Farben, Lacke und Lasuren - ein Überblick über Anstrichstoffe

Malern ist eine der Arbeiten, die beim Bauen und Renovieren besonders häufig als Eigenleistung erledigt werden. Erstens geht das relativ einfach und zweitens kann man durch Eigenleistung eine Menge Geld sparen. Bei Malerarbeiten ist der Anteil der Lohnkosten mehr als doppelt so hoch, wie der Materialkostenanteil. Doch nicht nur die Wände können gestrichen werden. Auch Möbel oder Fensterrahmen brauchen ab und zu einen neuen Anstrich. Dafür gibt es einige Lacke und Lasuren. Diese haben häufig eine Schutzfunktion zu erfüllen, setzen aber auch farbliche Akzente. Anstrichstoffe gibt es für verschiedene Oberflächen und Anwendungszwecke mit einer großen Auswahl an Farbtönen und Effekten. 

Eines haben Farben, Lacke und andere Beschichtungsmittel gemeinsam. Sie bestehen grundsätzlich aus den vier Komponenten Bindemittel, Lösemittel (bzw. Verdünnungsmittel), Pigmenten und Zusatzstoffen. Ausnahmen sind Klarlacke und viele Grundierungen, die ohne Pigmente hergestellt werden. Bei Kalk- und Zementfarben ist das Bindemittel zugleich auch schon das Pigment, wenn die Wand rein weiß gestaltet werden soll. Beizen wiederum besitzen keine Bindemittel. 

Die vier Komponenten haben unterschiedliche Aufgaben. Lösemittel halten Bindemittel und Pigmente zunächst flüssig und sorgen nach dem Verarbeiten durch Verdunstung dafür, daß die Farbe fest und trocken wird. Bindemittel verbinden den jeweiligen Untergrund mit den Pigmenten und sind meist farblos. Farbe ins Spiel bringen Pigmente. Sie verleihen der Oberfläche das gewünschte Aussehen. Um Anstrichmittel zu konservieren, um eine bestimmte Viskosität zu verleihen oder um eine gewisse Elastizität zu erreichen, werden Zusatzmittel zugesetzt. 

Unterschieden werden Anstrichmittel danach, ob sie wasserlöslich, wasserverdünnbar oder lösemittelhaltig sind. Auch das verwendete Bindemittel spielt eine Rolle, da es ganz wesentlich die Eigenschaften der fertigen, abgebundenen Beschichtung bestimmt. Weiterhin werden Anstrichmittel häufig nach dem Aussehen, dem Zweck oder ihren Eigenschaften benannt. So gibt es beispielsweise Klarlack und Goldbronze, die sich auf das Aussehen beziehen, und Fensterlack oder Wandfarbe, die auf den Verwendungszweck hinweisen. Dickschichtlasur wiederum hat den Namen seiner Eigenschaft zu verdanken. 

Welche Farbe für welchen Untergrund?

Leimfarbe

Leimfarbe besteht aus den natürlichen Rohstoffen Leim, Kreide und Wasser. Pflanzlicher Stärkeleim oder Zelluloseleim ist das Bindemittel. Da diese Bindemittel immer wasserlöslich bleiben, kann man die Farbe nicht in Kellern, Küchen oder Bädern verwenden. Die Farbe wird als Pulver gekauft und mit Wasser angerührt. Da der Anstrich nur wischfest ist, wird er vorwiegend für Decken, aber auch an Wände und auf Raufasertapeten verwendet. Nichtsaugende und nichtsandende mineralische Untergründe (Innenputz) sind geeignet für den Anstrich mit Leimfarbe, der in zwei Arbeitsgängen, als Grundierung und mit einer Schlussbeschichtung aufgetragen wird. Leimfarbe ist eine gesundheitlich unbedenkliche Farbe, die preiswert und gut deckend ist. Überstreichen läßt sie sich allerdings nicht. Bevor ein neuer Anstrich erfolgt, muss die alte Farbe restlos abgewaschen werden. Dazu reicht einfaches Wasser. 

Kalkfarbe

Kalkfarbe setzt sich aus gelöschtem Kalk und Wasser ohne weitere Zusatzstoffe zusammen. Aus ökologischen und baubiologischen Aspekten ist die Farbe daher sehr empfehlenswert. Bei diesem wasserverdünnbaren Anstrich wirkt der Kalk gleichzeitig als Bindemittel und Pigment. Zum Abtönen sind nur kalkechte Buntpigmente geeignet. Starke Farbtöne sind bei Kalkfarben nicht sofort möglich, weil Kalkfarben Pigmente nur bis maximal 5 % binden. Es sind daher mehrere Anstriche notwendig. Der Anstrich ist feuchtigkeitsunempfindlich und wirkt desinfizierend und fungizid. Für Decken und Wänden in Küchen und Bädern, Kellern und Lagerräumen kann die Kalkfarbe deshalb ohne Probleme verwendet werden. Im Außenbereich wird die Farbe wegen des sauren Regens heute nicht mehr verwendet. Aufgebracht wird der Anstrich auf Kalk-, Kalkzement- und Zementputzen, auf Schalungsbeton, gebrannten und ungebrannten Mauersteinen, Wänden und Decken. Nicht geeignet sind Kalkfarben für Sichtbeton und ebenso nicht für alle Holz- und Metalluntergründe. Beim Verarbeiten von Kalkfarbe sollten Schutzbrille und Arbeitshandschuhe getragen werden, da Kalk und Zement starke, ätzende Laugen bilden.

Zementfarbe

Zementfarben bestehen aus Weißzement und hochhydraulischem Kalk. Hochhydraulisch bedeutet, daß das Bindemittel ohne Luftzufuhr erhärtet. Man kann Zementfarbanstriche daher für Unterwasserflächen oder ständig erdfeuchte Untergründe wie beispielsweise Schwimmbecken aus Beton verwenden. Die wetterbeständigen, wasserdampfdurchlässigen Zementfarben eignen sich für die gleichen Untergründe wie die Kalkfarbe. Für Holz und Metall sind die Farben allerdings generell nicht geeignet. Zudem sind sie gegenüber Kalkfarbe etwas spröder und können daher leichter reißen. Da Zementfarben sich wie Kalkfarben nur geringfügig abtönen lassen, benötigt man im allgemeinen zwei Anstriche.

Dispersionsfarbe

Dispersionsfarben sind die heute am häufigsten verwendeten Farben. Ihre Bindemittel sind nicht wasserlöslich, sondern als relativ große feste Teilchen im Wasser fein verteilt (dispergiert). Die Farbe selbst dagegen ist wasserverdünnbar. Bindemittel sind Natur- und Kunstharze. Als Kunstharze werden Polyvinylacetat (PVAC), Polyvinylpropionat (PVP), Styrol-Butadien (Latexfarben) und Acrylate verwendet. Bindemittel aus Naturharzen sind beispielsweise Bienen- und Baumwachse, Pflanzengummis und Pflanzenleime. Die Qualität von Dispersionsfarben wird durch Gütebegriffe wie wisch-, wasch-, scheuer- oder wetterbeständig ausgedrückt. Mit steigendem Bindemittelanteil wird Dispersionsfarbe hochwertiger und beständiger.

Wischfeste Dispersion ist für Räume geeignet, an die keine hohen Ansprüche gestellt werden. In Kellerräumen oder Garagen ist die preiswerte wischfeste Farbe sicherlich die beste Wahl. Da die Farbe nicht sehr gut deckt, sind meist zwei Anstriche erforderlich. Die Farbe läßt sich durch Abwaschen leicht wieder entfernen. In Wohnräumen ist die waschfeste Dispersion daher eher geeignet. Sie ist hochdeckend, reflexionsfrei und gut mit Pinsel, Rolle oder Spritzpistole zu verarbeiten. Auf Rauhfaser oder Strukturtapeten reicht wegen der hohen Deckkraft meist ein Anstrich. Dispersionsfarben lassen sich immer wieder überstreichen. Daher sind sie gut für stark strapazierte Räume wie Flure oder Küchen. Geliefert werden Dispersionsfarben in der Regel nur weiß pigmentiert. Zum Abtönen gibt es die Volltonfarbe.

Volltonfarbe

Vollton- oder Abtönfarbe dient hauptsächlich der Farbgebung von weißer wasserverdünnbarer Farbe. Dies ist meist Dispersionsfarbe, wobei die Volltonfarbe in diesem Fall auch eine Dispersionsfarbe ist. Die Farbe kann aber auch direkt verarbeitet werden. Volltonfarben sind witterungs- und scheuerbeständig. Sie können daher innen wie außen eingesetzt werden. Trotz des hohen Pigmentanteils haben Volltonfarben keine umweltbelastenden Inhaltsstoffe.

Latexfarbe

Eine spezielle Dispersionsfarbe ist die Latexfarbe. Dabei handelt es sich um Dispersionen besonders feiner Teilchen. Latexfarbe ist wasserdampfdurchlässig, sehr strapazierfähig, scheuerbeständig und unempfindlich gegenüber üblichen Reinigungsmitteln. Latexfarbe ist durch ihre Wetterbeständigkeit nicht nur für den Innenbereich, sondern auch für den Außenbereich geeignet. Darüber hinaus vergilbt die Farbe nicht und bleibt elastisch. Da sie robust und widerstandsfähig ist, bietet sich Latexfarbe in Räumen an, die stark beansprucht werden wie beispielsweise Treppenhäuser, Kinderzimmer oder Küchen und Bäder. Im Handel wird Latexfarbe in matter, seidenglänzender oder hochglänzender Form angeboten.

Reinsilikatfarbe

Reinsilikatfarbe wird auch Wasserglasfarbe oder, nach dem Erfinder A.W. Keim, Keimfarbe genannt. Wasserglas bzw. Kaliwasserglas ist eine dickflüssige, ölige, farblose Flüssigkeit, die eine wässrige kolloidale Lösung von Kieselsäure darstellt. Man gewinnt Kaliwasserglas durch Zusammenschmelzen von Quarzsand , Kalciumcarbonat und Kohle (alles fein pulverisiert). Wasserglas dient als Bindemittel bei Reinsilikatfarben. Verdünnt wird die Farbe mit Fixativ. Das farblose Fixativ kann für Grundierungen stark saugender Untergründe ausnahmsweise mit Wasser verdünnt werden. Zum Vorstreichen nimmt man eine Verdünnung der fertigen Farbe mit Fixativ. 

Gegenüber Dispersionsfarben hat die Farbe gesundheitliche und technische Vorteile, da keine Kunststoffe, Lösemittel oder Konservierer zugesetzt werden. Für den einfachen Heimwerker ist sie aber schwer zu verarbeiten, weshalb sie in Baumärkten praktisch nicht anzutreffen ist. Reinsilikatfarben sind stark ätzend und greifen die Haut an, weshalb Handschuhe getragen werden müssen. Zudem können Glas- und Keramikflächen durch Silikatspritzer nicht entfernbare Flecken bekommen. 

Reinsilikatfarbe ist vor allem für Anstriche auf Mauerwerk geeignet. Sie ist sehr hart, völlig wasserfest und hält einwandfrei und dauerhaft auf Kalkmörtel und zementhaltigem Mörtel. Mit diesem Untergrund geht Wasserglas eine feste Verbindung ein. Gips kann mit Wasserglasfarbe nicht überstrichen werden, da Wasserglasanstriche in kürzester Zeit abplatzen. Dies liegt daran, daß Gips und Wasserglas miteinander reagieren. Dabei wird die Spannung zu groß und die Farbe platzt ab. An der Unterseite der abgeplatzten Reinsilikatfarbe haftet dann eine weiße Schicht Kalziumsilikat. Auch auf Dispersionsfarben haftet Silikatfarbe nicht.

Dispersionssilikatfarbe

Zur besseren Verarbeitung wird, im Gegensatz zur Reinsilikatfarbe, bei Dispersionssilikatfarbe neben Wasserglas noch Kunstharzdispersion als Bindemittel eingesetzt. Wie die Reinsilikatfarbe wird die Dispersionssilikatfarbe mit Fixativ verdünnt und ebenso verarbeitet. Anstriche mit Dispersionssilikatfarbe bilden keine Filme, sondern verbinden sich mit dem Untergrund. Sie sind gegen sauren Regen und Industrieabgase weniger empfindlich als Kalk- oder Zementfarben. Neben der Fassade wird Dispersionssilikatfarbe vor allem für Innenputze verwendet. Wer die Farbe nach baubiologischen Gesichtspunkten auswählt, sollte eine Reinsilikatfarbe wählen. In Dispersionssilikatfarben können Lösemittel oder Konservierer im erhöhten Maß enthalten sein. Auf gipshaltigen Bauteilen wie Gipskartonplatten oder Gipsputz hält die Farbe ebenfalls nicht. Verwendet werden kann die Farbe bei Kalkputzen, Leichtbeton, Ziegel, Kalksandstein, Naturstein und Rauhfasertapete. 

Lacke als hochwertige Beschichtung von matt bis hochglänzend

Der Begriff "Lacke" ist ein Sammelbegriff für Anstrichstoffe, die Beschichtungen mit bestimmten Eigenschaften ergeben. Es bilden sich nach dem Trocknen qualitativ und optisch ganz besonders hochwertige Oberflächenfilme. Auch gegenüber vielen Chemikalien sind Lacke beständig. Der Übergang zu den Farben ist fließend, doch in der Regel haben Lacke einen höheren Bindemittelgehalt. Lacke werden zur Beschichtung von Oberflächen aus Holz, Metall, Kunststoff oder mineralischem Material verwendet. Es werden Natur- und Kunstharzlacke unterschieden. 

Wasserlack

Bei Wasserlacken ist das hauptsächliche Löse- und Verdünnungsmittel Wasser. Darüber hinaus werden noch zu etwa zehn Prozent organische Löse- und Verdünnungsmittel zugefügt. Bindemittel von Wasserlacken sind Kunstharze wie beispielsweise Polyurethan-, Polyester-, Alkyd- und Acrylatharze. Wasserlacke werden grundsätzlich wie andere Lacke auch verarbeitet. Die Geräte und Anlagen müssen jedoch korrosionsbeständig sein. Zudem dauert wegen des Wassers die Ablüft- und Trocknungszeit länger. Zwar sind Wasserlacke mit Wasser verdünnbar, doch in die Kanalisation dürfen sie dennoch nicht gelangen. Wegen der Lösemittel und der Konservierungsstoffe müssen Farbreste als Sondermüll entsorgt werden. Die Lackfilme von Wasserlack weisen eine hohe mechanische und chemische Belastbarkeit auf. In der Regel sind sie lichtecht und lösemittelfest. Darüber hinaus besticht Wasserlack durch gute Haftung, Elastizität und Härte. Es gibt pigmentierte und transparente Wasserlacke. Mit farblosem Wasserlack versiegelt man beispielsweise Parkett und Holzböden. Pigmentierte Wasserlacke sind darüber hinaus witterungsbeständig und können für den Außenbereich verwendet werden. 

Alkydharzlack

Alkydharzlacke sind Lacke, die als charakteristische Filmbildner Alkydharze enthalten. Sie werden zur Oberflächenbehandlung von Holz eingesetzt und bestehen aus Polyesterharzen, Ölen und Fettsäuren, wobei der Anteil der verschiedenen Bestandteile sehr unterschiedlich ist. Der Lösemittelanteil liegt zwischen 10 % und 50 %. Als Lösemittel werden meist Testbenzin oder Spezialverdünnungen verwendet, bei verschiedenen Alkydharzen auch Wasser. Der Lack härtet physikalisch aus, nämlich durch das Verdunsten der Löse- und Verdünnungsmittel. Die Trockenzeit kann je nach Schichtdicke zwischen einer Stunde und zwei Tagen betragen. Dabei muss auch zwischen lufttrocknenden und wärmetrocknenden Lacken unterschieden werden. Für den Außenbereich sollten pigmentierte Lacke verwendet werden, da transparente Lacke gegenüber Witterungseinflüssen sehr anfällig sind. Die Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung hängt stark von der im Lack enthaltenen Fettsäure ab. Bei manchen Alkydharzlacken besteht ab 60° C eine hohe Vergilbungsgefahr. Verwendet werden die Lacke für Fußböden, Parkett, Treppen, Fenster und Fassadenbekleidungen aus Holz. Auch Innen- und Außentüren sowie Möbel für Garten, Bad und Küche behandelt man mit Alkydharzlacken. 

Acryllack

Auf Basis von Acrylharzen werden Acryllacke hergestellt. Acrylharze zeichnen sich durch besondere Witterungsbeständigkeit aus. Sie werden entweder in Lösemitteln gelöst oder in Wasser dispergiert. Die enthaltenen Lösemittel dienen als Emulgatoren und Filmbildehilfsmittel. Enthalten Acryllacke viel Wasser und wenig Lösemittel, können sie das Umweltzeichen "Blauer Engel" erhalten. Dafür dürfen sie jedoch nur eine geringe Menge Konservierungsstoffe und keine bleihaltigen Hilfsstoffe enthalten. Acryllacke werden bevorzugt zur Lackierung von Heizkörpern genutzt, da sie keine so starke Geruchsbelästigung wie z.B. Alkydharzlacke hervorrufen. Bei der Verarbeitung ist auf eine gute Durchlüftung zu achten, da große Mengen an Lösemitteln freigesetzt werden. Wird die Heizung mit Acryllack gestrichen, sind in den ersten Heizstunden hohe Ausdunstungen zu erwarten, auch wenn der Anstrich schon Wochen oder gar Monate zurückliegt. Daher sollte direkt nach dem Anstrich geheizt und gleichzeitig gut gelüftet werden. Beim Kauf von Acrylacken sollte auf den "Blauen Engel" geachtet werden und auf einen niedrigen Lösemittelgehalt bzw. einen hohen Wassergehalt. 

Nitrozelluloselack

Diese Lacke bestehen aus Nitrozellulose, synthetischen Harzen, Weichmachern, Mattierungs-, Schleif- und Lichtschutzmitteln sowie aus Pigmenten bzw. Farbstoffen, Verdünnungs- und Lösemitteln. Man bezeichnet Nitrozelluloselacke auch als Nitro-, NC- oder CN-Lacke. Sie haben einen hohen Lösemittelanteil von bis zu 70 %, weshalb die Entsorgung sehr problematisch ist. In Abwässer dürfen Nitrozelluloselacke nicht gelangen. Auch für den Verarbeiter ist die Lösemittelbelastung ein Problem. Verwendet werden die Lacke für Holz oder Metall. Wegen der guten mechanischen Beanspruchbarkeit werden sie jedoch vorzugsweise zum Veredeln von Holzoberflächen (Möbel und Innenausbau) eingesetzt. Die Lacke lassen sich leicht verarbeiten und trocknen schnell durch den hohen Lösemittelanteil, sind jedoch schlecht überstreichbar, denn das gleiche Lösemittel löst den Lack wieder auf. Auch für bewitterte Flächen können NC-Lacke nicht verwendet werden. Der trockene Lackfilm erweist als sich nicht völlig lichtecht und nur wenig beständig gegen Chemikalien, Wasser und Wärme. 

Polyurethanlack

Polyurethanlacke zählen zu den Reaktionslacken, das heißt sie erhärten durch chemische Reaktionen. Weitere Bezeichnungen für Polyurethanlacke sind PUR-Lacke oder DD-Lacke. Es gibt Ein- und Zweikomponentenlacke. Beim Einkomponentenlack ist der Härter bereits mit dem Stammlack vermischt. Die Aushärtung erfolgt durch die Einwirkungen der Luftfeuchtigkeit oder durch Erwärmung auf 150 °C und mehr. Beim Zweikomponentenlack sind Härter und Stammlack getrennt, wobei das Mischungsverhältnis sehr unterschiedlich sein kann. PUR-Lacke sind besonders hart, abriebfest und beständig gegen Wasser, Öle und Chemikalien. Sie werden daher dort verwendet, wo diese Eigenschaften gefordert sind wie beispielsweise für Parkett, Treppenstufen oder Tische. Nicht nur Holz, auch Beton, Kunststoffe und Metalle lassen sich mit Polyurethanlack beschichten. Nach der Anhärtung kann das Werkstoff weiterbearbeitet (z.B. geschliffen) werden. Die Durchhärtung erfolgt dann während dieser Weiterbearbeitung. PUR-Lacke eignen sich zum Grundieren und Lackieren. Verschiedene PUR-Lacke werden als Sperr- und Isoliergrund verwendet. Auf öligen Hölzern und auf geölten Flächen verursachen die Lacke eine Grauschleierbildung bzw. Lacktrübung. Auf Teakholz kann PUR-Lack deshalb nicht verwendet werden. 

Polyesterlack

Meist um Zweikomponentensysteme handelt es sich bei Polyesterlacken oder auch UP-Lacken. Der Stammlack besteht aus einem in Styrol gelösten ungesättigten Polyesterharz. Als Härter dienen organische Peroxidverbindungen. Styrol wirkt narkotisierend und ist giftig. Peroxide wirken stark ätzend auf die Haut und Schleimhäute. Man sollte bei der Verarbeitung daher auf alle Fälle Schutzbrille, Atemschutzgerät und Arbeitshandschuhe tragen. Beide Komponenten des Lacks werden kurz vor der Verarbeitung gemischt. Nach dem Mischen muss der Lack schnell verarbeitet werden, bevor er aushärtet. Die Raumtemperatur muss dabei zwischen 20°C und 24°C betragen. Lack- und Holzoberflächen sollten außerdem die gleiche Temperatur haben. Die Anstriche sind sehr widerstandsfähig und beständig gegen Wasser, Chemikalien, Laugen und verdünnte Säuren. Zudem lassen sich Polyesterlacke in sehr hohen Schichtdicken auftragen. Verwendet werden sie vor allem für sehr strapazierfähige Möbellackierungen. 

Epoxidharzlack

Epoxidharzlacke bestehen aus den beiden Komponenten Epoxidharz und Härter. Erst kurz vor der Verarbeitung werden die beiden Komponenten gemischt. Um die Eigenschaften zu modifizieren, gibt man Füllstoffe, Weichmacher oder Glasfasern hinzu. Alle zweikomponentigen Epoxidharzlacke und -farben sind sehr widerstandsfähig gegen nahezu alle Chemikalien. Zudem sorgen die als Härter verwendeten Polyamide für hohe Elastizität und Wasserbeständigkeit. Man verwendet sie hauptsächlich für Unterwasseranstriche und als Korrosionsschutz auf besonders stark belasteten Untergründen aus Stahl oder Beton. Wasserverdünnbare Epoxidharzlacke und -farben verwendet man besonders oft für mechanisch sehr stark belastete Betonböden. 

Schellack

Ein Lack, der aus Naturharzen gewonnen wird, ist Schellack. Schellack ist quasi die Mutter aller Lacke. Erst sehr viel später kamen künstliche Lacke hinzu. Sogar für die Namengebung war Schellack verantwortlich. Die Lackschildlaus, aus deren Ausscheidungen das Produkt gewonnen wird, ist der Namensgeber. Bei der Herstellung des Lacks ist Schellack das Bindemittel. Durch Beigabe von Harzen, Wachsen und Alkohol als Lösemittel entsteht ein goldgelber Lack, der hellen Hölzern eine einzigartige Farbe verleiht. Schellack besitzt einen unnachahmbaren Charme. Jedoch ist er außergewöhnlich empfindlich. Überdies ist eine Schellackpolitur sehr zeit - und damit kostenaufwendig. Sie wird daher nur noch gelegentlich zum Restaurieren von antiken Möbeln verwendet. 

Lasuren, wenn die Strukturen des Untergrunds sichtbar sein sollen

Lasuren sind Buntlacke und andere Farben mit besonders fein verteilter, geringer Pigmentierung oder mit färbenden, aber nicht deckenden Pigmenten. Lasierende Anstriche gibt es bei allen Untergründen, wobei Holz neben Beton das Hauptanwendungsgebiet ist. Holz wird mit Lasuren vor Witterungseinflüssen, vor UV-Licht, teilweise auch vor Pilzen und Insekten geschützt. Außerdem kann mit Lasuren die Holzoberfläche farblich auf ein einheitliches Bild gebracht werden. Wer das nicht möchte, kann die Oberfläche auch mit einer farblosen Holzschutzlasur behandeln. Man unterscheidet Dickschicht- und Dünnschichtlasuren. 

Lasuren für Beton können farblos oder farbig in mehreren Schichten aufgebracht werden. Damit ist es möglich, Korrekturen an Farbschwankungen des Betons auszugleichen, ohne die optische Wirkung der Oberflächenstruktur zu beeinträchtigen. Je nach Grundstoffen ergeben sich matte oder glänzende Oberflächen. Fugen und oberflächig geschlossene Ankerlöcher werden dabei aber unter Umständen besonders hervorgehoben. 

Dickschichtlasur

Die Dickschichtlasur ist ein offenporiger, durchsichtiger oder durchscheinender Anstrichstoff mit relativ hohem Bindemittelgehalt (über 30 Prozent Festkörperanteil) und lackähnlichen Eigenschaften. Sie bilden einen sichtbaren und fühlbaren Film auf dem Holz und geben der Oberfläche Glanz und Glätte. Die Aufnahme von Feuchtigkeit wird über einen längeren Zeitraum reduziert und somit das Quellen und Schwinden des Holzes stark eingeschränkt. Die Dickschichtlasur ist daher besonders für maßhaltige Bauteile wie Fenster und Türen geeignet. 

Dünnschichtlasur

Ebenfalls ein offenporiger, durchsichtiger oder durchscheinender Anstrichstoff ist die Dünnschichtlasur. Allerdings ist der Bindemittelgehalt geringer als bei Dickschichtlasuren. Dünnschichtlasuren lassen sich daher leichter verarbeiten. Sie dringen sehr tief ein und neigen deshalb nicht zum Abblättern. Allerdings verhindern Dünnschichtlasuren nicht, daß das Holz Feuchtigkeit aufnimmt. Sie werden daher vornehmlich für nicht maßhaltige Bauteile wie Verkleidungen, Zäune oder Pergolen eingesetzt. Die Nachbehandlung mit Dünnschichtlasuren erfolgt ohne größeren Aufwand.