Ein schattiges Plätzchen: Sonnenschutz auf dem Balkon

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Im Frühling kann man die ersten warmen Sonnen­strahlen kaum erwarten. Auch im Sommer bedeutet ein Frühstück an der frischen Luft puren Genuss. Wenn es aber richtig heiß wird, suchen viele Menschen ein schattiges Plätzchen. Bewohnt man eine Mietwohnung und hat nur einen Balkon als Außenbereich, ist man mitunter schutzlos der Sonne ausgeliefert. Häufig hat man als Mieter nur die Wahl, sich in schattigere Räume zurückzuziehen oder die Rollladen herunter zu lassen und im Dunkeln zu sitzen. Das sind nicht die angenehmsten Aussichten. Denn am Erscheinungsbild der Fassade dürfen Mieter grundsätzlich nichts verändern.

Urteil: Markisen statt Sonnenschirm

Viele Mieter behelfen sich notdürftig mit einem Sonnenschirm. Häufig liegen die Balkone der Etagen untereinander. Hat jeder seinen eigenen Sonnenschirm, sieht das mitunter nicht nur etwas merkwürdig aus, sondern garantiert auch keinen effektiven Sonnenschutz.

Das fand auch das Münchener Amtsgericht im Februar 2014 und gestand einem Mieter das Recht zu, eine Markise zu installieren. (Az. 411 C 4836/13). Der Schutz vor Sonne auf dem Balkon falle unter den berechtigten Wohngebrauch des Mieters, befand die Richterin.

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Der Mieter wollte an seinem Balkon mit Südlage eine Markise installieren, was seine Vermieterin ablehnte, schließlich sei der Balkon überdacht und ein Sonnenschirm müsse genügen. Nach Ansicht des Gerichts reiche dies jedoch nicht aus, um den Balkon gemäß sozial üblichem Verhalten zu gebrauchen. Schließlich spende ein Sonnenschirm in der Regel nur von oben nach unten ausreichend Schatten und ein Schrägstellen des Sonnenschirms sei aus statischen Gründen nicht möglich. Weil die Sonne am Tag aus verschiedenen Richtungen scheint, wäre der Balkon viele Stunden ungeschützt. Markisen hingegen spendeten größtmöglichen Schatten. Ein oder zwei Sonnenschirme in verschiedenen Farben, die jeder Mieter aufstelle, würden das Erscheinungsbild des Gebäudes weniger negativ beeinflussen, so das Gericht.

Nun sollte man das Urteil nicht als Freifahrschein für den Einbau seiner Traummarkise verstehen. Es hat dem Vermieter lediglich erschwert, ein solches Vorhaben abzulehnen. Denn wenn man als Mieter eine Markise installieren möchte, muss dies in Abstimmung mit dem Vermieter geschehen. Das betrifft die Gestaltung der Markise, als auch die Zusicherung, die Markise fachgerecht anzubringen und beim Auszug den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Es gibt verschiedene Arten von Markisen. Da hat man nicht die freie Auswahl. Denn der einheitliche Gesamteindruck der Fassade muss auch weiterhin gegeben sein.

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Alternativen zur Markise

Natürlich sind die Möglichkeiten, seinen Balkon zu beschatten, mit einem Sonnenschirm oder einer Markise längst nicht ausgeschöpft. Zudem treffen Markisen nicht jedermanns Geschmack. Bei uns finden Sie einfache Anleitungen für Sonnenschutz auf dem Balkon zum Selber bauen. Ein Rankgerüst für den Balkon oder ein Sichtschutz mit einer Blumentreppe spendet ebenfalls Schatten. Auch Sonnensegel lassen sich leicht installieren.

Man sollte jedoch daran denken, sämtliche bauli­chen Veränderungen und Konstruktionen, die das Erschei­nungs­bild des Hauses beeinflussen, mit dem Vermieter abzustimmen. Ist man Mieter oder Inhaber einer Eigentumswohnung muss zusätzlich die Zustimmung der Hausgemeinschaft eingeholt werden.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de