Fenster und Türen - Begriffe und Konstruktionen

Jeder Beruf hat sein Fachchinesisch - beim Bau ist es nicht anders. Aus diesem Grund wollen wir die Begriffe aus dem Bereich Fenster und Türen sowie anhand von Zeichnungen die Konstruktionsmerkmale erläutern. 

Bestandteile eines Fensters oder einer Tür

Die Bezeichnungen "Zarge" bzw. "Stock" für ein- und denselben Gegenstand sind landsmannschaftlich bedingt. Während man unter "Türblatt" eine Konstruktion aus einem Material versteht, also z.B. ein Türblatt aus Holz oder Glas, wird unter einer "Türfüllung" eine Konstruktion aus einem oder mehreren Materialien verstanden, die zunächst in einen Rahmen eingepaßt werden müssen, ehe sich daraus die Tür ergibt (Beispiel bleiverglaste Tür).

Tauchen die Begriffe "Gangflügel" oder "Gehflügel" auf, so wird darunter der Flügel einer mehrflügeligen Türanlage verstanden, der zuerst geöffnet werden muß, um durchgehen zu können. Wo ein "Gehflügel" ist, ist ein "Stehflügel" nicht weit. Darunter versteht man jenen Flügel, der erst dann bewegt werden kann, wenn der sog. "aktive Flügel" oder "Hauptflügel" geöffnet worden ist. Fenster und Türen weisen einen oder mehrere Falze auf, wodurch das Eindringen von Luft teilweise oder ganz verhindert wird. Die Seite eines Flügels, die an der gefälzten Seite des Rahmens liegt, wird "Schließfläche" genannt.

"Laibung" ist die Wandfläche zwischen dem eingebauten Fensterrahmen und der Außenseite der Außenwand- bzw. der Innenwand.

Wird ein Tür- oder Fensterflügel geschlossen, so trifft dieser auf den "Anschlagspunkt". Das kann der Rahmen oder die Zarge (der Stock) sein, das kann aber auch ein "Pfosten" sein, also ein vertikales Element, an das zwei- oder mehrflügelige Fensterrahmen anschlagen. 

Normalfall ist, daß zwei- oder mehrflügelige Fenster gegen diesen Pfosten oder "Holm" angeschlagen werden. Auch heute noch im Angebot sind jedoch sogenannte "Stulpfenster", wie man sie in historischen Gebäuden häufig antrifft und die zur Zeit unserer Urgroßeltern üblich waren. Hierbei wird der "passive" Flügel im Fensterrahmen arretiert, der "aktive" über den Schließmechanismus dann mit dem "passiven" Flügel verbunden.

Doch bevor wir uns weiter an die Begriffsbestimmungen machen, wollen wir uns doch eine weitere Zeichnung ansehen. Die Teile 1 bis 4 kennen wir ja schon.

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1. der Sturz

2. das Oberlicht (Mehrzahl: Oberlichte)

3. Rahmen (vorwiegende Bezeichnung bei Fenstern) Zarge oder Stock (vorwiegende Bezeichnung bei Türen)

4. Flügel (vorwiegende Bezeichnung bei Fenstern) Blatt oder Vollbautüre

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5. der Kämpfer (horizontale Unterteilung eines Fensters)

6. Mittelpfosten oder Steher

7. Sohlbank oder Unterstück (des Fensterstocks) Schwelle (bei Türen)

8. Sprosse

9. Stock-Oberstück bzw. Zargen-Querstück

10. Unterlicht(e)

Soll die Öffnung zwischen Zarge/Stock und Wand verkleidet werden, spricht man folgerichtig von einer "Verkleidung" oder "Abdeckung". Die "Sprosse" ist ein Profil zur Unterteilung eines Fensters für den Einbau von kleineren Scheiben. Unter "Beschlag" versteht man alle (Metall)Teile, durch die sich Tür oder Fenster öffnen lassen - also Schloß, Bänder usw. Das "Band" ist nun jenes Metallteil, das Tür oder Fenster mit der Wand verbindet und das eine Drehbewegung der Tür oder des Fenster erlaubt. Wobei wir beim "Dichtungsband" sind, unter dem man ein Band bzw. einen Streifen aus elastischem Material versteht, der das Durchdringen von Luft bzw. das Eindringen von Wasser verhindern soll.

Fenster- und Türbauer bezeichnen in diesem Zusammenhang als "Luftdurchlässigkeit" die Eigenschaft einer geschlossenen Tür oder eines Fensters, unter einem "Differenzdruck" Luft durchgehen zu lassen. Mit "Differenzdruck" wird der Unterschied zwischen dem absoluten Luftdruck auf der Außenseite zum absoluten Luftdruck auf der Innenseite bezeichnet und in der Maßeinheit Pascal (Pa) angegeben. Man spricht von einem positiven Differenzdruck, wenn der Außendruck höher als der Innendruck ist - dementsprechend ist der negative Differenzdruck genau das Gegenteil.

Bei Fenstern oder Türen, die sich nur in eine Richtung öffnen lassen, spricht man von "Einfachfunktion", läßt sich eine Tür oder ein Fenster nur zum Teil öffnen, so weist sie eine "Öffnungsbegrenzung" auf. Ein Doppelfenster muss grundsätzlich keine 2-Scheiben-Isolierverglasung aufweisen, vielmehr besteht ein Doppelfenster aus einem äußeren und inneren Fensterflügel, wobei beide Flügel nach innen öffnen können oder ein Flügel nach außen und einer nach innen. Ein "Verbundfenster" weist eine Verglasung aus zwei oder mehr Scheiben auf, die fest miteinander verbunden sind und deren Zwischenräume mit Gas oder Luft gefüllt sind, im Umgangsdeutsch spricht man dabei oft von "Isolierverglasung". Die Glasscheiben können dabei untereinander kombiniert sein, also z.B. Sicherheitsglas und Schallschutzglas (siehe dazu auch unseren Fachbeitrag "Glasarten im und am Haus").

Ein "Kastenfenster" ist lt. Vorschlag zur EU-einheitlichen Norm ein Fenster, welches einen oder mehrere Flügelrahmen aufweist. Damit   kann    ein Doppelfenster gleichzeitig auch ein Kastenfenster sein. Ist bei einem solchen Kastenfenster ein Flügel nicht zu öffnen, so spricht man von einem Kastenfenster mit "feststehendem Flügel" oder von einem "fixierten Fenster". Was ein Schiebefenster ist, weiß jedermann, die Fachbezeichnung lautet jedoch "Schiebeflügel".

Konstruktionsmerkmale von Fenster und Türen

bestand3.gif Einflügeliges Drehflügelfenster, nach innen öffnend
bestand5.gif Wendefenster, jedoch mit einer außermittigen Konstruktion
bestand6.gif Schwingfenster, mittig angeschlagen
bestand7.gif Schwingfenster, außermittig angeschlagen
bestand4.gif Wendefenster (in diesem Fall links öffnend), der Drehbeschlag ist genau mittig angebracht
bestand10.gif Vertikalschiebefenster mit feststehendem und verschiebbarem Flügelrahmen
bestand8.gif Vertikalschiebefenster, beide Flügel lassen sich verschieben (oben)
bestand9.gif Vertikalschiebefenster, beide Flügel lassen sich verschieben (unten)
bestand11.gif Horizontalschiebefenster, beide Flügel lassen sich verschieben
bestand12.gif Horizontalschiebefenster mit feststehendem und verschiebbarem Flügel
bestand13.gif Hebeschiebekippfenster
bestand14.gif Hebeschiebefenster
bestand15.gif Schiebedrehfenster nach außen
bestand16.gif Senkklappenfenster
bestand17.gif Drehkippfenster (in Deutschland besonders gebräuchlich)
bestand21.gif Faltfenster, entsprechend dazu Falttür
bestand19.gif Klappflügelfenster
bestand18.gif Kippflügelfenster
bestand29.gif Glasrahmen feststehend schräg
bestand37.gif Schrägelement mit Dreh- oder Kippflügel
bestand31.gif 1-flgl. Dreh-Kipp-Fenster mit Rundbogen-Oberlicht feststehend
bestand32.gif 2-flgl. Dreh/Dreh-Kipp-Fenster mit feststehenden Segmentbogen-Oberlicht
bestand33.gif 3-teiliges Element bestehend aus: 2x Festelement 1x Dreh-Kipp-Fenster
bestand34.gif Terrassen Element bestehend aus: 1x Dreh-Kipp-Balkontür 1x Dreh-Kipp-Fenster
bestand35.gif Giebel-Elemente bestehend aus: 2x Festelement schräg und 1x Dreh-Kipp-Balkontür
bestand36.gif Giebel-Element bestehend aus: 2x Schrägelement Dreh und 1x Dreh-Kipp-Balkontür
bestand20.gif Lamellenfenster, entsprechend dazu Faltschiebetür oder Harmonikatür
bestand22.gif Drehflügeltür
bestand23.gif Zweiflügelige Drehtür
bestand24.gif Schiebetür (nach rechts öffnend, vor der Wand laufend)
bestand25.gif Schiebetür (nach rechts öffnend, in der Wand laufend)
rbogen.gif Rundbogen-Tür
kbogen.gif Korbbogen-Tür
sbogen.gif Stichbogen-Tür
bestand26.gif Karusseltür

Standardmaße gibt es im Türbereich. Bei Haustüren beträgt das Standardmaß 110 x 210,5 cm . Bei Innentüren beträgt die Höhe 201 cm, die Breite hat verschiedene Standards: 61,5 - 76 - 88,5 und 101 cm, wobei die zukünftige Norm für Innentüren bei 206 cm Höhe liegen wird, da bekanntlich die Menschen immer größer werden. Auch bei Fenstern, die in Baumärkten und Baustoffhandlungen ab Lager geholt werden können, gibt es ca. 20 Standardmaße zwischen 48 x 63 und 99,5x 215 cm, jedoch gilt sowohl für den Architekten als auch für das einschlägige Handwerk: Jedes Fenster wird individuell ausgemessen und gefertigt.

Sicherheitsfenster oder -türen, Brandschutzfenster oder -türen, Schallschutzfenster oder -türen sowie Hauseingangstüren sind Sonderausführungen hinsichtlich der Beschaffenheit von Glas, Rahmen, Füllung, Zargen und Schließmechanismus. Über die verschiedenen Glasarten, die vor Feuer, Einbruch und Überfall schützen, erhalten Sie Informationen, wenn Sie hier klicken.