Garage, Blechgarage oder Carport, was ist sinnvoller?

Wo kann ich meinen PKW abstellen? Die Suche nach einem Parkplatz ist in vielen Städten zu einem Kampf um den Millimeter geworden, falls überhaupt noch irgendwo Plätze frei sind. Vor der Haustür meistens nicht — es sei denn in ruhigen Seitenstraßen mit Einfamilienhäusern. Aber auch da wird es knapp insbesondere bei Reiheneigenheimen. Zwar hat man in diesen Fällen „irgendwo im Hintergrund“ einen Garagenhof gebaut, aber wohin mit dem Zweitwagen der Ehefrau und dem Wagen des erwachsen gewordenen Sohnes, der immer noch in „Pension Mama“ wohnt? Und weil die Nachbarsfamilie und die Familie von gegenüber auch drei Wagen besitzt, sind selbst ruhige Nebenstraßen oft so zu geparkt, dass große Löschfahrzeuge nicht mehr durchkommen und PKWs nur mit Mühe und viel Herumkurverei.

Wer kann und ein entsprechend breites oder tiefes Grundstück hat, baut neben sein Haus eine Garage oder eine Doppelgarage. Zumindest die normale Fertiggarage oder eine angebaute Garage sind in Wohngebieten mit Einfamilienhäusern Standard. Die angebaute Garage ist jedoch immer ein Appendix, der die Optik des Wohnhauses stört. Die Hersteller von Fertiggaragen setzen dem optischen Einerlei inzwischen zwar verschiedene Modelle entgegen, die man als attraktiv bezeichnen kann — aber die angebaute oder neben dem Haus stehende Garage bleibt fast immer ein Fremdkörper.

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haus-und-carport.jpg Gut gelöst wurde zumindest das optische Problem bei diesem Haus aus den 30-er Jahren, das aufwändig und gelungen renoviert worden ist. Und genau im passenden Baustil und mit derselben Dacheindeckung wurde auch eine Garage daneben gesetzt. Aber eben auch nur für einen PKW. Eine gute architektonische Lösung ist das Haus mit Schleppdach, siehe Foto. Schleppdächer kennt man vom Schwarzwaldhaus. Statt Vieh wird der Schwarzwaldbauer heute seinen PKW unter das Schleppdach stellen. Jedenfalls zeigt die Variante hier im Foto, dass die Zufahrt zur Garage als zweiter Stellplatz genutzt werden kann, wobei natürlich immer ein Zurücksetzen des PKWs erforderlich wird, der auf der Auffahrt steht und dann im Winter vereiste Scheiben hat, während der andere PKW schön „warm“ aus der Garage gleiten kann. Da muss man sich innerhalb der Familie halt einig werden, wer den PKW auf der Auffahrt wegfährt.

Eine solche Situation schreit geradezu nach einem Carport, wobei Not (hier: Stellplatznot) erfinderisch macht, was aber nicht immer zum besten der Hausoptik und zum Wohnwert der ganzen Straße beiträgt. Für sich allein gestellt und mit Abstand zum eigenen und zum Nachbarhaus können Carports aus Aluminium oder aus Holz sehr gefällig aussehen. Bei diesen beiden Anbauvarianten sicherlich nicht. Im einen Fall (Foto links) wurde eine Metallkonstruktion mit Dach aus Doppelstegplatten neben der Garage angebaut. Im anderen Fall (Foto rechts) wurde zwar Holz verwendet, aber der Carport sozusagen einseitig „dicht gemacht“ und zur Hauptwindrichtung hin verglast.

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Und da sind wir am Kern des Problems. Carports sind ursprünglich freistehende Holzkonstruktionen, die keine Seitenwände und nur ein Dach haben. Diese Konstruktionsart kommt aus den südlichen Ländern, wo es eigentlich mehr darum geht, ein Auto tagsüber in den Schatten zu stellen, damit es nicht „aufbrütet“. Mit Schnee und Eis hat man es in Texas oder Sizilien nicht zu tun, weshalb der Wetterschutz untergeordnet ist. Anders aber in Deutschland. Das Dach hält zwar das Gröbste an Schnee und Hagel ab, aber der Wind und erst recht Sturm und Regen verteilen beides auch im Carport und damit über dem abgestellten PKW. Auch gegen Tau oder Eis auf den Scheiben ist der Carport machtlos.

Ihn dicht zu machen, also eine Holzgarage aus ihm zu zimmern, ist erstens bauaufsichtlich nicht erlaubt. Und zweitens hält die Holzkonstruktion dem Winddruck bei einem schweren Sturm oder gar einem Orkan nicht stand. Bei einem Anbaubalkon wie im Foto oben rechts relativiert sich die „Eindrückgefahr“, da die verglaste Front gehen die Hauptwindrichtung weist und das Haus, an den der Carport angebaut worden ist, zusätzliche Stabilität verleiht. Sicher ist das aber nicht und es ist auch nicht anzunehmen, dass die verglaste Holzkonstruktion statisch berechnet worden ist — wenn überhaupt eine Bauanzeige erfolgt und für das Bauwerk eine Genehmigung erteilt worden ist. Bei einem Orkan fliegt eine solche Konstruktion womöglich einfach davon oder wird in Fetzen zerlegt.

Um eine Fertiggarage, eine individuell gemauerte Garage oder einen Carport zu bauen, bedarf es keiner Baugenehmigung. Heutzutage genügt eine Bauanzeige, die aber dennoch von der Baubehörde geprüft wird. Dieses sogenannte vereinfachte Verfahren gibt also keine Gewähr dafür, dass jede Garage oder jeder Carport aufgestellt werden kann, wo man will. Das sieht man einerseits auf dem Lande etwas anders. Wo kein Kläger, da kein Richter. Andererseits fallen viele Dörfer speziell in den Stadtrandlagen dadurch negativ auf, dass die Wohnstraßen durch schlecht geplante und falsch platzierte Garagen oder Carports hässlich wirken.