstoffbelastung. Die wenigen Meter, die ein Haus von der Straße zurücksteht, helfen den Schall besser abzuleiten. Bäume und Sträucher wirken wie eine Schalldämmung. Feinstaub wird ebenfalls aus der Luft gefiltert.

Schadstoffe in der Fassadenfarbe binden

Der Lotus-Effekt von Fassadenfarbe ist mittlerweile fast schon ein alter Hut und steht fast sinnbildlich für Nanotechnologie. Winzige Hubbel sorgen dafür, dass Schmutz keinen Halt findet oder Staub beim nächsten Regen einfach mit abgewaschen wird. Dieser Effekt ist aber nicht die einzige Funktion, die Fassadenfarbe erfüllen kann. Wird der Farbe Nano-Titandioxid beigemischt, kann sie Schadstoffe aus der Luft filtern. Angeregt von der UV-Strahlung der Sonne, wird die Farbe zum chemischen Katalysator. Die schädlichen Autoabgase werden zu Wasser und Nitraten umgewandelt.

Fenster erzeugen Strom

fassade_mit_runden_fenstern.jpg Doppel- und Dreifachverglasung ist in Städten eher die Regel als die Ausnahme. Primärer Zweck ist der Schutz vor Lärm. Die Mehrfachverglasung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wärmedämmeigenschaften eines Gebäudes. Die Zwischenräume zwischen den Fenstern lassen sich dabei zur Energieerzeugung nutzen. Dafür gibt es verschiedene Modelle. Zum einen lassen sich zwischen die Scheiben Solarzellen in die Fenster integrieren. Die dünnen Module sind weitgehend durchsichtig und filtern für den Menschen unsichtbares Licht aus der Sonne und wandeln dieses in elektrische Energie um. Ein anderes Modell, das sich auch in Kombination mit Solarmodulen anwenden lässt, sieht vor, die Zwischenräume mit Mikroalgen und Wasser zu füllen. Aus jedem Fenster wird so ein kleiner Bioreaktor. Die Microalgen produzieren Wärme und Biomasse, die in einer Biogasanlage wiederum zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Aktuell wird diese Technologie in einem Modellhaus in Hamburg erprobt. Am Ende der Versuchsreihe könnte ein energieautarkes Haus stehen, dass ich selbst mit Wasser, Wärme und elektrischer Energie versorgt. Der Wirkungsgrad der stromerzeugenden Fenster hängt natürlich von der Ausrichtung der Fenster ab und ist bislang noch nicht sonderlich hoch.

Wann und ob diese und andere Technologien in unseren Alltag einziehen, steht noch in den Sternen. Die Abhängigkeit von elektrischem Strom steigt mit jedem Gerät im Haushalt, dass Strom benötigt. Denn vieles, was modernen Wohnkomfort ausmacht, funktioniert nur mit elektrischem Strom. Das fängt bei alltäglichen Dingen wie dem Kühlschrank an und geht weiter zu Technologien, die erst allmählich in moderne Häuser einziehen. Sich selbst öffnende und schließende Fenster oder elektrische Türschlösser sind nur zwei Beispiele. Will der Mensch nicht gänzlich auf seinen Energieversorger und die Stabilität des Stromnetzes angewiesen sein, wird der dezentralisierten Energiegewinnung beim Hausbau eine immer wichtigere Rolle zukommen.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de