Glasbausteine in Fassaden sind riesige Wärmebrücken

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In den 60-er bis 80-er Jahren waren die deutschen Architekten mehrheitlich Glasbaustein-Fanatiker. In die Fassaden hunderttausender Mietshäuser und hunderttausender zweigeschossiger Eigenheime wurden immer da, wo ein Treppenhaus an die Außenwand stieß, Glasbausteine eingesetzt, weil das (angeblich) ein schönes, helles Licht ergibt und das Treppenhaus wenigstens tagsüber nicht mit elektrischem Licht beleuchtet zu werden braucht. Inzwischen spricht man nicht mehr von Glasbausteinen, sondern nur noch von Glassteinen.

Der U-Wert der alten Glasbausteine liegt bei etwa 3,5 — das ist ein miserabel hoher Wert. Wenn Mieter und Hausbesitzer sich heute über steigende Energiekosten beklagen, die sich je nach Einkommen der Wohnungs- oder Hausinhaber zu einem sozialen Problem entwickeln, dann wäre es an der Zeit, etwas gegen die Kälteschleuder im Treppenhaus zu unternehmen. Aber welcher Besitzer von Mietshäusern ist dazu bereit, kann er doch die immer teurer werdenden Heizkosten auf die Mieter verlagern?

In strengen Wintern, man denke an den langen Winter 2012/2013, entwickeln sich Treppenhäuser zu Eiskellern. Und da immer eine Wohnungswand auf ein Treppenhaus trifft, zieht die Kälte durch die nirgendwo wärmegedämmten Innenwände in das Zimmer am Treppenhaus oder im ungünstigen Fall in die halbe Wohnung, den Flur der Wohnung mit eingerechnet. Mehr noch: Da Wohnungseingangstüren in den seltensten Fällen wärmegedämmt sind, drückt die Kälte vom Treppenhaus auch durch die Tür in die Wohnung, es sei denn, die Wohnungseinganstüre wäre eine Klimatüre, was aber nur bei Komfort-Neubauten der Fall sein dürfte.

Was ist generell zu tun? Den Hausbesitzern ist zu empfehlen, die Wände aus Glasbausteinen einfach heraus zu reißen und durch sicherheitsverglaste Drei-Scheiben-Sprossenfenster mit wärmegedämmten Fensterrahmen (am besten aus Holz) zu ersetzen. Dann hat man auch die Möglichkeit, ein Fensterelement als richtiges Fenster einzubauen, dass im Sommer zu Lüftungszwecken geöffnet werden kann. Auf diesen Fotos sieht man, wie der eine Nachbar in seinem Reihenhaus noch keine Alternative ergriffen hat. Sein Nachbar hingegen hat statt der Glasbausteine Fensterelemente eingesetzt.

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Fenster mit Dreifachverglasung erreichen einen extrem niedrigen U-Wert von 0,8 und sind damit passivhaustauglich! Solch eine Fensterkonstruktion würde auch die Optik des Hauses verbessern. Dazu werden sich die Besitzer eines zwei- oder dreigeschossigen Eigenheims eher durchringen, als der Besitzer eines Mietshauses, denn je nach Größe des Fensterausschnitts geht eine solche Maßnahme in einen mittleren bis hohen fünfstelligen Kostenbereich.

Eine akzeptable Lösung wäre auch, die Glasbausteine zu belassen, aber dahinter ein 2-Scheiben-Kastenfensteraus Isolierglas zu setzen. Zwischen dem Wandausschnitt aus Glasbausteinen und dem Kastenfenster, das einen U-Wert um die 1,2 bis 1,3 haben dürfte, entstünde dann ein Luftpolster, in dem die Kälte zum Großteil gefangen gehalten wird. Kastenfenster haben schon unsere Vorvorfahren in Wände zur Nordseite eingesetzt, um Durchzug zu verhindern und die Kälte draußen zu lassen.

Bliebe zu berichten, dass die Redaktion von baumarkt.de nichts gegen Glassteine (so die heutige Bezeichnung) hat. Heute gibt es sie in wärmegedämmter Ausführung und in vielen Farben. Besonders im Innenbereich eines Hauses eröffnen sich dadurch faszinierende Gestaltungsmöglichkeiten.


Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de