Holzbalkendecken und der Schallschutz

In Altbauten, aber auch im modernen Fertighausbau sind Holzbalkendecken keine Seltenheit. Ein immer wiederkehrendes Problem ist dabei die mangelnde Schalldämmung, denn eine Holzbalkendecke kann durch die geringe flächenbezogene Masse und die zahlreichen Körperschallbrücken in der Regel die bauakustischen Anforderungen nicht erfüllen. Das heißt aber nicht, dass man mit dem Krach leben muss, den der Nachbar über einem täglich veranstaltet. Durch geeignete Maßnahmen lässt sich der Schall soweit eindämmen, dass kein Unterschied zwischen Holzbalkendecke oder Betondeckemehr besteht.

Grundtypen von Holzbalkenrohdecken

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Grundsätzlich lässt sich zwischen vier Typen von Holzbalkenrohdecken unterscheiden. Dabei liegt der Richtwert für das bewertete Schalldämm-Maß bei der Holzbalkendecke mit sichtbaren Balken (Abbildung a) zwischen 28 und 32 Dezibel und damit deutlich unter den von der DIN 4109 geforderten Mindestwerten (siehe Tabelle 1). Bei der Holzbalkendecke mit teilweise sichtbaren Balken und mit Zwischenboden (Abbildung b) liegt der Richtwert für das bewertete Schalldämm-Maß zwischen 42 und 45 Dezibel. Ist die Holzbalkendecke zusätzlich von unten verkleidet (Abbildung c), steigt der Richtwert auf einen Wert zwischen 46 und 49 Dezibel. Selbst bei einer zeitgemäßen Konstruktion mit unterseitiger Verkleidung und Hohlraumdämmung (Abbildung d), wie sie zum Beispiel beim Fertighausbau zu finden ist, ist der vorhandene Richtwert von 48 bis 51 Dezibel unter dem von der DIN geforderten Mindestwert für Wohnungstrenndecken. Bei einem Einfamilienhaus sind die Anforderungen bedingt erfüllt. Will man aber Ruhe vor dem Getrampel der Kinder haben, muss auch etwas getan werden. Wie auch bei allen anderen Fällen müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, die im Folgenden näher erläutert werden sollen.

Anforderungen der DIN 4109 "Schallschutz im Hochbau"

Bauteil bewertetes Schalldämm-Maß
R′w in dB
bewerteter Norm-Trittschallpegel
L′n,w in dB
Mindestwert / erhöhter Schallschutz MindestwertMehrfamilienhäuser: Wohnungstrenndecken / 54≥57
zu fremden Räumen
Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser: Wohnungstrenndecke zu fremden Räumen 57 / &# ≤41 / 53≤46
Eigener Wohnbereich: Decken 50>40* / ≥55 56 / ≤46
53*

* Nach E DIN 4109-10

Maßnahmen zur Verbesserung des Schallschutzes

Zur Bekämpfung der Schallübertragung können mehrere Methoden eingesetzt werden. Man muss sich jedoch vorher klar machen, dass es ein Unterschied ist, ob es sich um eine Massivdecke oder eine Holzbalkendecke handelt. Maßnahmen, die bei einer Massivdecke den gewünschten Erfolg bringen, müssen bei Holzbalkendecken nicht unbedingt den gleichen Erfolg versprechen. Als Beispiel ist der schwimmende Estrich mit Randdämmstreifen zu nennen. Hier ist der Gewinn an Trittschallschutz im Vergleich zur Massivdecke wesentlich geringer. Die Ursache liegt in der Frequenzabhängigkeit der Trittschallübertragung. Massivdecken übertragen Trittschall hauptsächlich im hohen Frequenzbereich, während sich bei Holzbalkendecken das Problem auf tiefe Frequenzen bezieht. Die zusätzliche Dämmwirkung von schwimmenden Estrichen und Gehbelägen ist jedoch bei tiefen Frequenzen wesentlich geringer als bei hohen. Trockenestriche als leichter Fußbodenaufbau Holzspanplatte, Gipsfaserverlegeplatten) sind nur dann schalltechnisch effektiv, wenn ihre geringe flächenbezogene Masse durch zusätzliche Schüttung zwischen Dielung und Dämmschicht ausgeglichen wird. 

Bei Massivdecken ist neben der Trittschallübertragung auch die Luftschallübertragung zu unterbinden. Bei Holzbalkendecken gilt hingegen die Regel, dass ein guter Trittschallschutz gleichzusetzen ist mit gutem Luftschallschutz. Auf der sicheren Seite ist man allerdings nur, wenn die Übertragung des Schalls über Nebenwege wie zum Beispiel Wände unterbunden ist. Bei einem alten Fachwerkbau ist beispielsweise eine ausreichende Längsschalldämmung nur schwer möglich. Schließlich sollen die Wände noch ihren ursprünglichen Charakter behalten und nicht dick und schwer werden, nur um die Mindestanforderungen an das Luftschalldämm-Maß zu erfüllen. 

In der Regel sind Holzbalkendecken zweischalige Konstruktionen, weshalb das Problem der fehlenden Masse nicht die wichtigste Rolle spielt. Die Zweischaligkeit wird entweder durch Anordnung beider Schalen auf der Oberseite der Balken oder durch die Balkenlage getrennt realisiert. Wichtig dabei ist jedoch, dass zwischen den beiden Schalen keine starre Verbindung besteht, um Schallbrücken zu vermeiden. Realisiert wird das zum Beispiel auf der Balkenoberseite durch eine weichfedernde Dämmschicht (siehe Tabelle 2, Punkt a). Wird die zweite Schale durch eine untere Verkleidung erreicht, so wird sinnvollerweise die Trennung an dieser Stelle durch eine federnde Unterlage (Federblech, punktweise Befestigung o.ä., siehe Tabelle 2, Punkt b) erzielt. Die Trittschalldämmung kann auf diese Weise im Vergleich zu einer festen Verbindung um 10 dB verbessert werden. Alternativ zu den entkoppelten Schalen lässt sich natürlich auch mit Masse arbeiten (siehe Tabelle 2, Punkt d und e). Hier muss aber gegebenenfalls mit dem Statiker abgeklärt werden, ob die Balken diese zusätzliche Last tragen können

 Schallschutz bei Holzbalkendecken verbessern (Prinzipaufbau)

a) Entkopplung der oberen Deckenschale (Dielung) von den Balken, z.B. durch Zwischenlagen aus Dämmstoffstreifen geringer dynamischer Steifigkeit

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b) Entkopplung der unteren Deckenschale von den Balken (z.B. durch Federschienen). Hier lohnt sich eine zusätzliche Hohlraumdämmung mit 40 bis 80 mm Mineralfasermatte

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c) Bedämpfung und gegebenenfalls auch Beschwerung des Deckenhohlraumes (Einschub)

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d) Verwendung einer schweren oberen Deckenschale mit geringer Biegesteifigkeit (z.B. Estrichplatten)

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e) Einsatz einer möglichst schweren unteren Deckenschale (z.B. durch Doppelbeplankung, zusätzlichen Putz)

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Nachstehend zwei Beispiel für mögliche Ausführungen von Holzbalkendecken mit guten schalltechnischen Eigenschaften. Selbst mit unterseitig sichtbaren Balken können die akustischen Anforderungen an Wohnungstrenndecken eingehalten werden.

Messergebnisse

R′w =54 dB

L′n,w =50 dB (ohne Bodenbelag)

L′n,w =43 dB (mit Bodenbelag)

holzbalkendecken02.jpg

Messergebnisse

R′w =57 dB

L′n,w =50 dB (ohne Bodenbelag)

L′n,w =43 dB (mit Bodenbelag)

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