Holzzerstörende Pilze - ein Überblick

Holzzerstörende Pilze sind nicht nur die wichtigste Gruppe der pflanzlichen Holzschädlinge, vielmehr sind die durch sie hervorgerufenen Schäden auch noch ungleich höher als die durch tierische Zerstörer wie beispielsweise Hausbock oder Nagekäfer. Sie bauen die Zellwände der Holzzellen ab und verursachen die Zerstörung des befallenen Holzes. Der Aufbau dieser Pilze ist relativ einfach. Der eigentliche Vegetationskörper besteht aus einem Geflecht bandförmiger bzw. röhrenförmiger Zellfäden, die als Hyphen bezeichnet werden. Die Hyphen sind reich verzweigt und sehr fein und daher nur unter dem Mikroskop erkennbar. Die Gesamtheit der Hyphen wird als Myzel bezeichnet. Je nach Pilzart ist die Aufgabe des Myzels bzw. der Hyphen, entweder Zellinhaltsstoffe aufzuschließen oder Zellwandsubstanzen aufzulösen. Hierdurch wird das Holz bis hin zur völligen Zerstörung zersetzt. Die wichtigsten holzzerstörenden Pilze sind der Echte Hausschwamm, der Braune Kellerschwamm und der Weiße Porenschwamm. 

pilze.jpgHolzzerstörende Pilze können nur unter speziellen Lebensbedingungen existieren. Sie sind insbesondere auf Feuchtigkeit angewiesen. Dazu muss eine Feuchtigkeit von 20 Prozent überstiegen werden, wobei im verbauten Holz die vorhandene Feuchtigkeit 8 bis 16 Prozent beträgt. Ein Pilzbefall kann daher normalerweise nur entstehen und sich entwickeln, wenn Feuchtigkeitsquellen existieren. Feuchtigkeitsquellen können Undichtigkeiten, Wasserleitungsschäden, nasses Mauerwerk oder ungehindert einwirkende Witterung sein. Das benötigte Feuchteklima an den Konstruktionshölzern entsteht häufig aber auch nach erfolgten Sanierungen oder Ausbauten. Grund hierfür ist die durch den Umbau eingebrachte Baufeuchte. Zu nass eingebautes Holz oder die in der Energieeinsparverordnung geforderten winddichten Fenster sind weitere Ursachen für die Zunahme der Feuchtigkeit in der Wohnung. 

Braunfäule, Weißfäule oder Moderfäule

Nach Art der Holzzerstörung werden Braun-, Weiß- und Moderfäule unterschieden. Die Braunfäule tritt meist am verbauten oder lagerndem Holz auf. Dabei wird vorzugsweise die Zellulose im Holz abgebaut. Das Holz verfärbt sich braun, weil das braune Lignin übrig bleibt. Die Festigkeit und Rohdichte des Holzes ist bei fortgeschrittener Braunfäule drastisch gemindert. Typisch ist die Bildung von Rissen im Holz, die quer und parallel zur Faserrichtung verlaufen und als Würfelbruch bezeichnet werden. Man spricht bei Braunfäule auch von Destruktionsfäule.

Von Korrosionsfäule hingegen spricht man hingegen bei der Weißfäule. Sie tritt meist am lebenden Baum auf, ist aber auch an feucht lagerndem Holz und an verbautem Holz im Gebäude zu finden. Bei der Weißfäule wird Zellulose und Lignin gleichzeitig abgebaut. Das Holz wird faserig und färbt sich hell bis weiß.

Die Moderfäule schließlich findet man meist an frei verbautem, sehr feuchtem Holz. Aber auch auf Dachböden wurde Moderfäule schon entdeckt, nämlich dann, wenn es dort sehr stark durchfeuchtet und schmutzig ist. Der Befall ist meist örtlich sehr begrenzt. Die Oberfläche von Moderfäule befallenem Holz ist im feuchten Zustand schmierig, weich, dunkel verfärbt und reißt im ausgetrockneten Zustand fein würfelbrüchig auf.

Echter Hausschwamm

Der Echte Hausschwamm ist einer der gefährlichsten Holz- und Hauszerstörer überhaupt. Nach Schätzungen gehen die jährlich durch den Hausschwamm verursachten Schäden in die Milliarden. In Deutschland belaufen sich die Schäden auf rund 200 Millionen Euro jährlich. Aufgrund seiner Gefährlichkeit besteht in einigen Bundesländern (Hamburg, Saarland, Sachsen, Thüringen) sogar eine Meldepflicht für den Echten Hausschwamm. Der Pilz befällt verbautes, feuchtes und ungeschütztes Holz und kann sich über meterlange, bis bleistiftdicke Myzelstränge auch über das Mauerwerk und sogar durch massive Wände, insbesondere durch Fugen hindurch ausbreiten. Diese Myzelstränge dienen auch der Wasserleitung, deshalb können sie einmal befallenes Holz durch Abgabe von Feuchtigkeit weiterhin befallsreif machen, auch wenn es lufttrocken ist.

Als einziger Holzpilz greift der Echte Hausschwamm auch auf trockenes Holz über und leitet das nötige Wasser über die Myzel oft mehrere Meter weit. Es entsteht Braunfäule mit würfelartigem Zerfall des Holzes. Das führt sogar soweit, dass stark befallene Häuser einsturzgefährdet sind. Infizierte Holzteile müssen ausgetauscht und besonders entsorgt werden. Auf der Oberseite des befallenen Holzes entwickelt sich ein reinweißes, watteartiges Myzel, das sich bei Berührung graubraun verfärbt. Außer Holz werden auch noch andere zellulosehaltige Materialien befallen und zerstört, wie Papier, Stroh, Baumwolle und Leinen. Der Hausschwamm kann starke, tragende Holzkonstruktionen innerhalb weniger Jahre völlig zerstören und insbesondere an Fachwerkgebäuden große Schäden anrichten.

Ursache ist, wie bereits erläutert, eine Feuchtequelle wie zum Beispiel eine undichte Hauswand. Als konstruktive Maßnahme muss Holz so eingebaut werden, dass es nach dem Einbau weiter trocknen kann und gegen aufsteigende Nässe aus Mauerwerk und Bodenfeuchte durch Sperrschichten geschützt wird. Auch chemische Schutzmaßnahmen sind möglich, ebenso Vorbeugung durch Auswahl geeigneter Hölzer. Ist der Befall mit Hausschwamm erst mal da, sollte auf alle Fälle ein Fachmann zu Rate gezogen werden. Dieser kann das Ausmaß des Befalls abschätzen und die geeigneten Maßnahmen einleiten.

Brauner Kellerschwamm

Damit sich der Braune Kellerschwamm wohlfühlt, ist ein relativ hoher Feuchtigkeitsbedarf von 50 bis 60 Prozent notwendig. Die optimale Temperatur liegt bei 22 bis 24 Grad Celcius. Er gefährdet alles Holz im Bereich feuchter Mauern wie beispielsweise Balkenköpfe oder feuchte Böden sowie alles Holz in Räumen mit starker Wasserdampfentwicklung. Die zerstörerische Wirkung des Braunen Kellerschwamms kann ähnlich hoch sein wie beim echten Hausschwamm. Und wie auch beim Hausschwamm bildet er Myzel aus, die zunächst weißlich sind und die mit zunehmenden Alter zunächst graubraun und dann dunkelbraun werden. Dabei haften die wurzelartigen verzweigten Stränge fest an der Unterlage. Der Braune Kellerschwamm ist häufig in Neubauten anzutreffen. Grund sind zu früh und luftdicht auf noch feuchtem Estrich verlegte Bodenbeläge wie zum Beispiel Linoleum oder PVC. Das Problem dabei ist, dass die Existenz des Pilzes lange unbemerkt bleibt, da auf den Außenflächen des Holzes keine oder nur diskrete Anzeichen für eine Zerstörung erkennbar sind. Tatsächlich kann das Holz auf der Unterseite schon verfault sein. Wird bei der Austrocknung auf eine fachgerechte Sanierung verzichtet, kann der Braune Kellerschwamm Wegbereiter des Echten Hausschwamms sein.

Weißer Porenschwamm

Beim Weißen Porenschwamm entsteht, wie auch beim Hausschwamm und Kellerschwamm, Braunfäule mit Würfelbruch. Die Mycel bilden sich als weisse, zum Teil kräftige, eisblumenartige Stränge aus. Im Gegensatz zum Echten Hausschwamm bleiben diese weiß und werden im trockenen Zustand nicht spröde. Nadelholz wird vom Pilz bevorzugt befallen. Der Weiße Porenschwamm entwickelt sich bei 3 bis 36 Grad Celcius, wobei er bei 26 bis 27 Grad Celcius optimale Bedingungen vorfindet. Der Pilz kann beim Austrocknen des Holzes in Trockenstarre verfallen und bei erneuter Befeuchtung des Holzes das Wachstum wieder aufnehmen. Das kann auch nach Jahren wieder passieren.