Eine Heimwerker-Apotheke gehört in jede Werkstatt

    
kreissaege.jpgSchnell ist es im Eifer des Heimwerker-Gefechts passiert: Der Schraubenzieher rutscht ab, die Leiter fällt um, die Flamme des Schweißgeräts verfehlt die Richtung. Egal, welches Missgeschick geschieht - der Schmerz ist da und die Verletzung sollte schnell behandelt werden. Deshalb ist es ratsam, nicht nur die Werkbank und den Werkzeugkoffer vollständig ausgerüstet, sondern auch einen kleinen Medikamentenschrank in Reichweite zu haben. Einen solchen Schrank kann sich der Heimwerker ja auch selbst tischlern! Die Heimwerker-Apotheke gehört schon deshalb direkt über die Werkbank eines jeden Heimwerkers, weil im Umgang mit Kreissägen, Bohrern, Schleifmaschinen oder Beiteln auch schwere Verletzungen passieren können.

An dieser Stelle wollen wir keinen Erste-Hilfe-Kurs durchführen, denn zu diesem Thema gibt es hunderte Websites. Wohl wollen wir aber auf die Behandlung einiger Verletzungen hinweisen, die speziell im Umgang im Heimwerker-Umfeld passieren können. Was aber gehört nun alles in das Erste-Hilfe-Schränkchen?

Desinfektionsmittel bei offenen Wunden und Schürfwunden

Eine Heimwerker-Werkstatt ist kein steriles Versuchslabor. Wenn es also zu einer Verletzung kommt, sollte - bevor Pflaster oder Wundkompressen zum Einsatz kommen - die Wunde desinfiziert werden, am besten mit einem Wunddesinfektionsmittel im Sprayfläschen. Aus etwa 20 cm Abstand auf die Wunde sprayen.

Welches Wundpflaster bei welchen Verletzungen?

Bei kleineren Blessuren sind Wundpflaster die ersten Helfer. Bevor sie über die Verletzung geklebt werden, sollte die Haut allerdings desinfiziert, sauber, trocken und fettfrei sein. Einige Pflaster-Typen:

- Standardpflaster eigen sich für Bagatellverletzungen. Sie zeichnen sich durch ihre besondere
  Klebefähigkeit aus.

- Elastische Pflaster passen sich den Köperrundungen an und eigenen sich für Verletzungen zum Beispiel
  am Knie, Finger oder Ellbogen.

- Sensitivpflaster sind vor allem bei empfindlicher Haut zu empfehlen; die Klebeschicht ist dünner als bei
  den anderen Pflastern, so dass sie nicht sehr stapazierfähig sind. Deshalb: Lieber erst nach Feierabend
  verwenden.

- Wasserabweisende Pflaster eignen sich in feuchter Umgebung.

- Atmungsaktives (!) Sprühpflaster darf nur aufgetragen werden, wenn die Wunde nicht mehr blutet oder
  nässt. Es deckt die Verletzung ab und schützt so vor Schmutz und Feuchtigkeit.

- Heftpflaster sind sehr klebefähig und dienen nur der Befestigung eines Verbandes.

Bei Verbänden auch an die Fingerkuppen denken

Verschiedene Verbände sind für die Heimwerker-Apotheke unerlässlich, vor allem dann, wenn die Wunden großflächiger sind, stark bluten oder ein Gelenk verletzt wurde:

- Sterile Wundkompressen sollten herhalten, wenn die Wundauflage eines Pflasters zu klein und/oder die
  Blutung zu stark ist.

- Elastische Mullbinden sind nicht steril und deshalb ausschließlich als Befestigungsmaterial zu verwenden.

- Verbandpäckchen (Kombination aus einer sterilen Kompresse und einer Mullbinde) sind für die
  Wundversorgung bestens geeignet

- Das Dreiecktuch ist vielseitig verwendbar (z.B. als Druckverband, zum Abbinden oder Ruhigstellen)

- Fingerkuppenverband, denn Heimwerker verletzten sich "gerne" an Daumen und Fingern.

- Augenklappe, denn es kann beim Heimwerken auch was ins Auge gehen

Von Salben, Gels, Kühlkompressen und Kühlspray

- Brandsalbe>

- Wundsalbe oder Wundgel, insbesondere für Schürfwunden

- Kühlkompressen oder Kühlspray gegen Prellungen und Blutergüsse, spezielle Salben für den
  gleichen Zweck

- da Heimwerker auch im Freien arbeiten: antiallergisches Gel z. B. zur Behandlung von Insektenstichen

Und was tun bei Augenverletzungen?

Wenn Öl, Lack oder gar eine Lauge beim Ablaugen von Möbeln ins Auge geraten, muss sofort eine Augenspülung vorgenommen werden. Eine Spülflasche mit steriler Speziallösung und sog. Augenmuschel sollte deshalb mit in die Heimwerker-Apotheke.

Noch besser sind Augen-Notfallstationen mit Wandhalterung, die es in verschiedenen Ausführungen gibt.

Bei Augenverletzungen durch Splitter nicht mit den Fingern oder gar einer Pinzette herumfummeln. Auge abdecken, Augenklappe anlegen. Sofort zum Augenarzt oder in die Klinik.

Medizinische "Werkzeuge"

- Arterienabbinder nach DIN 13165 (unelastisches Gurtband mit Schnalle)

- Verbandschere, damit das Material schnell und sauber zurechtgeschnitten werden kann

- Pinzette, damit z.B. der Splitter rasch wieder aus dem Finger entfernt werden kann

Damit die Medikamente und Materialien im Notfall auch "funktionstüchtig" sind, sollten sie kühl, trocken und dunkel gelagert werden. Außerdem müssen sie einmal im Jahr gecheckt werden. Ist das Verfallsdatum abgelaufen, sollte das entsprechende Medikament rasch durch ein frisches ersetzt werden. Natürlich kann die Heimwerker-Apotheke über diese Basics hinaus beliebig bestückt werden.

Wer hilft Ihnen im Notfall am besten?

Kleben Sie an die Innentür Ihres Erste-Hilfe-Schränkchens die Tel.-Nummern und Adressen von Spezialkliniken in Ihrer Nähe. Der Notarzt und die Feuerwehr sind gehalten, Unfallopfer immer in die nächste Klinik zu fahren. Das ist bei Herzinfarkten und Blinddarmdurchbrüchen richtig, bei speziellen Verletzungen aber nicht.

Viele Tischler hätten noch alle Finger, wenn die abgetrennten Finger in einer Spezialklinik angenäht worden wären. Und nicht jede Klink beschäftigt sich mit plastischer Chirurgie, wenn Sie im Gesicht verletzt worden sind. Bei Augenverletzungen nützt die nächste Klinik nur, wenn dort eine entsprechende Fachstation vorhanden ist!

Und zum Schluß: Bau eines Apothekerschranks.

Wir haben Ihnen aufgeschrieben, was alles in einen Erste-Hilfe-Kasten für Heimwerker gehört. Und natürlich zeigen wir Ihnen auch, wie man einen Apothekerschrank tischlert. Diese Bauanleitung betrifft zwar ein Möbelstück für Ihre Wohnung, aber in einfacherer Form könnte das Schränkchen auch in Ihrer Werkstatt stehen.