Energetische Sanierung — rechnet sich das überhaupt?

daemmung_im_bau.jpgWer zukünftig Häuser und Wohnungen vermieten möchte, muss sich auf steigende Anforderungen und eine härtere Konkurrenz einstellen. Die Wohnneben­kosten steigen seit Jahren und entsprechend hart kalkulieren Mieter bei der Miete. Seit dem 1. Mai 2014 müssen zudem auch in Immobilienanzeigen Angaben zur Energieeffizienz der Mietsache gemachte werden. Fehlen diese, droht eine Abmahnung. Um im Vergleich gut dazustehen, denken immer mehr Vermieter über energetische Sanierungen nach.

Auch wer sein eignes Haus bewohnt, kommt beim Blick auf die Heizkostenabrechnung ins Grübeln. Möglichkeiten, Energie zu sparen, gibt es viele. Neue Fenster, Dachisolierungen, gedämmte Fassaden, Sonnenkollektoren, neue Heizungsanlage - doch welche Maßnahmen sind auch ökonomisch sinnvoll? Denn wenn man alle Maßnahmen zusammenrechnet, kommt einiges zusammen. Wer sein Haus umfassend energetisch Sanieren will, muss mindestens 40.000 Euro veranschlagen. In der Regel ist der Betrag noch viel höher. Bei Mehrfamilienhäusern kann auch schon einmal ein sechsstelliger Betrag anfallen. Bei diesen ist laut der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) eine vollständige Fassadendämmung sogar zwingend vorgeschrieben, wenn diese den EnEV-Vorgaben nicht entspricht.

Steigender Energiepreis macht Energieeffizienz attraktiver

Soweit man nicht aus purem Idealismus handelt, entscheidet vor allem der Blick ins Portemonnaie über die zu treffenden Maßnahmen. Auch wenn zahlreiche Förderprogramme die Entscheidung erleichtern sollen. Es steht außer Frage, dass man um manche Maßnahmen nicht herum kommt Die Energieeinspar­verordnung setzt enge Grenzen und eine veraltete Therme rechnet sich bei den Öl- und Gaspreisen heute nicht mehr. Bis 2015 müssen ohnehin alle Öl- und Gasheizkessel außer Betrieb genommen werden, die älter als 30 Jahre sind, soweit diese nicht zu einem ein Ein- oder Zweifamilienhaus gehören, das man selbst bewohnt, oder es sich nicht um Niedrigtemperaturkessel oder Brennwertkessel mit einem besonders hohen Wirkungsgrat handelt.

Wärme steigt bekanntlich nach oben. Deswegen kann schon ein gut gedämmtes Dach den Wärmeverlust um bis zu 30% reduzieren. Laut der Bayerischen Bausparkasse muss man hier mit etwa 50 Euro pro Quadratmeter für die Investition kalkulieren. Isolierte Fenster, durch die es nicht zieht, erhöhen zudem das Wohlbefinden. Mit dem richtigen Heizen und weiteren kleinen Maßnahmen kann man den Energieverlust stoppen.

Fassadendämmung ist kaum rentabel

fassadendaemmung_im_bau.jpgBesonders Fassadendämmung steht in der Kritik. Sie kostet etwa 60 Euro pro Quadratmeter und ihr Einsparpotential ist gemessen mit anderen Maßnahmen gering. Rein energetisch gibt es dieses Einsparung zwar, aber wann rechnet sich diese Investition? Modellrechnungen gehen von einem Zeitraum zwischen 40 und 60 Jahren aus, bis sich die Investition amortisiert hat. Das ist eine lange Zeit. Das Problem liegt jedoch an ganz anderer Stelle. Derzeit bekannte und verwandte Dämmmaterialien halten gar nicht so lange und müssen für eine konstante Wirksamkeit regelmäßig erneuert werden. Die Experten-Meinungen für die Haltbarkeit von den häufig verwandten Styropor-Dämmungen gehen weit auseinander. Manche gehen davon aus, dass die Dämmung bereits nach 15 Jahren auszutauschen ist, andere gehen von einer Haltbarkeit von bis zu 40 Jahren aus. Selbst diese hoch angesetzte Haltbarkeit befindet sich an der unteren Grenze der Rentabilitäts­rechnungen. Auch ist Styropor bekanntlich nicht so stabil, wie Stein und Putz. Die Gefahr, die Fassade eher reparieren zu müssen, weil beispielsweise ein Stein gegen die Fassade geschmissen oder ein Fußball zu fest getreten wurde, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch Sturmschäden durch herunterfallende Äste oder umstürzende Bäume sind folgenreicher.

Ein weiterer Aspekt stimmt ebenfalls viele Bauexperten skeptisch. Zwar lässt eine umfassend isolierte Fassade kaum Wärme heraus, sie lässt aber auch kaum Wärme herein. Stein hingegen ist ein guter Wärmespeicher. Wenn sie sich tagsüber in der Sonne aufheizen, geben sie die Wärme nachts auch nach Innen wieder ab - und das dank Sonnenenergie vollkommen kostenlos.

Fassadendämmung lohnt sich nur im Einzelfall

daemmarbeiten_an_fassade.jpgWas aber wie sinnvoll ist, hängt immer vom Einzelfall ab. Ist im Extremfall die Fassade eines Hauses nach Norden ausgerichtet und liegen die restlichen Wände konstant im Schatten, kann man von der Sonnenein­strahlung nicht profitieren. Sind in einer angemes­senen Frist die Einsparungen nicht zu erwirtschaften, sieht die EnEV eine Befreiung von der Pflicht zur energetischen Sanierung vor. Bei der zuständigen Baubehörde kann in diesem Fall ein Antrag auf Befreiung gestellt werden.

Muss eine Fassade ohnehin erneuert werden, kann sich der Aufwand der nachträglichen Dämmung hingen dennoch lohnen, da sich die relativen Kosten für die Dämmung reduzieren.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de