Flüssigtapeten - Pullover für die Wand

fluessigtapete01.jpg In Japan sind sie seit über 350 Jahren bekannt, in Deutschland kennt sie kaum noch jemand - Flüssigtapeten oder, wie sie auch genannt werden, Baumwollputze. Diesen Namen haben sie von ihrer Materialbeschaffenheit, sind sie doch ein Gemisch aus Textilfasern (meist Baumwolle, doch auch Jute oder Flachs sind möglich), Effektmaterial und einem lösemittelfreiem Trockenklebemittel. Durch das Effektmaterial lassen sich hunderte unterschiedlicher Dekore an Wand und Decke zaubern. Es gibt Dekore in allen Farben und Strukturen, mit oder ohne Glittereffekt, mit schimmernden Seidenfasern oder auch ganz dezent und schlicht in behaglichen Naturtönen. Dadurch, dass nur natürliche Materialien verwendet werden, ist Flüssigtapete sehr umweltfreundlich. Darüber hinaus lässt sich die Tapete kinderleicht verarbeiten, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt. Als Naturmaterial lädt sich die Flüssigtapete zudem nicht statisch auf und ist daher weitgehend schmutzunempfindlich. Das sind viele Gründe, sich mit der Flüssigtapete einmal näher zu befassen.

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Eigenschaften des Baumwollputzes


Die Eigenschaften der Tapete werden sehr stark von der Baumwolle geprägt. Baumwolle ist ein reines Naturprodukt - die uneingeschränkte Nummer eins unter den Pflanzenfasern. Sie ist sehr weich, reißfest, haltbar und strapazierfähig. Baumwolle kann nahezu die Hälfte ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, sie ist also besonders feuchtigkeitsregulierend. Gemischt mit anderen Faserarten, z. B. Polyester oder Polyamid, wird die Strapazierfähigkeit verbessert. Die Tapete wirkt also wie ein Baumwollpullover. Dazu passt auch, dass die Flüssigtapete wärme- und schalldämmende Eigenschaften besitzt. Durch die Wollfasern ist das Material nicht nur diffusionsoffen, sondern ist zudem hochflexibel. Dadurch werden kleine Risse im Putz zuverlässig überdeckt. Die Flüssigtapete bietet sich sowohl bei der Ausstattung von Neubauten, als auch bei der Renovierung von Altbauten, aber auch bei jeder anderen Art der Renovierung an. Rundbögen, Säulen, Fensterstürze, gerade oder auch gewölbte Deckenflächen, etc. lassen sich ebenso problemlos ohne störende Nähte oder Ansätze beschichten, wie eine einfache Wand.

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Verarbeitung der Flüssigtapete


Bei der Verarbeitung müssen jedoch einige Dinge beachtet werden. Alte Tapeten müssen mit Ausnahme von Glasfasertapeten grundsätzlich entfernt werden, ebenso lose Putze. Dabei ist darauf zu achten, dass der Untergrund nach der Vorbehandlung gleichmäßig weiß ist und keinerlei Flecken aufweist. Zudem muss der Untergrund ausreichend glatt sein. Es ist zwar möglich, mit der Flüssigtapete kleinere Unebenheiten auszugleichen. Bei größeren und löchrigen Unebenheiten ist es jedoch billiger diese mit Spachtelmasse, Gips auszugleichen. Um ein optimales Endergebnis zu erreichen, ist die richtige Grundierung der Wand- oder Deckenflächen von entscheidender Bedeutung. Bei alten Wand- und Deckenflächen, die durch Nikotin, Schimmel, Wasserflecken, Tapetenkleister, rostige Nägel, alkalische Putze, Klebeharzen von Spanplatten, usw. beeinträchtigt sind, muss mit einem Isoliergrund, decken weiß, 2-fach grundiert werden. Dies gilt auch für Gipskarton-, Gipsfaser-, Hartfaser-, und Spanplatten, ob alt oder neu. Bei ausreichend weißen und tragfähigen Untergründen wie zum Beispiel Gasbeton, Gips-, Mineral-, Kunststoff-, Spritz-, Roll-, Reibe- oder Kieselputz genügt der einmalige Auftrag von Haftgrund.

fluessigtapete04.jpg Die Flüssigtapete kann sowohl mit einer Glättkelle aus Kunststoff, als auch bis zu einer gewissen Dicke mit einer speziellen Spritzpistole aufgetragen werden. Stark beanspruchte Wände wie zum Beispiel Kinderzimmer, Küche oder Flur sollten grundsätzlich mit der Kelle verarbeitet werden. Dadurch entsteht ein etwas stärkerer und glatterer Auftrag, der im Falle einer Beschädigung wesentlich leichter repariert werden kann. Decken und Wände die eher wenig beansprucht werden kann man auch aufspritzen. Die Struktur der Oberfläche wird dadurch allerdings etwas rauher und der Auftrag etwas dünner. Bei sehr großen Flächen kann man auch beide Techniken anwenden, zuerst aufspritzen und dann mit der Kelle nachglätten. Die Trocknungszeit der Flüssigtapete ist abhängig von der Temperatur und vor allem von der Belüftung der Räume, sie beträgt ca 2 - 4 Tage.

Flüssigtapete lässt sich einfach reparieren


Eine Besonderheit der Flüssigtapete ist auch ihre Reparaturfähigkeit. Hat man beim Renovieren der Tapete eine tiefe Schramme verpasst, lässt sich diese ohne Probleme wieder rückstandslos beseitigen. Dazu wird die Fläche um die Schramme nur großzügig mit Wasser eingeweicht. Nach etwa 15 Minuten Einweichzeit kann die Tapete mit der Kelle wieder geglättet werden und nichts ist mehr zu sehen. Gleiches gilt, wenn einmal ein hartnäckiger Schmutzfleck auftaucht, nur einweichen, den Fleck herauskratzen und die Stelle wieder glätten. Ein großer Vorteil, z.B. in Treppenhäusern und stark beanspruchten Räumen. Durch Einweichen der gesamten Fläche lässt sich die Tapete übrigens auch komplett mit dem Glättspachtel von der Wand abschieben. Wem das zu viel Arbeit ist, der kann die Flüssigtapete mit jeder herkömmlichen Wand- oder Dispersionsfarbe überstreichen. Zwar sind die Effekte (falls in der Wand vorhanden) dann ebenfalls überstrichen und nicht mehr sichtbar, aber die vorgegebene Grundstruktur des Dekors bleibt erhalten.

Die Fotos stammen von www.wema-fluessigtapete.de