Fertighaus von innen gegen Lärm von aussen schützen

Anja O.: Es handelt sich um ein Fertighaus mit Hinterlüftung. Aufbau von außen nach innen: Putz,Wand (weiss nicht was), Rockwool, Dampfsperre, Spanplatten, Rigipsplatten. Welche Möglichkeiten gibt es? Von außen zu teuer. Das Haus steht an der Bundesstrasse und die LKW´s fahren mitten durch´s Zimmer! Auch wenn es nur eine Notfalllösung gäbe, wäre ich sehr dankbar.

Antwort von Martin: Leider, hier gibts nur schlechte Nachrichten: Mit kleinen Dingen erreicht man hier nur eins: Geld auszugeben, aber keine Verbesserung. Auch gibt es kein "innen" oder "aussen", hier muss man an die Substanz: Die größten Probleme sind: Fenster, Rolladenkästen, Türen, Fensterbänke. Hier tritt am meisten Lärm in den Innenraum, weil am wenigsten Substanz vorhanden ist. Erklärung: Lärm kann im Gegensatz zu Wärme und Kälte durch eine porenreiche Dämmung (Styropor, Steinwolle etc) nur sehr ungenügend gedämmt werden. Einzig Masse bringt einen ausreichenden Schutz, da nur sie Schall abhalten kann. Vernichtet ("geschluckt") werden kann Schall nicht, höchstens umgewandelt werden in (minimale) Wärme. Nachdem Fenster, Rolladenkästen und Türe umgebaut worden sind (was schon erheblich ins Geld gehen kann), muss eine aktive Belüftung eingebaut werden (sonst kommt durch die dichten Fenster Schimmel in den Raum). Erst danach und wenn die Emissionen so stark sind, daß sie die Masse spürbar in Dauerschwingung versetzen, kann an den Wänden etwas getan werden. Vorher bringt es nichts. Hierbei wird (im Extremfall) eine geschlossene Vorsatzschale aus Stahlbeton vor die Hauswand gesetzt (quasi als Lärmschutzwand). Zur Lebensqualität hinter einer solchen Abschirmung brauche ich sicher nichts sagen. Da es sehr schwer ist, einen Tipp aus der Entfernung zu geben, ohne die Örtlichkeit und die tatsächliche Verkehrsbelastung zu kennen bzw einen Sanierungsplan aufzustellen und eventuell weitere Geldgeber (sind Sie eigentlich sicher, daß nicht eine "wesentliche Änderung" im Straßenverkehr aufgetreten ist, dann wäre nämlich wenigstens ein Zuschuss vom Bund zu erwarten?) zu ermitteln, muss ich Sie an einen Architekten verweisen, der das Ganze beurteilen soll. Für Umbaumaßnahmen brauchen Sie ihn sowieso, da Sie nicht unerheblich in die Gebäudesubstanz eingreifen müßten, was eine Baugenehmigung voraussetzt.

Anja O.: Lieben Dank für die schnelle Antwort. Wir werden es zumindest in den Schlafräumen erst mal mit Fenstern versuchen. Ausserdem gibt es wohl die Möglichkeit, die Rolladenkästen mit entsprechenden Platten von innen auszukleiden, damit der Schall nicht freie Fahrt hat.

Antwort von Herbert K.: Rolladenkästen sind ein Übel und die Rolladen sowieso, meist aus PVC, damit der Einbrecher die Dinger schön mit der Lötlampe wegschmelzen kann. Es gibt Rolladenkästen, die eigens zum Zwecke erhöhter Wärmedämmung hergestellt werden und die auch etwas - aber nur etwas - Verbesserung bei der Schalldämmung bewirken. Die Schallschutzfenster nützen nichts, wenn der Lärm durch diese verfluchten Kästen kommt. Diese am besten ganz rausreißen, wenn schon saniert wird, und einen Sichtschutz von innen anbringen.