Frostschäden lassen die Fassade bröckeln

fassadenschaden01.jpgDeutlich sichtbare Risse ziehen sich durch die Fassade, der Putz bröckelt, Farbe platzt ab - der Winter hat seine Spuren hinterlassen. So sieht es an vielen Hauswänden aus, wenn die dunkle Jahreszeit vorüber ist. Denn Regen, Schnee und Frost setzen den Materialien übel zu und verursachen Schäden, die nicht nur unschön aussehen, sondern schnell an die (Bau-)Substanz gehen können. Wer dagegen rechtzeitig auf geeignete Vorbeugungsmaßnahmen setzt, um seine Fassade vor schädigenden Witterungseinflüssen zu schützen, kann dem Winter relativ entspannt entgegensehen. Erfahren Sie mehr über die komplexen Ursachen, die zu Frostschäden führen und wie sie vermieden bzw. behoben werden können.

Feuchtigkeit und Frost fördern Frostschäden


Frostschäden entstehen immer dann, wenn Feuchtigkeit und Frost in kurzer Abfolge aufeinander treffen, der Fachmann spricht in diesem Fall von Frost-Tau-Wechseln. Je häufiger so ein Tauwechsel auftritt, desto eher ist mit Frostschäden zu rechnen. Dabei ist es erstaunlicherweise nicht so, dass lange und tiefe Frostphasen gleichbedeutend mit größeren Schäden sind. Vielmehr treten vermehrt Schäden bei milden Wintern auf, wenn etwa auf lang anhaltende Regenfälle kurze Frostperioden folgen. Die Sonne kann ein übriges dazu tun. Bei der Sonne zugewandten Bauteilen kann es selbst bei Dauerfrost zu vermehrten Schäden kommen. Die Sonnenstrahlen bringen das Eis im Porengefüge des Bauteils zum Schmelzen und es kommt zu zusätzlichen Frost-Tau-Wechseln.

Ursachen von Frostschäden


Grundsätzlich sind mehrere Ursachen von Frostschäden zu nennen. Zum einen kann es am Material liegen, das nicht frostbeständig ist oder es wurde so ungünstig eingebaut, dass es gar nicht die Möglichkeit hat auszutrocknen. Zum anderen kann Feuchtigkeit von innen oder außen (Niederschlag, Raumluftfeuchte) Ursache für Frostschäden sein. Mehr über die Quellen der Feuchtigkeit von außen oder innen, erfahren Sie in einer speziellen Fachinformation. Wollen Sie mehr über den Schlagregenschutz erfahren, so klicken Sie hier.

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Frostbeständigkeit des Materials verbessern - ist das möglich?


Die Frostbeständigkeit eines Materials hängt von seiner Festigkeit und seinem Wasseraufnahmevermögen ab. Je niedriger der Sättigungsgrad von Putzen oder Mauerwerk ist, desto frostbeständiger ist der Baustoff. Als Sättigungsgrad bezeichnet der Fachmann den Anteil der Poren an der Gesamtporosität eines porösen Materials, die sich bei druckfreier Unterwasserlagerung mit Wasser füllen. Die Festigkeit eines Putzes oder Mauerwerks nachträglich zu verbessern, ist nicht so einfach und ist nur bedingt durch Aufbringen von sogenannten Steinfestigern möglich. Dabei treten jedoch häufig andere Probleme auf. So kann es zu Festigkeitsunterschieden im Putz oder Mauerwerk kommen, was neuerliche Schäden nach sich zieht. Daher sollte bei mangelnder Frostbeständigkeit des Materials eher das Augenmerk auf die Wasseraufnahme gelegt werden. Dazu muss der Sättigkeitsgrad herabgesetzt werden, was mit sogenannten Hydrophobierungsmitteln (also Mitteln, die den Baustoff wasserabweisend machen) erreicht wird.

Doch auch die Hydrophobierung hat ihre Schwachstellen. So kam es durch Hydrophobierungen schon zu gravierenden Verschlimmerung von Steinzerstörungen im Denkmalbereich. Zudem kann es zu einer extremen Vergrößerung von Feuchteschäden auf Wandinnenseiten kommen. Viele Denkmalbehörden haben deshalb beispielsweise eine Art generelles "Hydrophobierungsverbot" herausgegeben. Was natürlich etwas über das Ziel hinausgeschossen ist, denn die Imprägnierung von Bauteiloberflächen hat sich grundsätzlich bewährt und ist keineswegs ein neuartiges Verfahren. Bereits die alten Griechen und Römer verwendeten Öle und Fette, um ihre Gebäude gegen die Einwirkungen von Regen und Frost beständiger zu machen. Heutzutage schmiert sich natürlich keiner mehr Fett auf die Hauswand, sondern es kommen hydrophobierende siliciumorganische Verbindungen zum Einsatz.

Die Aufnahme einer hydrophobierenden Imprägnierung erfolgt durch kapillares Saugen des porigen Materials. Dabei ist ein wesentlicher Parameter die Eindringtiefe der Hydrophobierung, welche von der Kapillarstruktur des Baustoffs und den Molekulareigenschaften der verwendeten Chemikalie abhängig ist. Es kann also nicht mit einem einzigen Hydrophobierungsmittel auf jedem Untergrund ein optimales Ergebnis erzielt werden. Durch eine Hydrophobierung wird die Aufnahme von Feuchtigkeit durch die Bauteiloberfläche reduziert und gleichzeitig poröses Feinmaterial verfestigt. Zudem wird ein wasserabstoßender Film auf der Innenoberfläche von Kapillarporen erzeugt. Das Hydrophobieren ist daher unweigerlich ein einschneidender Eingriff in den Feuchtehaushalt des Materials.

Neben der Feuchtigkeitsaufnahme wird auch die Feuchtigkeitsabgabe reduziert. Die Ausdiffusion von flüssigem Wasser wird weitgehend unterdrückt, so dass bei ungünstigen Bedingungen das Bauteil nicht austrocknen kann und die Schäden nur noch größer werden. Ungünstige Bedingungen liegen auf jeden Fall vor, wenn das zu behandelnde Bauteil Risse aufweist. Risse sind nämlich grundsätzlich nicht hydrophobierbar. Von daher ist auch das Hydrophobieren von (vor allem einschaligem) Sichtmauerwerk häufig zum Scheitern verurteilt - auch wenn die Produktinformationen von Hydrophobierungen das anders nahe legen. Daher ist es erforderlich, die Einsatzbedingungen einer Hydrophobierung genau zu prüfen. Hydrophobieren ist kein Allheilmittel und was häufig vergessen wird: Es ist überhaupt nicht rückgängig zu machen und nur mit sehr hohem Aufwand einigermaßen zu neutralisieren.