Einbrecher kommen „gerne“ durch den Garten

Die Redaktion von baumarkt.de muss sich erneut (und immer wieder) mit Einbruchserien in Wohnhäuser beschäftigen. Jede 4. Minute wird in Deutschland in ein Haus oder eine Wohnung eingebrochen. Die Aufklärungsquote liegt unter 20 %. Banden aus den früheren Ostblockstaaten dringen immer häufiger statt durch die Haustür, die viele Hausbesitzer inzwischen einbruchsicher gemacht haben, über den Garten und die Fenster und Schiebetüren zum Garten ins Haus ein. Leider erleichtern viele Hausbesitzer (und Architekten) den Ganoven das Handwerk. Unsere Checkliste über sichere Haustüren und Fenster ist toll, nützt aber nur vor und nicht nach einem Einbruch. Wo heute das Gefahrenpotential liegt und dass flache Garagendächer den Kriminellen quasi als Absprungbretter dienen, wollen wir hier anhand von Fotos erklären.

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Dieses Objekt ist quasi eine Einladung zum Einbruch. Die hüfthohen Mülltonnen stehen in Reih und Glied vor dem Haus (1). Man braucht sie nur vor die Garage zu schieben und hat dann eine Kletterhilfe. An der Dachterrasse (2) können sich die Ganoven leicht hochziehen. Sollte nachts auf der Straße ein Auto daherkommen oder ein einsamer Spaziergänger, werden die Ganoven von einem Schmiere stehenden Komplizen gewarnt und legen sich flach hinter die Balkonverkleidung (3), bis die möglichen Störer verschwunden sind. Da sie nun schon auf der richtigen Höhe sind, versuchen sie, die Fenster (4) zu öffnen — oder sie hangeln sich von der Dachterrasse in den Garten und dringen in das Haus ein. Sollte keine Alarmanlage installiert sein, fesseln, knebeln und foltern sie im schlimmsten Fall die im Schlaf überraschten Bewohner.

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Dieses ältere Haus dürfte aus den 60-er Jahren stammen. Damals war die Welt, was die Gefahr von Einbrüchen betrifft, noch relativ in Ordnung. Heute verhakt ein Ganove die Hände und bietet damit seinem Kumpan eine Art Steigbügel. Der zieht sich an dem Geländer über der Garage (5) hoch und kann nun bequem durch die Tür zur Dachterrasse einsteigen. Die Haustür mag einbruchsicher sein, die Terrassentür wahrscheinlich nicht.

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„Praktischerweise“ grenzt direkt an die Garage ein Zaun (6). Da kann sich der Einbrecher an der Garagenwand abstützen, wenn er den Zaun bestiegen hat. Der ist auch nur hüfthoch und bildet sowieso kein Hindernis. Auch nicht die Hecke. Hecken als Einbruchschutz sind nur dann geeignet, wenn sie aus schwer durchdringbarer Eibe (Taxus) oder Liguster bestehen und mindestens 180 cm hoch sind. Auf dem rechten Foto ist zwar eine Hecke zu sehen, aber besonders einladend ein kleines Törchen (7). Da steigt der Einbrecher drauf, stützt sich an der Garagenwand ab und ist — schwupps — ohne großen Kraftaufwand erst im Garten und dann im Haus.

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Besonders ideal für Einbrecher sind solche Mauern (8), die stufenförmig gemauert worden sind. Da können die Ganoven ganz bequem wie auf einer Treppe voran marschieren bis in den Garten und dann dem Haus­be­sitzer einen Besuch abstatten. Das schmiedeeiserne Tor mit den „Speerspitzen“ stört die Einbrecher schon mal gar nicht, denn sie gelangen ja über die Mauer auf das Grundstück.

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Garagen sind eigentlich unentbehrlich, denn sie schützen den PKW vor Vandalismus und Diebstahl. Sofern sie direkt an eine Hauswand gebaut worden sind, haben Einbrecher ein leichtes Spiel. Eine normale Flachdachgarage stellt für sie kein ernst zu nehmendes Hindernis dar. Sind sie auf dem Garagendach, dann sind sie auch schnell im Haus durch eines der Fenster (9) an der Giebelwand. Und bei dieser stufenförmigen Bauweise eines zweigeschossigen Bungalows gelangen Kriminelle schnell aufs Garagendach (10) und dann auf die Dachterrasse (11) und von dort in den Garten, wenn sie nicht gleich die Schiebetür (12) aufhebeln.

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Garagendächer müssen kein „Einsteigebahnhof“ für Einbrecherbanden sein. Auf diesem Garagendach (13) finden Ganoven keinen Halt und auch nicht auf der Garage mit dem kleinen Walmdach (14). Aus einer Flachdachgarage kann man auch ein Hindernis für dunkle Gestalten machen, wenn man schräg auf das Dach eine Photovoltaikanlage (15) montieren lässt.

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Terrassenhäuser werden nur noch selten gebaut, weil viel Fläche verbraucht wird, die man auch für Wohnungen (mit oder ohne Balkon/Loggia) nutzen bzw. vermieten könnte. Bei diesem Terrassen­haus fällt auf, dass die Entwässerung der Terrassen musterhaft über Fallrohre vonstatten geht. Aber Fallrohre sind Kletterhilfen (16). Ein Müllcontainer genügt als „erste Stufe“, dann stützt sich der Einbrecher an den Fallrohren ab und zieht sich am Terrassen­geländer hoch. Und so gelangt er in Windeseile bis zur obersten Terrasse und damit in die Wohnung. Und da sich die Bewohner „ganz oben ja sicher fühlen“, lassen sie im Hochsommer die Fenster auf Kipp und die Terrassentür geöffnet — damit kühle Nachtluft die Wohnung durchzieht. Und der Einbrecher hat leichtes Spiel.

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Schließen wir unseren Beitrag, der unsere Userinnen und User bestärken soll, mehr in die Sicherheit rund ums Haus zu investieren, mit diesem Foto. Auf das schräge Garagendach werden Einbrecher kaum klettern und auf das Dach des Carports auch nicht. Das brauchen sie auch nicht, denn das Gartentörchen hinter dem Carport (17) stellt kein echtes Hindernis dar. Da bleibt zu hoffen, dass wenigstens eine Alarmanlage installiert worden ist.

Wer Opfer einer Einbrecherbande wurde, hat nicht nur materiellen Schaden zu beklagen. Wichtige Erinnerungsstücke, an denen die Bewohner besonders gehangen haben, werden oft aus Wut zerschmettert. Kommt es zu körperlichen Attacken, kann das zu schweren Verletzungen führen — und sogar zum Mord. Die psychischen Schäden sind die schlimmsten, denn die Bewohner, die in einem Haus viele glückliche Jahre verlebt haben, gehen nun mit der Angst ins Bett oder verkaufen das geliebte Haus um jeden Preis, weil sie sich ihres Lebens nicht mehr sicher fühlen.

Foto(s): www.fotoatelier-schumacher.de