Erste Hilfe bei Unfällen mit Sekundenkleber

Lieblingstasse zerbrochen oder Fernbedienung aus Wut über seine wieder mal dilettierende Fußballmannschaft an die Wand geworfen? Die Rettung naht in Form von Sekundenkleber bzw. Superkleber, der technisch gesehen ein Cyanacrylat-Klebstoff ist. Wie der Name schon sagt, klebt dieser in Sekundenschnelle — und zwar nicht nur Tassen oder Fernbedienungen, sondern auch Hände, Mund oder Augen. Mit kurzen Worten — Sekundenkleber ist ein Teufelszeug in jeder Hinsicht. Insbesondere in den Händen von kleinen Kindern kann der Umgang mit solch einem Kleber böse enden und sprichwörtlich ins Auge gehen. In den meisten Fällen ist das Eingreifen eines Chirurgs jedoch nicht notwendig, wenn einige Dinge beachtet werden. Und wer lange genug Zeit hat, kann auch einfach nur abwarten, denn infolge der Einwirkung von Schweiß, Tränen oder Speichel löst sich Sekundenkleber von alleine von der Haut.

Wenn man böse ist, kann man nun sagen, dass man das Kind nur lange genug heulen lassen muss und die Probleme lösen sich von alleine. Doch bei den Augen ist besondere Vorsicht und der Gang zum Augenarzt bzw. einer Augenambulanz dringend angesagt. Niemals sollte man mit Gewalt versuchen, das Auge zu öffnen. Das einzige, was man machen kann ist, das Auge sofort gründlich mit warmem Wasser zu spülen und es mit einer feuchten Kompresse abzudecken. Ist kein Arzt erreichbar, ließe sich das Auge voraussichtlich nach ein bis vier Tage wieder von alleine öffnen. Auf diesen Selbstheilungsprozess sollte jedoch nicht vertraut werden. Ein Arzt kann mit medizinischen Spüllösungen den Ablöseprozess deutlich verkürzen und zudem noch feststellen, ob das Auge durch den Kleber geschädigt wurde. Wimpernverklebungen können durch augen- und schleimhautverträgliche Öle gelöst werden.

Sind die Lippen verklebt worden, mag das bei manchem Schreihals erleichternd aufgenommen werden. Doch helfen sollte man auch ihm, wenngleich eine Behandlung durch den Arzt meist überflüssig ist. Sollten also die Lippen versehentlich mit Sekundenkleber in Kontakt gekommen sein, so ist von außen mit viel warmem Wasser zu spülen. Zusätzlich sollte von der Innenseite des Mundes mit viel Speichel zusätzlich für eine maximale Anfeuchtung gesorgt werden. Durch eine Bewegung von Lippen und Mund kann die Verklebung in der Regel gelöst werden, mit Gewalt erreicht man hingegen gar nichts außer einer Verletzung der Lippen. Angst, dass man den Kleber verschluckt, braucht man keine zu haben, da er sich im Mund sofort verfestigt. Und nach ein, zwei Tagen ist auch dies vergessen, denn dann hat der Speichel den Superkleber gelöst. Bei größeren Kleberresten ist höchstens darauf zu achten, dass diese nicht verschluckt werden.

Am häufigsten dürfte es wohl passieren, dass Finger oder andere Hautflächen miteinander verklebt werden. Da heißt es, nicht in Panik zu geraten und die betroffenen Hautpartien mit Gewalt auseinander reißen zu wollen. Dies könnte die Haut verletzen. Besser ist es, die verklebte Stelle großflächig mit einem Pflanzenöl (Sonnenblumenöl, Rapsöl etc.) einzureiben. Das Öl muss einige Zeit einwirken, dann kann begonnen werden, den Klebstoff - vom Rand beginnend - von der Haut abzulösen. Lösemittel wie Aceton sind bei Haut nicht effektiv und sollten am Körper nicht verwendet werden. Besser ist es da noch, mit Wasser und Seife zu Werke zu gehen, wenn kein Öl greifbar ist. Die verklebte Hautpartie muss lange in warmem Seifenwasser eingeweicht werden. Anschließend kann man versuchen, mit eine Pinzette oder einem Spatel die Verklebungen zu lösen. Dabei muss sehr vorsichtig vorgegangen werden. Wenig bis gar nichts muss hingegen getan werden, wenn Superkleber auf die Kopfhaut oder Haare gelangte. Hier lösen die Zeit bzw. regelmäßiges Haarewaschen das Problem.

Foto: Henkel Pattex