Alles über die verschiedenen Holzarten für die Möbelherstellung

Begriffsbestimmung bei Möbeln

Der Laie trägt natürlich nicht die DIN 68 871 mit sich herum, in der u.a. die Begriffe in der Möbelfabrikation bestimmt werden. Deshalb in aller Kürze:

Massiv Eiche (oder jede andere Holzart) bedeutet nicht, daß alle Teile eines Eichenschrankes oder einer Eichenkommode tatsächlich aus massivem Eichenholz bestehen müssen - Rückwand, Schubladenböden und Zargen dürfen nämlich aus anderen Holzwerkstoffen bestehen.

Echt Eiche (oder jede andere Holzart) bedeutet, daß alle sichtbaren Teile eines Möbelstücks aus echter Eiche bestehen müssen, wobei unter "sichtbarem Teil" nur die Außenteile zu verstehen sind. Die hinter einer Tür verborgenen Schubladen oder Einlegeböden usw. dürfen also aus anderen Materialien bestehen. Etwas konfus wird die Sache dadurch, daß unter "echt xyz-Holz" sowohl massives als auch furniertes Holz verstanden werden darf.

Eiche-Furnier (oder jede andere Holzart) bedeutet, daß alle sichtbaren Flächen in der angegebenen Holzart furniert sind. Man beachte den feinen Unterschied zwischen "sichtbarem Teil" und "sichtbarer Fläche": Kanten sind nämlich keine Flächen. Bei einem Schrank aus furniertem Holz muss also die sichtbare Schranktür aus furniertem Holz sein, die Kanten können ganz anders behandelt sein.

Mischformen gibt es natürlich jede Menge, vor allem bei den Einbauküchen: Küchenblock Front Eiche massiv, Korpus Kunststoff beschichtet oder Tisch Gestell massiv Buche, Platte Eiche furniert.

Eiche-Nachbildung (oder jede andere Holzart) bedeutet, daß z.B. auf eine Flachpressplatte ein Eichen-Dekor aufgebracht worden ist. Entweder werden dabei mehrere mit Kunstharz getränkte Spezialpapiere auf der Platte verpreßt, wobei auf das oberste Papier das Eichendekor aufgedruckt und das Ganze durch eine transparente Schicht aus Melaminharz als "Overlay" dauerhaft und wirksam geschützt wird. Oder aber es wird auf der Platte eine PVC-Folie mit Eiche-Maserung aufgeleimt. Folierte Platten werden vorzugsweise bei der Fabrikation von Billig(st)möbeln eingesetzt.

Kunststoff-Oberflächen in der Möbelverarbeitung müssen natürlich auch gekennzeichnet sein, also etwa "Schrankwand duroplastische Kunststoff-Oberfläche" (darüber mehr im übernächsten Kapitel).

Was ist Antik, was Stil und was Reproduktion?

Antike Möbel sind Möbel einer bestimmten Stilepoche. Die letzte klare Stilform war das Biedermeier (bis etwa 1850), danach setzten Mischformen ein, zum Beispiel der Historismus, also der überladene Stil unter dem "alten Kaiser Wilhelm", dann der Jugendstil und das Bauhaus. Antik ist bei den Antiquitätenhändlern alles, was über 100 Jahre alt ist - aber Ausnahmen bestätigen die Regel. So werden auch Nierentische der 50-er Jahre schon als Antiquitäten gehandelt.

Stilmöbel sind ganz einfach Möbel heutiger Produktion mit Formen und Elementen vergangener Zeiten. Stilmöbel werden zwar meistens, aber keineswegs nur in Massiv- oder Echtholz gefertigt.

Reproduktion oder Kopie ist die originalgetreue Nachbildung eines antiken Möbels, wobei die Gebrauchsspuren (also der "Zahn der Zeit") zum Teil mit in die Reproduktion eingearbeitet werden. Geht die Sache so weit, daß auch der Holzwurm, der rostige Nagel in der Schublade und das ausgeleierte Messingscharnier mit reproduziert werden, dann handelt es sich weniger um eine werkgetreue Kopie, als um den Versuch, eine Fälschung auf den Markt zu bringen.

Die üblichen Holz- und Furnierarten bei der Möbelherstellung?

Die Fachliteratur der Tischler benennt rund 50 Holzarten, die jedoch nicht alle für die Möbelherstellung, sondern z.B. nur für Spezialarbeiten wie den Modell- oder den Bootsbau oder für techn. Anwendungen infrage kommen.

Wichtiges Kriterium bei der Beurteilung einer Holzqualität ist zunächst einmal die sog. "Rohdichte". Je geringer der Feuchtigkeitsanteil im Holz, desto geringer das Holzgewicht. Tanne/Fichte ist ein sehr weiches und sehr leichtes Holz mit einer niedrigen Rohdichte von 430. Als weiche und leichte Hölzer gelten Kiefer (Rohdichte 470), Mahagoni (490), Kirschbaum (520) oder Lärche (540). Mittelharte/mittelschwere Hölzer sind z.B. Ahorn (560), Birke (570), Esche und Eiche (630) Rotbuche, Birnbaum und Teak (640) und Nußbaum (650). Als hart/schwer zu klassifizieren sind Wenge und Bubinga (750 bzw. 760), als sehr hart/sehr schwer gelten Palisander (820), Bahia Rosenholz (950) und schließlich Ebenholz (1.100), das so schwer ist, daß es unter Wasser sinkt.

Je seltener und teurer ein Holz, je weniger wird es als Massivholz und umso mehr als Furnierholz angeboten. Insbesondere Fichte und Tanne sind durch eine planvolle Waldbewirtschaftung in reichlichem Maße vorhanden, so daß davon keine "Deckfurniere" hergestellt werden. Wenn schon, dann werden diese Hölzer massiv verarbeitet.

Holzarten können sehr schnell "in" und sehr schnell "out" sein. Teak und Palisander, in den 60-er/70-er Jahren "in", werden heute als Wohnmöbel kaum noch gefragt - Teak ist jedoch populär geworden im Bereich der Gartenmöbel. Auch die Nadelholzwelle der 80-er Jahre hat nachgelassen. Allerdings bringt derzeit die Danzer-Gruppe, einer der weltweit führenden Furnierhersteller, nordamerikanische Nadelholz-Spezialitäten auf den Markt wie Hemlock, Western Red Cedar, Ponderosa Pine und Knotty White Pine.

"In" sind nach wie vor Eiche, Buche, Nußbaum, Esche, Erle, Birke, Ahorn und seine nordamerikanische Variante, der Vogelaugenahorn sowie Kirschbaum und seine nordamerikanische Verwandte Black Cherry. Trendfurniere sind Birke-Maser, eine Wuchsbesonderheit der Birke, bei der dunkle Rindeneinschlüsse eine interessante Maserung erzeugen, dann Elsbeere mit einer feinen, zarten Maserung und schließlich die "aufregend" gemaserten Furniere Mapa-Maser, Bubinga, Sapeli und Mahagoni-"Pyramide", deren pyramidenmäßige Maserung durch Furniergewinnung aus Mahagoni-Astgabeln entsteht.

Wie wird Furnierholz hergestellt?

Bevor die ausgewählten Holzstämme "gemessert" oder "geschält", also zu Furnier verarbeitet werden, kommen sie zum Dämpfen bzw. Kochen in die sog. Kochgrube (mit Ausnahme einiger weniger Holzarten). Das dient nicht nur der besseren Verarbeitung, sondern auch der Farbgebung. Die Dämpfzeit variiert je nach Holzart von wenigen bis zu 100 Stunden. Für die Furnierherstellung gibt es verschiedene Verfahren, wobei das Schälen (Schälfurnier)eine besonders dekorative Maserung hervorbringt (beim Schälen dreht sich der in die Maschine eingespannte Stamm gegen das Schälmesser).

Bei den anderen Verfahren werden der halbe Stamm oder Teile eines Stamms in verschiedenen Verfahren "gemessert", man spricht hierbei von Messerfurnieren. Das Flachmessern und das Flach-Quartier-Messern ergibt eine blumige, das Echt-Quartier-Messern eine streifige und das sog. Faux-Quartier-Messern eine "halbblumige" Zeichnung im Furnier. So kann also die Furniermaserung, was den Laien durchaus verwirren kann, ein- und desselben Holzes eine völlig unterschiedliche Zeichnung aufweisen - je nachdem, ob der Stamm geschält oder (in den verschiedenen Arten) gemessert wurde.

Damit aber noch nicht genug. Durch Beizen, Einfärben, Wachsen und Lackieren können nicht nur interessante Effekte erzielt werden, vielmehr kann sich der Laie auch kräftig täuschen, wenn er auf Nußbaum tippt, aber in Wirklichkeit ein nußbaumfarbig gebeiztes Eschefurnier vor sich hat. Allerdings wird er seinen Irrtum schnell erfahren, denn die Möbelhersteller geben genau an, welches Holz verwendet worden ist.

Die unterschiedliche Verwendung von Furnieren

Bei weitem nicht jedes Furnier wird als Deckfurnier für die Möbelherstellung und den Innenausbau verwendet. Deckfurniere sind die besonders schönen und fehlerfreien Furniere, die als "Deckschicht" auf die Trägerplatte aufgeleimt werden. Deckfurniere sind bei Laubhölzern zwischen 0,55 und 0,75 mm dick, bei Nadelhölzern zwischen 0,85 und 1,00 mm. Unterfurniere sind Furniere, die vor dem Deckfurnier aufgeleimt werden und das Reißen der Deckfurniere verhindern. Absperrfurniere werden auf Holzplatten aufgeleimt, um ein Arbeiten des Holzes zu verhindern - dementsprechend sind sie auch zwischen 1,5 und 3,5 mm dick. Als Lagenholz werden alle Platten bezeichnet, die aus mehreren Furnierschicht-Lagen bestehen, dazu gehört natürlich das Furniersperrholz. Hierbei werden Schälfurniere kreuzweise aufeinandergeleimt. Dadurch können die einzelnen Furnierschichten nicht mehr ungehindert arbeiten, sie sind gegeneinander "abgesperrt". Die mittlere Furnierlage ist meistens dicker als die einzelne äußere Lage, wobei Furniersperrholz immer aus einer ungeraden Zahl von Furnierlagen besteht: 3, 5, 7 oder mehr Lagen. Furniersperrholz hat eine höhere Festigkeit, Maßhaltigkeit und Formbeständigkeit als Vollholz - es ist selbst an den Kanten noch nagelfähig. Je nach Verleimungsart können Furniersperrholzplatten im Innen- oder Außenbereich eingesetzt werden. Angeboten werden auch Furniersperrholzplatten mit besonderen Ausstattungsmerkmalen - zum Beispiel edelfurniertes Sperrholz für den Innenausbau oder Multiplexplatten bis 80 mm Dicke, die im Werkzeug- und Fahrzeugbau sowie als Werkbankplatten Verwendung finden.
Auch aus Holz: Küchen-Arbeitsplatten
Vier Zentimeter stark sind die meisten Küchenarbeitsplatten, die in der Regel aus auf der Unterseite gegenkaschierten Gütespanplatten bestehen. Damit die Oberfläche dem harten Küchenalltag überhaupt gewachsen ist, werden die Holzplatten mit einer Kunststoffoberfläche beschichtet. Diese ist leicht zu säubern, relativ preiswert in der Herstellung und recht unempfindlich gegen chemische und mechanische Einflüsse. Wer nun aber mit einem scharfen Küchenmesser oder einer heißen Pfanne auf die Arbeitsplatte losgeht, erlebt allerdings eine herbe Enttäuschung: Die Oberflächen aus Melamin sind nicht schnittfest, nur annähernd kratzfest und nur kurzzeitig Hitzebeständig. Das gilt auch für die immer beliebter werdenden Arbeitsplatten aus Massivholz. Wer höhere Ansprüche an die Haltbarkeit seiner Arbeitsplatte hat, findet mit Holz nicht das geeignete Material, sondern muss sich zwangsläufig mit Naturstein, Verbundwerkstoffen oder Edelstahl anfreunden.