Fundament abgesackt - was kann man tun?

Der schiefe Turm von Pisa ist das bekannteste Beispiel für ein Bauwerk, das sich in Teilen oder als Ganzes schiefgestellt hat. Dort kommt zwar keiner auf die Idee, ihn wieder völlig gerade zu richten. Es wurden in den vergangenen Jahren jedoch Maßnahmen ergriffen, um den Einsturz zu verhindern. Als Privatmensch möchte man sein Haus natürlich möglichst gerade wissen. Zumal eine nicht gleichmäßige Senkung des Fundaments meist mit Rissen in der Fassade verbunden ist. 

Es gibt viele mögliche Ursache, warum ein Fundament absackt. Bei Neubauten ist häufig der Untergrund nicht ausreichend oder nur unterschiedlich tragfähig. Auch unterirdische Hohlräume (z.B. alte Bergwerkstollen) können für das Problem verantwortlich sein. Selbst Jahrzehnte alte Bauwerke können sich plötzlich schief stellen, wenn sich zum Beispiel der Grundwasserstand ändert, in der Nachbarschaft ein Baugrube ausgehoben wird oder das Fundament durch einen Wasserrohrbruch oder durch Hochwasser unterspült wird. 

Letztendlich ist es Sache eines Fachmanns, die tatsächliche Ursache zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Zum Anheben eines Fundaments stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Zwei davon stellen wir Ihnen näher vor.

Heben und Senken des Fundaments mit einem Segmentpfahlsystem

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Der "ERKA-Pfahl" ist ein seit Jahren bewährtes System zur nachträglichen Herstellung von Gründungspfählen und zur Sanierung nicht tragfähiger Gründungen. Aufgrund des geringen Platzbedarfs und kleiner Maschinen eignet sich das Verfahren gut für beengte und schwer zugängliche Örtlichkeiten. Zur Hebung von Bauwerken werden zunächst Segmentpfähle unterhalb der Fundamente eingepresst. Sie bilden das Widerlager für die Hebung. Die Länge der Pfähle variiert von ca. 7 - 12 m Länge, je nach Schichtdicke des nichttragfähigen Baugrundes. Die einzelnen Segmente, die nach dem Nut-/ Feder-Prinzip vorgefertigt sind, werden so lange in den Untergrund gepresst, bis die Pfähle die notwendige Gebrauchslast sicher tragen und den tragfähigen Baugrund erreichen. Das hydraulische Einpressverfahren ist oft die einzige Möglichkeit, Pfähle erschütterungsarm in den Baugrund einzubringen. 

Wenn alle Pfähle eingebracht sind, werden zwischen Pfahlkopf und Fundament hydraulische Hebezylinder eingesetzt und sehr präzise Wegaufnehmer positioniert. Beide werden an Blöcken für je acht Hubpunkte zusammengefasst. Die Blöcke sind an eine Steuereinheit angeschlossen. Die Steuereinheit wird per Computer bedient und die Anhebung der Gebäude oder der Gebäudeteile wird sicher und genau herbeigeführt. Prinzipiell ist auch eine Absenkung von Bauwerksteilen möglich. 

In der Regel wird mit dem Pfahlsystem eine Hebung zusammen mit einer Nachgründung realisiert. Man kann aber auch Gebäude oberhalb der Kellersohle oder z.B. Decken von Bauwerken anheben oder absenken. Dazu werden im bestehenden Mauerwerk Hubkammern eingerichtet, in die Hebezylinder eingestellt werden. Der weitere Ablauf entspricht im Wesentlichen der Hebung bei einer Schiefstellung. Die Hebezylinder werden hier allerdings synchron aus- bzw. eingefahren.

Verstärken und Heben des Fundaments mit Zweikomponenten-Spezialharz

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Bei der Methode von URETEK wird ein Zweikomponenten-Spezialharz in flüssiger Form unter Fundamente oder Tragplatten eingepresst. Die flüssigen Komponenten werden in getrennten Schläuchen zum Einsatzort gepumpt und innerhalb der Injektionsspritze gemischt. Bei der Aushärtung dehnt sich das Material stark aus. 

Sobald Hohlräume und weiches Boden damit aufgefüllt sind, beginnt sich ein Raumdruck aufzubauen, der für Hebekräfte von mindestens 20 Tonnen pro Quadratmeter Fläche sorgt. Die Wirkung der Injektionen wird mit einem hochpräzisen Nivellier-Laserempfänger am Baukörper millimetergenau überwacht. Das eingesetzte Material ist alterungsbeständig, verformungsstabil und umweltverträglich. 

URETEK setzt die Injektionstechnik in zwei Bereichen ein: Mit der Floorlift-Methode werden Fußböden und Bodenplatten instand gesetzt oder angehoben. Die Tiefeninjektionsmethode dient zur Verdichtung von Untergründen.

Die Floorlift-Methode geht in drei Schritten vonstatten:

Schritt 1: Bohren

In Betonböden werden entsprechend eines vorher durch Niveaumessungen und Aufgabenstellung festgelegten Schemas Löcher mit einem Durchmesser von 12 mm gebohrt (im Durchschnitt alle 3 bis 4 m² ein Loch). In diese Bohrlöcher wird ein Injektionsrohr eingesetzt.

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Schritt 2: Injizieren

Speziell entwickelte Injektionspistolen werden an die eingesetzten Injektionsrohre angeschlossen und das Zweikomponenten-Expansionsharzsystem injiziert. Beide Flüssigkeiten werden in der Injektionspistole vermischt und unter kontrolliertem Druck (ca. 8 bar) direkt unter die Betonplatte gepresst, wo sie sich in einem Radius von ca. 2 bis 3 Metern um die Injektionsstelle herum ausbreiten können. Kurze Zeit nach der Vermischung reagieren die zwei Komponenten miteinander.

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Schritt 3: Expandieren

Durch diese Reaktion entfaltet das Harzsystem seine kontrollierte Expansionswirkung. Hohlräume werden aufgefüllt und der Untergrund verdichtet. Durch dosierte Injektionen und die frei werdende Expansionskraft (bis zu 500 kPa = 50 t/m²) werden z.B. abgesackte Fußböden millimetergenau angehoben. Die permanente Überwachung durch Nivellierlaser ermöglicht punktgenaue Anhebungen in engen Toleranzen von +/- 5 mm. Schon nach 15 Minuten ist das Kunstharz ausgehärtet und der Boden kann wieder uneingeschränkt genutzt werden.

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