Elektroleitungen und was du über sie wissen solltest

Elektroleitungen

Auch wenn du als normaler Heimwerker nicht unbedingt die Elektroinstallation in deiner Wohnung verlegst – früher oder später wirst du mit Elektroleitungen konfrontiert. Steckdosen oder Schalter müssen ausgetauscht, Lampen angeschlossen werden. Von außen sehen Elektrokabel ("Stromkabel", "Elektroleitungen") alle relativ gleich aus mit ihrer grauen, schwarzen oder weißen Kunststoffhülle. Aber Elektroleitungen haben auch ein Innenleben und dazu noch ein relativ buntes. Entsprechend ihrer Normung und dem vorgesehenen Einsatzbereich sind Elektroleitungen heute hochspezialisiert. Vor jedem Einsatz solltest du genau wissen, welchen Anforderungen die Leitung genügen soll: Einsatzzweck, Aufbau und weitere Daten ergeben sich aus der acht- bzw. neunstelligen Typenbezeichnung. Hier erfährst du, welche Leitung welche Bedeutung hat und wo sie angeschlossen werden sollte. Möchtest du mehr über Elektroinstallationszonen erfahren? In einem anderen Beitrag erklären wir dir, wo Elektroinstallationszonen im Haus liegen.

Bestandteile: Außenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter

Elektroleitungen bestehen innen aus einzelnen Drähten oder Adern, die als Leiter bezeichnet werden. Die Leiter haben unterschiedliche Farben, an denen man erkennen kann, welche Funktion der einzelne Leiter hat und wo er angeschlossen werden muss. Darauf verlassen, dass die Farben wirklich stimmen, sollte man sich allerdings nicht. Besonders in Altbauten müssen die Farben nicht unbedingt so sein, wie es die Norm vorschreibt. Vor Arbeitsbeginn sollte man daher die Leiter mit einem Messgerät prüfen.

Man unterscheidet Außenleiter (auch Phasenleiter oder Phase genannt), Neutralleiter (auch Nullleiter genannt) und Schutzleiter (auch Erdleiter genannt). Die Außenleiter führen den Strom immer aus dem Netz zum Schalter oder zur Steckdose. Sie haben eine braune, schwarze oder graue Ummantelung. Das Kurzzeichen für Außenleiter ist das "L". Wieder vom Verbraucher ins Netz zurück geführt wird der Strom vom Neutralleiter. Er steckt in einem blauen Kunststoffmantel und wird mit "N" abgekürzt. Die Schutzleiter (PE oder PEN) leiten eventuell auftretende Körperströme zur Erde ab. Alle Verbraucher, die das Erdsymbol tragen, müssen unbedingt mit dem Schutzleiter verbunden werden. Damit der Schutzleiter nicht mit anderen Leitern verwechselt wird, muss er auf seiner ganzen Länge grün-gelb gekennzeichnet sein.

Farbe Bezeichnung Kurzzeichen
schwarz oder braun stromführender Leiter (Phase) L
blau Neutralleiter (Nullleiter), im Normallfall keine Spannung N
grün-gelb Schutzleiter PE

Kennzeichnung von Kabel und Leiter

Leitungen werden mit Kurzzeichen gekennzeichnet, entweder noch nach DIN VDE 0250 oder bereits mit harmonisierten Typenkurzzeichen. Was sich hinter den Kabelbezeichnungen verbirgt, kann mit dem Kabelqualität-Generator systematisch und anschaulich nachvollziehen.

Verschiedene Kabelarten und Leiter nach Verwendungszweck

Je nach Verwendungszweck hat eine Elektroleitung unterschiedlich viele Adern. Zudem unterscheidet man Leitungen für die feste Verlegung und flexible Leitungen, die für den Anschluss von Geräten vorgesehen sind. Aber auch bei diesen beiden Leitungstypen unterscheidet man unterschiedliche Bauarten, die von der jeweiligen Belastung abhängig sind. Die folgenden Leitungsarten sind nur ein Auszug dessen, was in der Praxis verwendet wird. Im Freien bekommen Elektroleitungen einen dicken Mantel und heißen dann Elektrokabel. Über die Verlegung von Elektrokabeln im Erdreich haben wir eine Spezialinformation ins Netz gestellt.

Leitungen für feste Verlegung

1) Stegleitung

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Die Kunststoffstegleitung mit eindrähtigen Kupferleitern wird verwendet zur festen Verlegung in oder unter Putz in trockenen Räumen. Die Leitung ist im Badbereich nicht zulässig. Nicht zulässig ist sie zudem in Holzhäusern bzw. auf brennbaren Materialien oder Hohlräumen. Das Kurzzeichen lautet NYIF.

2) Mantelleitung

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Die Mantelleitung (Kurzzeichen NYM) ist geeignet zur festen Verlegung unter Putz, im Putz oder auf Putz in trockenen, feuchten, nassen oder feuer- und explosionsgefährdeten Räumen. Für kurze Strecken im Schutzrohr ist die Mantelleitung auch im Freien zulässig. Im Erdboden darf sie allerdings nicht verlegt werden.

3) Kunststoffaderleitung

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Kunststoffaderleitungen mit eindrähtigen oder feindrahtigen Kupferleitern eignen sich zur festen Verlegung in Schalt- und Verteilungsanlagen sowie in Leerrohren auf oder unter Putz in trockenen Räumen. Zudem werden sie zur inneren Verdrahtung von beispielsweise Lampen und Motoren verwendet. Die Kurzzeichen für Kunststoffaderleitungen lauten zum Beispiel H07V-U, H07V-R oder H07V-K.

4) Koaxial-Antennenleitung

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Dieses Kabel ist zur Verlegung auf, in oder unter Putz in trockenen und feuchten Räumen sowie im Freien (keine direkte Sonneneinstrahlung) geeignet. Auch in Kabelkanälen und Leerrohren ist die Koaxial-Antennenleitung zulässig. Im Boden darf es dagegen nicht verlegt werden.

5) Telefonleitung

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Telefonleitungen können auf, in oder unter Putz in trockenen und feuchten Räumen sowie im Freien eingesetzt werden. Auch die Verlegung in Kabelkanälen oder Leerrohren ist möglich. Nicht zulässig ist die Verlegung im Boden und auch direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden.

6) Erdkabel

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Erdkabel sind Strom- und Nachrichtenkabel speziell für den Außenbereich, die also für das Auslegen im Boden vorgesehen sind. Ein Erdkabel wird in der Regel nicht in Kabelschutzrohren verlegt, muss aber gegen mechanische Beschädigungen durch geeignete Abdeckungen gesichert und durch ein mitverlegtes Kennband kenntlich gemacht werden. Es gibt Erdkabel in ein- und mehrpoliger Ausführung, wobei einpolige Erdkabel für höhere Spannungen verwendet werden. Der Mantel der Kabel besteht für Spannungen bis 200 kV überwiegend aus schwarzem Kunststoff. Für Spannungen darüber werden auch noch Kabel mit einer Isolation aus ölimprägnierten Papier verwendet. Stromleitungen mit Spannungen unter 100 kV werden heute in Deutschland in neu angelegten Wohn- oder Industriegebieten grundsätzlich als Erdkabel ausgeführt. Auch in vielen älteren Wohngebieten sind die Stromleitungen zur Versorgung der Häuser als Erdkabel ausgeführt. Die über das Dach geführten Freileitungen werden dementsprechend immer seltener. Das Erdkabel wird auch als Energieversorgungskabel bezeichnet.

Leitungen für flexible Verlegung

1) Gummischlauchleitung

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Gummischlauchleitungen gibt es in leichter und mittelschwerer Ausführung. Leitungen in leichter Ausführung sind bestimmt für den Anschluss von Elektrogeräten (z.B.: Staubsauger, Bügeleisen, Küchengeräte, Herde, Toaster, Lötkolben, usw., ...) bei geringen mechanischen Beanspruchungen in Haushalt, Küchen und Büroräumen. Diese Leitungen dürfen auch fest verlegt werden, z.B. in Möbeln, Dekorationsverkleidungen, oder Hohlräumen von Fertigbauteilen. Die Leitungen sind nicht geeignet für die ständige Verwendung im Freien und zum Anschluss gewerblich genutzter Elektrowerkzeuge. Ein Kurzzeichen für die Gummischlauchleitung in leichter Ausführung ist beispielsweise H05RR-F. In mittelschwerer Ausführung (Kurzzeichen H07RN-F) darf die Gummischlauchleitung auch im Freien (z.B. Rasenmäher), in explosionsgefährdeten Betrieben, auf Baustellen und in landwirtschaftlichen Betrieben verwendet werden.

2) Kunststoffschlauchleitung

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Auch die Kunststoffschlauchleitung gibt es in mittlerer und leichter Ausführung. Die leichte Kunststoffschlauchleitung (Kurzzeichen H03VV-F) wird verwendet bei geringen mechanischen Beanspruchungen für Haushaltsgeräte und Büromaschinen. Die mittlere Kunststoffschlauchleitung (H05VV-F) ist geeignet für mittlere mechanische Beanspruchungen bei Haushaltsgeräten wie Waschmaschine oder Kühlschrank. Und weil gerade im häuslichen Bereich oft die „lange Leitung“ fehlt, sagen wir an dieser Stelle, wie man ein Verlängerungskabel selbst herstellen kann.

3) Zwillingsleitung

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Zwillingsleitungen (Kurzzeichen H03VH-H) sind bestimmt für den Anschluss leichter Elektrogeräte (wie Rundfunkgeräte, Tischleuchten, Uhren, usw. ) bei sehr geringen mechanischen Beanspruchungen in Haushalt, Küchen und Büroräumen.Sie sind nicht geeignet für den Anschluss von Koch- und Heizgeräten sowie für die Verwendung im Freien, in gewerblichen Betrieben oder zum Anschluss von Elektrowerkzeugen.

4) Bügeleisenleitung

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Die Bügeleisenleitung (z.B. H03RT-F) eignet sich zur Verwendung in trockenen Räumen. Sie ist gedacht zum Anschluss ortsveränderlicher Stromverbraucher (z.B. Bügeleisen), bei geringen mechanischen Beanspruchungen.

Sicherheitshinweise für Elektroinstallationen

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Das wichtigste bei der Arbeit an elektrischen Anlagen ist jedoch die Beachtung der Sicherheitsvorschriften. Bevor man anfängt irgendwelche Lampen anzuschließen, sollte daher die Spannung abgeschaltet werden. Dazu muss die Sicherung herausgedreht oder ausgeschaltet werden. Natürlich darf in der Zeit der Sohn die Spannung nicht wieder anschalten, weil er die neueste CD hören möchte. Deshalb sollte unbedingt ein Schild mit dem entsprechenden Hinweis am Sicherungskasten angebracht werden. Zusätzlich sollte mit einem 2-poligen Spannungsprüfer oder Universalmeßgerät geprüft werden, ob die Leitung wirklich spannungsfrei ist. Ist es dann doch passiert, wurde also die Elektroleitung angebohrt, fliegt in aller Regel sofort die Sicherung raus. Aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass man ohne Stromschlag davon kommt. Leitungen in Wänden sollten nur senkrecht oder waagerecht verlegt werden. Eine feste Verlegung ist sicherer als eine bewegliche. Weiterhin gelten Leitungen außerhalb des Handbereichs von Personen sind sicherer.