Farbige Fassaden stimmen Mieter heiter

Im Londoner Hafendistrikt an der High Timber Street steht dieses farbenfrohe Haus — das „Sir John Lyon House“, geplant von den Architekten Sidell Gibson. Das 2009 erbaute Appartement-Gebäude ist mehrfach international ausgezeichnet worden, was sicherlich nicht geschehen wäre, wenn die Fassade des Gebäudes nicht die farbigen Akzente aufweisen würde.

farbige-fassade-01.jpg

Daran hat indirekt auch eine deutsche Firma mitgewirkt — Agrob Buchtal, die die Keramik für die Fassade geliefert hat. Drei-Zimmer-Appartements in diesem Haus werden derzeit (2014) für 4.350.000 Millionen Britische Pfund angeboten. Das sind Dimensionen für Ölscheichs, russische Oligarchen und griechische Steuerflüchtlinge. Ob die in diesen Prunk-Appartements glücklich sind oder werden, ist eine andere Frage.

Der Wert einer Immobilie hat nicht nur etwas zu tun mit der Lage am Londoner Hafen und dem Nimbus des Architekten. Was hier in Deutschland Mangelware ist, das ist die Farbe an den Fassaden. Statt Keramik würde es im Normalfall ja auch Fassadenfarbe tun, wobei die Deutschen nach einer Umfrage aus Herbst 2009 grüne und blaue Fassaden allerdings nicht mögen. Es geht dabei also nicht um Millionen-Investitionen, sondern darum, wie man bei Mietshäusern die Mieter und sich selbst heiter stimmen kann, sofern man ein Eigenheim besitzt oder Inhaber eines Mehrfamilienhauses ist. Und es geht letztendlich auch darum, was der Immobilienbesitzer dazu beitragen kann, „seine“ Stadt oder Gemeinde zu verschönern. Da hat sich viel Positives getan, aber es gibt auch noch mehr negative Beispiele und die liegen keineswegs nur in den neuen, sondern auch in den alten Bundesländern.

Möchten Sie lieber im linken oder im rechten Haus wohnen?

farbige-fassade-02.jpg

Die Antwort auf die Frage, in welchem der hier oben gezeigten Häuser man lieber wohnen möchte, erübrigt sich eigentlich. Bürgerhäuser, wie sie um 1900 gebaut wurden, lehnten sich an die Baustile des Klassizismus, des Barock oder der Renaissance an. Manchmal entstanden auch Mischbauweisen an der Grenze zum kitschigen Zuckerbäckerstil. Dennoch haben diese Altbauten bei allen Nachteilen einer schlechten Wärmedämmung ihren eigenen Charme und verleihen ganzen Stadtteilen eine freundliche Optik. Auf dem Foto sieht man aber auch beispielhaft, dass selbst ein langweiliger Zweckbau aus den 50-er Jahren durch einen dezent-farbigen Anstrich aufgewertet wird und in dieser Straßenzeile aus klassischen Patrizierhäusern kaum noch negativ auffällt.

Wertminderung des eigenen Hauses durch hässliche Nachbar-Fassaden

farbige-fassade-03.jpg

Wieder zeigen wir hier oben ein Foto, das beispielhaft die Misere erklärt, in der sich Besitzer einer Altimmobilie befinden, die ihre Hausfassaden freundlich und farbig gestaltet haben, der liebe Nachbar aber gar nicht daran denkt, seinem Haus beispielsweise einen farbigen Fassadenputz zu verpassen, (was ja auch der Wärmedämmung zu Gute kommen würde). Um es ungeschminkt zu sagen: Wer möchte eines der beiden Häuser rechts im Foto kaufen, wenn das Haus links einen derart trostlosen Anblick bietet? Kaum einer — und wenn, dann mit Preisnachlässen von 20.000 € oder mehr wegen der unschönen Nachbarschaft.

Da sind Hausbesitzer, die ihre Straße durch gefällige Fassaden aufwerten möchten, machtlos. Und auch die Stadt- oder Gemeindeverwaltung kann niemanden zwingen, die Optik seines Hauses zu verschönern. Hier nützen auch die schönsten Beihilfemöglichkeiten etwa der KfW für eine Hausrenovierung nichts, wenn dem bösen Nachbarn alles egal ist. Da geht es bei Eigentumswohnungen in einer Eigentumswohnanlage schon leichter — denn es bestimmt die Mehrzahl der Eigentümer, ob und wie eine Fassade neu beschichtet werden muss.

Weshalb ein Villenbesitzer das Nachbarhaus neu anstreichen ließ

Es kommt ja schon einmal vor, dass der Besitzer einer Villa diese verkaufen muss. Nicht aus Geldnot, sondern ganz einfach deshalb, weil er seinen Lebensmittelpunkt 500 km weiter südlich oder ins Ausland verlegen will. Der Redaktion von baumarkt.de ist ein Villenbesitzer bekannt, der sein Luxushaus in luxuriöser Lage nur deshalb nicht verkauft bekam, weil das benachbarte Haus optisch regelrecht verlottert war. Er hat es dann zur Freude des Nachbarhaus-Eigentümers auf seine Kosten „aufmotzen“ lassen und konnte seine Villa dann auch in relativ kurzer Zeit zu einem angemessenen siebenstelligen Preis veräußern. Leider hat nicht jeder das Geld, neben seinem eigenen Haus auch noch gleich das des Nachbarn zu „polieren“.

Foto (1): www.agrob-buchtal.de,
Foto (2-3): www.fotoatelier-schumacher.de