Gute (und gut gepflegte) Sägen bringen Segen

Dies ist eine Anleitung der besonderen Art. Es geht nämlich darum, welche Sägen Sie für typische Sägearbeiten im Garten, im Haus und in der Werkstatt verwenden sollten. Und gleichzeitig wollen wir Ihnen sagen, was Sie tun können, damit die Sägeblätter scharf bleiben, durch das Holz gleiten und saubere Sägeschnitte ausführen.

Kleine Säge- und Sägeblattkunde

Unsere Sägen arbeiten auf Stoß und auf Stoß und Zug, die japanischen Sägen nur auf Zug. Unter "Ablängen" versteht der Tischler den Schnitt quer zur Faser, um ein Brett zu kürzen. Unter "Besäumen" versteht man das Abtrennen der Baumkante, wobei der Schnitt naturgemäß längs zur Faserrichtung verläuft. Unter "Schlitzen" wird der längsseitige Anschnitt von Zapfen für Holzverbindungen verstanden. Und das "Absetzen" folgt dem "Schlitzen" sozusagen auf den Fuß, weil nun mit der Säge der Zapfen quer zur Faser herausgearbeitet wird.

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Jede Säge braucht ein Sägeblatt. Dieses kann in Gestelle oder Bügel gespannt oder ungespannt mit Heft versehen sein. Sägeblätter sind aus gehärtetem Werkzeugstahl und bestehen aus dem eigentlichen Blatt und den Sägezähnen. Die dreieckigen Sägezähne liegen hintereinandergereiht auf einer Linie, der sogenannten Zahngrundlinie. Sie haben alle die gleiche Größe und werden von der Zahnspitzenlinie begrenzt. Den Abstand zwischen Zahngrundlinie und Zahnspitzenlinie wird Zahnhöhe genannt. Der freie Raum zwischen zwei Zähnen ist die Zahnlücke. Der freischneidende Teil des Zahnes ist die Zahnbrust, der entgegengesetzte Teil ist der Zahnrücken.
 
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Schlitzsägeblatt zum Schlitzen von Zapfen;
feine Schnitte längs zur Faser
Absetzsägeblatt zum Absetzen von Zapfen,
feine Schnitte quer zur Faser
 
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Schittersägeblatt zum Sägen von
nassem Holz mit rauhem Schnitt
Schweifsägeblatt zum Sägen von
Rundungen ("Schweifungen")
 
Je nach Anforderung unterscheiden sich die Sägeblätter erheblich. Für Schnitte längs zur Faser benutzt man das Schlitzsägeblatt mit gröberer, auf Stoß gefeilter Bezahnung. Für Schnitte quer zur Faser wird ein feineres Blatt verwendet mit einer Bezahnung schwach auf Stoß. Die Bezahnung von Stichsägen und natürlich auch Laubsägen ist so ausgelegt, daß damit quer und längs zur Faserrichtung gesägt werden kann. 

Damit das Sägeblatt nicht im Holz stecken bleibt, muss der Schnitt etwas breiter als das Blatt sein. Bei Handsägen werden deshalb "geschränkte" Sägeblätter verwendet, deren Zähne abwechselnd leicht nach rechts und links gebogen sind (Ausnahme Furnier- und Dübelsägen). Mit einer sog. Schränkzange kann der Heimwerker das auch selbst bewerkstelligen.
 
 

Tipps für richtiges und leichteres Sägen

Je länger und biegsamer das Sägeblatt, je größer die Gefahr, daß es im Holz festsitzt. Beginnen Sie deshalb flach in einem Winkel von etwa 25° und mit wenig Druck, denn die Säge soll arbeiten und nicht die Sägerin oder der Säger. Bei großem Druck besteht die Gefahr, daß die Schnittlinie "verläuft", also unsauber wird. Bei steilem Sägen besteht die Gefahr, daß das Holz ausreißt. Sägen Sie in langen, gleichmäßigen Zügen unter weitestmöglicher Ausnutzung der gesamten Blattlänge. 

Beim Sägen mit den kleinen Furniersägen muss besonders wenig Druck ausgeübt werden, weil das ungeschränkte Sägeblatt erheblich weniger "räumt", also Sägemehl aus dem Schnitt befördert. 

Um das ärgerliche Einklemmen zu vermeiden, steckt man einen schmalen Keil in den Schnittanfang. Daß man mit einer Hand das abgetrennte Holzteil festhalten sollte, bevor mit den letzten Stößen und Zügen das Brett durchtrennt ist, begreift jeder, dem auf dem letzten Zentimeter das Holz ausgebrochen ist. Besser als der Daumennagel ist ein glatt gesägtes Restholz, mit dem man die Sägelinie verstärkt und ein Federn des Sägeblattes verhindert. 

Kerzenwachs macht das Sägeblatt gleitfähiger, vor Rostansatz schützt eine dünne Schicht Vaseline oder säurefreies Fett. Sägen sollten hängend aufbewahrt werden, das Sägeblatt nach unten. 

Damit beim Transport nichts passiert, kann man über das Sägeblatt das Stück eines aufgeschlitzten Garten- oder Fahrradschlauchs oder eines Isolierschlauchs ziehen.
 

Die Bügelsäge - Universalsäge für das Grobe

Es gibt keine Baustelle, auf der nicht auch die Maurer eine Säge einsetzen müssen. In jedem Bauwagen ist sie deshalb zu finden - die Bügelsäge. Die Zimmerleute haben sie im Dauereinsatz, wenn sie schnell ein Kantholz ablängen müssen. In dem dreiseitig gebogenen Bügel (meist aus Stahlrohr) ist unten das Sägeblatt eingespannt, das durch die natürliche Spannung des Metalls straff gehalten wird. Metallsägen sind ausnahmslos Bügelsägen und die Laubsägen sowieso. Bügelsägen haben in der Regel einen Schnellspannhebel und eine nachstellbare Blattspannung. Natürlich gibt es Sägeblätter auch für relativ feinere Schnitte, aber durch die sägetypische Vibration des Sägeblattes liegt hier die Betonung auf "relativ".
 
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Links oben sehen wir eine typische Universal-Bügelsäge, rechts oben eine Garten-Bügelsäge, die auch mit Teleskopstiel angeboten werden, damit man auch Äste in 5m Höhe absägen kann.
 
 

Universal-Blattsägen und allen voran der Fuchsschwanz

Die meisten Sägen gehören zur Familie der Blattsägen. Auch der Fuchsschwanz ist eine Universalsäge, die in der professionellen Holzbearbeitung ebenso wie in Haushalt und Heimwerkerwerkstatt eingesetzt wird. Je nach Art des Sägeblattes bewältigt er mühelos dickere Bretter, Bohlen oder Kanthölzer, aber auch Gipskartonplatten und Gasbetonsteine. Auch Kurvenschnitte lassen sich mit ihm ausführen.
 
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Klassischer Fuchsschwanz (oben links). Rechts eine Quersäge, die ein größeres Sägeblatt als der Fuchsschwanz hat und speziell zum Sägen von Holz quer zur Faser geeignet ist. Wichtig ist, daß Sie keine Billigsäge kaufen, die brechen oder sich verbiegen kann und dann üble Verletzungen verursacht.
 

Die Blattsäge, die Musik macht

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Was eine Nervensäge ist, weiß jedermann. Eine Musiksäge kann auch eine Nervensäge sein, wenn jemand darauf übt. Einige haben es als Solisten zur Meisterschaft gebracht und treten in Konzerten auf, allerdings neigt das Publikum auch bei Musikvorträgen von Virtuosen dazu, nach etwa zehn Minuten nervös zu werden. Wir wollten aber doch erwähnen, daß mit einer speziellen Blattsäge Musik gemacht werden kann - der sog. "Stradivarius" von Sandvik. Richtig sägen kann man damit aber nicht.
 

Die Gestellsäge - des Tischlers Nostalgie-Werkzeug

Die Gestellsäge ist am meisten von den Elektrosägen verdrängt worden, aber bei manchen Tischlern allein aus nostalgischen Gründen weiterhin im Einsatz. Nostalgie hin oder her: Gestellsägen sind Alleskönner und sogar - bestückt mit einem Schweifsägeblatt - als große Laubsägen einsetzbar. Die Gestellsäge besteht aus zwei Sägearmen (oft aus Rotbuche) und einem Sägesteg aus Lindenholz, was die Säge elastisch und stoßdämpfend macht. Die Säge wird mit Spezialdraht oder klassisch mit einer Hanfschnur gespannt. Bei der Bestückung mit den sehr dünnen japanischen Sägeblättern kann die Schnittgüte und Arbeitsgeschwindigkeit gesteigert werden, aber dazu braucht man Routine, um ein Verkanten im Holz zu vermeiden. Nach getaner Arbeit muss die Gestellsäge entspannt werden, damit sie nichts von ihrer Spannkraft verliert.
 
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Unser Foto oben links zeigt eine Universal-Gestellsäge und rechts eine sog. Schweifsäge zum Sägen von Schweifungen. Das Sägeblatt ist abschraubbar für Schnitte innerhalb der Holzfläche.
 

Fein- oder Rückensägen für saubere Schnitte

Fein- und Rückensägen sind kleinere Sägen für präzise Schnitte wie Gehrungen in Bilder- und Profilleisten. Bei ihnen wird das rechteckige Sägeblatt in einer Rückenschiene gehalten, wodurch es sich nicht so leicht verbiegt. Feinsägen arbeiten auf Stoß und Zug, das Sägeblatt besitzt eine kleine Zahnteilung. Bei Feinsägen mit 

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gekröpften Griffen kann der Griff um 180° gedreht werden - die Säge ist damit auch für Linkshänder verwendbar. Feinsägen gibt es auch mit abgewinkelten Blättern, so daß z.B. eingeleimte Zapfen unmittelbar an der Wand abgesägt werden können.
 

Furnier- und Dübelsägen - die Feinen der Feinen

Furniersägen sind sozusagen die Feinen der Feinen, also für hochpräzise Schnitte konstruierte Sägen. Auch sie sind Rückensägen, allerdings ist das Sägeblatt ungeschränkt. Dadurch können Furniere sauber und ausrißfrei geschnitten werden. Sie arbeiten je nach Typ auf Zug oder auf Stoß und Zug. In einer Spezialausführung mit abgerundetem Sägeblatt wird sie vor allem von Möbelrestauratoren für Intarsienarbeiten eingesetzt. Bei der Dübelsäge ist das Sägeblatt besonders schmal. Die Säge wird zum sauberen Abschneiden von Holzdübeln direkt auf der Holzfläche verwendet, ohne diese zu beschädigen.
 
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Das Foto links oben zeigt eine übliche Furniersäge; rechts oben eine Dübelsäge. Beide Sägetypen sind "ungeschränkt".
 

Mit Stich- oder Lochsäge zu beliebigen "Rundungen"

saege16.gif Stich- oder Lochsägen haben Ähnlichkeit mit einem Kurzschwert oder einer Stichwaffe. Das Sägeblatt ist spitz zulaufend und somit eigens für das Sägen von Schweifungen oder Löchern konstruiert. Universal-Stichsägen gibt es mit auswechselbaren Sägeblättern für Holz-, Kunststoff und auch Metallarbeiten. Je kürzer das Sägeblatt, je geringer die Vibrationen, die bei Stichsägen zwangsläufig auftreten.
 

Japanische Sägen - exotisch, aber wirkungsvoll

Japanische Sägen muten uns (immer noch) exotisch an - sie sind auch in der Handhabung gewöhnungsbedürftig, weil sie nur auf Zug arbeiten. Gerade deshalb kann das Sägeblatt wesentlich dünner ausfallen, als bei unseren gebräuchlichen Sägen. Und je dünner das Blatt, je sauberer der Sägeschnitt. Auch die japanischen Sägen werden inzwischen industriell hergestellt, die Blätter in speziellen Verfahren gehärtet. Wechselblätter erlauben es, mit einer Säge Weich- oder Hartholz zu bearbeiten. Japanische Sägen sind mit oder ohne Rückenverstärkung lieferbar.
 
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Japanische Säge (links oben) ohne Rückenverstärkung, dadurch auch tiefe Schnitte möglich. Rechts oben eine japanische Säge mit zweiseitiger Bezahnung. Dadurch kann diese Säge ohne Wechsel des Blattes für Schnitte quer und längs zur Faserrichtung benutzt werden.