Gefährdet Montageschaum die Gesundheit?

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Montageschaum ist von Baustellen nicht mehr weg zu denken. Risse und Löcher werden schnell und effektiv mit dem Polyuretan-Schaum abgedichtet und der Einbau von Türen und Fenstern ist ohne den selbstexpanierenden Schaum heute die Ausnahme. Auch Heimwerker greifen gerne auf das Produkt zurück. Dass der Schaum aber nicht ganz ungefährlich sein kann, merkt man schon beim Einkauf im Baumarkt.

Strenge Regeln für Verkauf von Montageschaum

Seit Dezember 2010 muss man wie bei Dünger für den Kauf von PU-Schaum einen Mitarbeiter bitten, die Vitrine zu öffnen oder man bekommt ihn gar erst an der Kasse ausgehändigt. Zudem ist die Abgabe an Personen unter 18 Jahren untersagt. All das sind Indizien, die auch dem Laien zeigen, dass Montageschaum nicht ohne Grund in der Kritik steht. Beim Einsatz des Schaums merkt man, wieviel Chemie in den kleinen Sprühflaschen steckt. Zum einen dehnt sich der Schaum extrem aus, haftet von Holz bis Stein auf so ziemlich allen Untergründen, ist nach etwa 10 Minuten klebefrei, kann nach etwa einer Stunde zugeschnitten werden und ist nach fünf Stunden vollkommen belastbar.

Spätestens beim Blick auf die Dose dürften sich auch sorglose Anwender fragen, was für einen Stoff sie dort verbauen. Denn die Dosen müssen im Sondermüll entsorgt werden, da sie noch flüssige Reste des Montageschaums enthalten. Die leeren Dosen kann man beim seinem lokalen Entsorgungsbetrieb oder im Baumarkt selbst meist kostenlos abgeben. Diese Entsorgungsanweisungen stehen natürlich nicht grundlos auf den Packungen und die Hersteller versprechen sich von den Warnhinweisen natürlich keinen Kaufanreiz.

Auch die strengen Abgaberegeln rühren daher, dass der Einsatz nicht gerade risikofrei ist. Das liegt vor allem an den Inhaltsstoffen. Denn die enthaltenen Isocyanate stehen in dem Verdacht, krebserregend zu sein. Üblicherweise handelt es sich dabei um Diphenylmethandiisocyanat bzw. Methylendiphenyldiisocyanat, kurz MDI. Zudem kann MDI Augen, Haut und Atemwege reizen. Dieses Risiko ist jedoch nur während der Verarbeitung geben, weil die Stoffe sofort reagieren und danach kein Problem mehr darstellen. Da die Dosis relativ gering ist, besteht für Heimwerker also keine große Gefahr, bzw. gibt es bisher keine Daten, die eine solche Gefahr belegen. Bei der Gefährdung durch Asbest beispielsweise waren die Daten über eine Gesundheitsgefährdung eindeutig - Asbest ist nur noch in Altbauten vorhanden und asbesthaltige Baustoffe werden nicht mehr verbaut.

Seitdem die strengeren Verkaufsregeln für PU-Schäumein Kraft sind, findet man in Baumärkten auch etwas teurere, als „isocyanatfrei“ deklarierte Montageschäume in den Regalen. Weil Schäume mit einer auf der Alphatechnologie beruhenden Rezeptur von der Regelung ausgenommen sind, sind sie frei verkäuflich. Wirklich frei von Isocyanaten sind diese Schäume aber auch nicht. Die Isocyanate werden lediglich mit Alpha-Silanen chemisch gebunden, so dass beim Aushärten keine Isocyanate mehr freigesetzt werden.

Zwecks Brandschutz wird in die meisten Schäume die Halogen-haltige Verbindung TCPP eingebunden. Auch diese kann Augen und Haut reizen und steht im Verdacht, Nerven zu schädigen. Jedoch ist über langfristige Auswirkungen oder die gesundheitsschädigende Wirkung nichts bekannt.

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Die richtige Anwendung von PU-Schaum

80 Prozent des in Deutschland verkauften PU-Schaums ist Einkomponenten-Montageschaum. Die Packungen liegt imemr ein Päckchen mit Schutzhandschuhen bei. Dies ist zwingend vorgeschrieben. Wessen Haut jemals mit frischem Montageschaum in Berührung gekommen ist, weiß auch warum: Man wird tagelang an die überragenden Klebeeigenschaften des Schaums erinnert. Auf Schutzhandschuhe sollte man also keinesfalls verzichten.

Vor dem Gebrauch muss man die Dose gut schütteln, um das Isocyanat mit dem Polyol zu mischen. Zum Aushärten benötigt der Schaum Feuchtigkeit, den er sich zum großen Teil aus der Luft holt. Die auszuschäumende Fläche zuvor mit Wasser zu besprenkeln, beschleunigt den Vorgang etwas. Bei Zweikomponeten-Montageschaum ist das nicht nötig. Dieser ist etwas schwerer zu verarbeiten, härtet dafür aber schneller und fester aus.

Einkomponentenschaum darf man nicht in geschlossenen Räumen verwenden. Vermischt sich das in den Dosen enthaltene Treibgas mit der Luft, entsteht ein explosives Gasgemisch. Schon ein Funke kann ausreichen, dieses zu entzünden. Gerade in kleinen Räumen ist deswegen auf eine ausreichende Belüftung zu achten.

Langfristige Gefährdung durch Montageschaum?

Es gibt aktuell die Befürchtung, dass bei offenliegendem PU-Schaum in Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit krebserregende Diamine freigesetzt werden können. Die ließe sich natürlich durch eine luftdichte Abdeckung vermeiden. Jedoch gibt es für dieses Schreckensszenario bisher keine verlässlichen Daten oder Erkenntnisse, die auf eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr hindeuten.

Foto(s): www.fotoatelier-schumacher.de