Heizen - aber richtig

Die Heizung in Top-Form bringen

Der Sommer ist leider immer viel zu kurz. Doch bevor die nächste Heizperiode beginnt, sollte man sicher sein, das die Heizungsanlage auch in Top-Form ist und störungsfrei arbeitet, schließlich soll die Wohnung ja auch in der ungemütlich-kalten Jahreszeit wohlig-warm sein. Hat man rechtzeitig ein Auge auf seine Heizung geworfen, kann man im Winter Haushaltskasse und Umwelt schonen.

Die Heizung, das unbekannte Wesen

Wenn wir heute von "Heizung" sprechen, dann meinen wir in aller Regel die Warmwasser-Zentralheizung, die mit Erdöl oder Erdgas befeuert wird. Im Gegensatz zu den Einzelöfen, die in den Wohnstuben selten geworden sind, bietet sie viel Komfort und eine gute Wirtschaftlichkeit. Das Funktionsprinzip ist eigentlich simpel: Im Heizkessel wird Wasser erwärmt, das dann durch ein Netz an Rohren ("Vorlaufleitung") zu den im ganzen Haus verteilten Heizkörpern transportiert wird. Das heiße Wasser erwärmt die Radiatoren, die über ihre große Oberfläche die Wärme an die Umgebungsluft abgeben - das Zimmer wird mollig warm. Dabei kühlt das Wasser stark ab und es wird über die Rücklaufleitung zum Heizkessel befördert - und der Kreislauf beginnt von vorne. Dabei ist dieser Kreislauf heute ein in sich geschlossenes System ohne Verbindung zur Atmosphäre. Der Vorteil: Es gerät deutlich weniger Luft in die Leitungen und so wird auch die Gefahr der Korrosion deutlich vermindert.

Wartungsarbeiten zum Selbermachen

Trotzdem sollte man - gerade bei älteren Anlagen - regelmäßig kontrollieren, ob noch alle Heizkörper dicht sind. Rostablagerungen am Radiator sind dafür in der Regel ein deutliches Zeichen. Wenn Sie schon alle Heizkörper "abklappern", sollten Sie dort gleich auch die Entlüftungsventile überprüfen. In der Anlage darf keine Luft sein, sonst arbeitet sie nicht optimal. Wenn Sie die Radiatoren dabei schlecht erreichen können, weil Sie sie hinter Sofas, Schreibtischen oder gar Schränken "versteckt" haben, müssen Sie sich über hohe Heizkosten nicht wundern, die Wärmeverteilung im Raum wird durch diese Hindernisse nämlich verhindert.


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So funktionieren Heizkörper: Die erwärmte Luft steigt über den Radiatoren nach oben. Daher sind Heizkörper in der Regel auch unter dem Fenster montiert. Von dort steigt dann ein "Luftvorhang" auf, der Kälte erst gar nicht ins Zimmer lässt.


radiator-4.gifZu den Wartungsarbeiten, die man problemlos selber durchführen kann, gehört auch ein regelmäßiger Blick auf das Manometer am Heizkessel, das den Wasserdruck anzeigt. Darauf sind der Mindestdruck und der maximale Druck farblich markiert. Ist der Druck nun unter das Minimum gesunken, muss die abgeschaltete und abgekühlte Heizungsanlage mit kaltem Frischwasser nachgefüllt werden. Dazu muss man zunächst den Hahn finden, mit dem das Rohrsystem gefüllt bzw. entleert werden kann. Dieser ist meistens in der Nähe des Kessels angebracht. Beim Nachfüllen des Wassers muss man darauf achten, dass der Zeiger des Manometers kurz unterhalb der Maximumanzeige stehenbleibt, da sich das Wasser beim Erwärmen ja noch etwas ausdehnt und sich der Druck so erhöht. Nachdem die Heizung wieder eingeschaltet ist, sollte man nochmals alle Radiatoren entlüften.

Wartungsarbeiten für den Heizungstechniker

Einmal im Jahr sollte man aber auch den Heizungstechniker rufen, damit er den Heizkessel reinigt und überprüft. Wenn die regelmäßige Wartung vielleicht sogar ein paar Jahre "ausgefallen" ist, heizt man durch ein vermutlich falsch eingestelltes Gerät unwirtschaftlich und alles andere als umweltschonend. Ist die komplette Anlage auch noch älter als 15 oder 20 Jahre, sollte man ernsthaft über einen Austausch nachdenken, schließlich lassen sich mit moderner Brennwerttechnik bis zu 30 Prozent Energie einsparen.

Clever heizen zahlt sich aus

Noch mehr Einsparpotential ergibt sich täglich: Dauerlüften mit einem ständig "auf Kipp" stehenden Fenster ist unbedingt zu vermeiden. Stattdessen sollte man drei bis viermal am Tag kurz (für wenige Minuten) lüften. Räume, die die meiste Zeit nicht genutzt werden, sollte man weniger beheizen. Wichtig ist dann aber, die Türen zu diesen Räumen geschlossen zu halten, weil sonst mit der warmen Luft auch viel Feuchtigkeit in die Räume strömt, die sich dann an den Wänden oder Rolladenkästen niederschlägt und zu Stock- und Schimmelflecken führen kann.


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Grundsätzlich gilt für alle Räume die Regel, nicht zu stark zu heizen. Über die gesamte Heizperiode gerechnet spart eine um nur ein Grad gesenkte Raumtemperatur rund sechs Prozent Heizkosten. Wo möglich, sollte man die Aufteilung des Hauses/der Wohnung nach der Sonne vornehmen: Räume wie das Kinderzimmer und das Wohn-/Esszimmer, die am wärmsten sein sollen, liegen dann idealerweise an der Südseite.

Größe des Heizkessels

Die Leistungsgröße eines Heizkessels liegt bei Einfamilienhäusern meist zwischen 14 und 20 Kilowatt. Zunächst richtet sie sich nach der Heizwärme. Doch in einem Niedrigenergiehaus senkt der gute Wärmeschutz den Heizwärmebedarf stark ab. Es wäre aber ein Trugschluss anzunehmen, nun würde ein kleinerer Kessel ausreichen. Denn der Energiebedarf fürs Warmwasser steigt oft durch höhere Komfortansprüche im Bad. Je mehr Personen und je mehr Zapfstellen, zum Beispiel für Duschen und Badewannen, desto größer der Warmwasserbedarf. Er spielt eine immer wichtigere Rolle: In einem Haus, Wärmestandard 1982, entfielen rund 20 Prozent des Wärmebedarfs aufs Warmwasser, in einem Niedrigenergiehaus sind es gut 40 Prozent. Richtet sich die Kesselleistung ausschließlich nach der Heizwärme, sind Komforteinbußen beim Warmwasser unangenehme Folge. Der Warmwasserbedarf muss bei der Kesselleistung unbedingt berücksichtigt werden.