Eine kleine Pinselkunde - arbeiten wie die Profis

Pinselkunde

Nichts ist ärgerlicher beim Anstreichen oder Lackieren, als wenn man falsches Werkzeug zum Anstreichen hat. Kommt dann noch minderwertiges Material hinzu, kann einem der Spaß an der Arbeit sehr schnell vergehen. Wenn nach einiger Zeit mehr Borsten an der Wand als am Pinsel sind, weiß man, daß man lieber einige Euro mehr hätte ausgeben sollen. Wir haben Ihnen die gebräuchlichsten Pinsel sowie ihre Eigenschaften und Einsatzbereiche zusammengestellt. Zusätzlich kommt es, wie gesagt, auch auf die Borsten an. Ob Kunststoff, Misch- oder Naturborsten, alle drei haben ihre Berechtigung und ihren Einsatzbereich. Hier erfährst du, welche Borsten wo eingesetzt werden und welche Eigenschaften sie haben. Auch auf die richtige Pflege der Pinsel kommt es an, gerade bei hochwertigen Produkten. 

Die richtige Wahl: Für jeden Zweck ein Pinsel

Für dein Heimwerkerprojekt bist du auf der Suche nach dem richtigen Pinsel-Set? Wir stellen dir alle Pinselarten und ihre Einsatzbereiche vor. 

Rundpinsel/ Ringpinsel

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Rund- oder Ringpinsel haben einen runden, konisch auslaufenden Stil. Die Qualität des Pinsels hängt von der Art der Borste und der Borstenlänge ab. Eine eingearbeitete Korkscheibe in der Farbkammer und ein Nylon-Fadenvorband sind ein Zeichen hoher Qualität und garantieren ein hohes Farbhaltevermögen. Eine saubere Farbfläche wird durch ein leichtes Drehen des Pinselstils während des Farbauftrags erzielt. Diese Pinselart eignet sich für Mal- und Lackiererarbeiten auf kleineren oder gewölbten Flächen wie beispielsweise Rohre, Fenster oder Ecken. 

Flachpinsel/ Lackierpinsel 

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Einen breiten Stil in Flach- oder Biberschwanzform haben die Flach- beziehungsweise Lackierpinsel. Ein solcher Pinsel ist in breiten Blechen gefasst und wird meist als Lackierpinsel eingesetzt. Es gibt sie in verschiedenen Stärken. Je größer die Stärke, desto höher ist die Qualität. Ein guter Flachpinsel kann zudem die Farbe gut auf-, aber auch wieder abgeben. Er hat einen schmalen Holz- oder Kartonstreifen in der Farbkammer und Zwingen aus Messing oder anderen rostfreien Blechen. Dieser Pinsel eignet sich aufgrund seiner Form besonders für große ebene Flächen wie beispielsweise Türen. 

Flächenstreicher

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Flächenstreicher sind in verschiedenen Breiten von 7 cm bis 14 cm erhältlich. Sie sind besonders gut beim Anstreichen von großen Flächen wie beispielsweise Fassaden, Fußböden oder Wänden geeignet. 


Heizkörperpinsel

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Dieser flache Pinsel hat einen langen, teilweise abgewinkelten Stil mit verstärkter Metallzwinge. Zu den Heizkörperpinseln gehört auch der besonders flache Plattpinsel. Der Heizkörperpinsel wurde ursprünglich, daher auch der Name, dazu verwendet, die Rippen des Heizkörpers zu streichen. Er eignet sich aber auch gut zum Vorstreichen der Ecken und Kanten eines Raumes und zum Streichen von schwer zugänglichen Stellen. 

Plattpinsel

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Durch seine abgewinkelte Form kommt der Plattpinsel in die kleinsten Ecken. Besonders hilfreich ist er an Innenkanten und Fensterfalzen. 

Schrägstrichzieher

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Der Schrägstrichzieher ist für saubere und scharf abgrenzende Striche mit Wand- und Lackfarben gut geeignet.

Malerbürste

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Für Anstriche auf losen Untergründen und für Tiefgrundierungen eignet sich die Malerbürste mit hellem Chinaborstenmantel und gebündelter Borsteneinlage.


Schablonierpinsel

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Für Wandbemalungen mit Schablonen ist dieser Pinsel geeignet. Mit seinen kurzen, kräftigen Borsten ist ein genaues Arbeiten möglich. 

Maurerpinsel

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Zum Anfeuchten bei Verputzarbeiten nimmt man den Maurerpinsel.

Beizpinsel

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Salmiakhaltige Beizen dürfen nicht mit Metall in Berührung kommen. Der Beizpinsel hat daher eine kräftige Kunststofffassung.

Abbeizpinsel

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Der Abbeizpinsel besitzt kräftige Nylonborsten, die in einer Kunststofffassung stecken. Dadurch hält er den stärksten Abbeizern stand.

Fensterpinsel

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Der Fensterpinsel ermöglicht mit seinem Schrägschnitt präzise Linienführung an Fensterrahmen.


Die Borsten – Natur, Kunststoff oder Mischborsten?

Für einen Pinsel eignen sich die unterschiedlichsten Materialien. Früher war man auf Borsten oder Naturhaare angewiesen. Heute stehen verschiedene synthetische Ersatzmaterialien bereit, die es dennoch nicht geschafft haben, den Pinsel aus Naturmaterialien zu verdrängen. Je nach Verwendungszweck eignet sich das eine oder das andere Material besser.

Borsten aus Naturmaterialien

Die Borsten stammen meist vom Haus- beziehungsweise dem Wildschwein. Besser bekannt sind die Borsten unter dem Namen "Chinaborsten". Die Borsten besitzen einen konisch zulaufenden Schaft mit gesplißtem Ende in zwei bis vier Spitzen. Während Spliß beim Menschen eine eher negative Erscheinung ist, erleichtert er beim Pinsel die Farbaufnahme und den Farbverlauf. Naturborsten sind besonders saug- und widerstandsfähig, bei unsachgemäßer Behandlung jedoch auch sehr empfindlich. Wegen ihrer Quellfähigkeit sollte man Naturborsten nicht zur Verarbeitung von wasserverdünnbaren Lacken oder Lasuren verwenden. Gut geeignet sind sie dagegen für lösungsmittelhaltige Lacke und Lasuren.

Borsten aus Kunststoff

Kunststoffborsten werden synthetisch nach dem Vorbild der Natur hergestellt. Je nach Qualität haben sie einen speziell geformten Schaft mit künstlich geschlitzten Spitzen zur besseren Farbaufnahme oder ohne Spitzen (schlechte Qualität). Pinsel aus Kunststoff sind robust und gut zu reinigen. Polyester-, Nylon- und Silverprenborsten sind lösemittelbeständig. Polyesterborsten sind beispielsweise gut zur Verarbeitung von wasserverdünnbaren und auf Wasserbasis hergestellten Lacken, Lasuren und Holzschutzmitteln geeignet. Nylonborsten eignen sich besonders zum Beizen oder für Kleister. Bei der Verarbeitung von Tiefengrund sind dagegen Pinsel mit Silverprenborsten besser geeignet.

Mischborsten

Mischborsten vereinigen die positiven Eigenschaften wie Stabilität der Kunststofffaser mit der Widerstands- und Saugfähigkeit der Naturfaser. Diese Borsten zeichnen sich durch eine sehr gute Farbaufnahme bzw. -abgabe und einen gleichmäßigen Farbverlauf aus. Mischborsten sind leicht zu reinigen und sind optimal für alle wasserverdünnbaren und auf Wasserbasis hergestellten Lacke, Lasuren oder Beizen. 

Pinselpflege leicht gemacht

Damit Sie lange Freude an den Pinseln haben und sie auch beim nächsten Einsatz voll funktionstüchtig sind, sollten einige Dinge bei der Pflege der Pinsel beachtet werden: 

  • Niemals den Pinsel ungereinigt eintrocknen lassen.
  • Ist die Farbe erst mal eingetrocknet, können bei Acrylfarben spezielle Reinigungsmittel nötig werden.
  • Mit reichlich Wasser sehr einfach zu reinigen sind wasserlösliche Farben wie beispielsweise Dispersionsfarben.
  • Terpentin oder Testbenzin ist beim Reinigen von Öl- und Kunstharzlacken notwendig.
  • Bei Nitrolacken ist ein spezieller Nitro-Verdünner notwendig.
  • Denken Sie beim Reinigen auch an die Farbreste am Zwingenrand. Damit sich die Pigmentrückstände lösen, am besten den Pinselkopf gut durchreiben.
  • Vor dem nächsten Einsatz sollten die gereinigten Pinsel gut durchgetrocknet sein.
  • Bei einer kurzen Arbeitspause von 1 bis 2 Stunden, kann der Pinsel luftdicht in einer Plastiktüte aufbewahrt werden.
  • Vor dem Trocknen sollte der durchgespülte Pinsel noch ausgestrichen und in Form gebracht werden.
  • Auch gute Pinsel können anfangs etwas Haare verlieren. Wenn Sie den Pinsel vor dem eigentlichen Anstrich auf einer Testfläche jedoch ausstreichen, dürfte er anschließend keine Haare mehr verlieren.