Duft- und Aromastoffe in Innenräumen nicht unüberlegt einsetzen

duftlampe.gif Die Kommission "Innenraumlufthygiene" des Umweltbundesamtes warnt vor einem unüberlegten Einsatz von Riech- und Aromastoffen in Innenräumen. Diese Stoffe werden seit kurzem verstärkt für den direkten Einsatz von Duftstoffen zur Verbesserung der Raumluft und des Wohlbefindens beworben. Der Markt expandiert offenbar rasch. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern werden unterschiedliche Zubereitungen und Produkte angeboten, zum Beispiel Sprays, Duftgele, Duftkerzen, Räucherstäbchen und verschiedene Arten von Extrakten und Flüssigkeiten mit Verdampfern. Die Riech- und Aromastoffe werden in die Innenraumluft abgegeben und rufen bei entsprechender Luftkonzentration einen bestimmten Geruchseindruck hervor, der positive gedankliche Assoziationen bewirken soll. Der subjektiv bewusst wahrnehmbare Sinneseindruck kann von "kaum merklich" bis "sehr stark" reichen. Hinzu kommen noch die baubiologischen Beeinträchtigungen, wozu unter anderem Schimmelgeruch und Modergeruch zählen, aber auch Ausdünstungen von Teppichklebern oder Farben und Lacken zählen.

Duft- sowie Riech- und Aromastoffe werden in erster Linie zu folgenden Zwecken eingesetzt:
  • Für eine positive Bewertung von Objekten: Riech- und Aromastoffe werden unter anderem in Kosmetika, Nahrungsmittelfertigprodukten, Reinigungs- und Pflegemitteln und weiteren Produkten eingesetzt.

  • Für eine Beeinflussung des persönlichen Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit: Hierzu gehören unter anderem individuelle Aromatherapien sowie die Verbreitung von Riech- und Aromastoffen über Lüftungs- und Klimaanlagen in Gebäuden.

  • Für die Maskierung unerwünschter Gerüche in Innenräumen: Es ist eine breite Produktpalette zum Überdecken einer mangelhaften Innenraumluftqualität verfügbar, die vom Toilettenstein bis zum Fichtennadelspray reicht.
Als Riech- und Aromastoffe werden sowohl künstliche als auch natürlich vorkommende Substanzen eingesetzt. Letztere können entweder durch Extraktion von Naturprodukten, hauptsächlich Pflanzen, gewonnen oder auch naturidentisch durch chemische Synthese hergestellt werden. Diese Herkunft ist aber prinzipiell nicht ausschlaggebend für die gesundheitliche Bewertung dieser Stoffe. Häufig ist es sogar so, dass eine solche Bewertung der natürlichen Extrakte mit einer größeren Unsicherheit verbunden ist als die der synthetischen Produkte, da letztere in der Regel eine definierte und konstante Zusammensetzung aufweisen.

Natürliche Extrakte können dagegen hinsichtlich ihrer Zusammensetzung als auch der relativen Konzentration einzelner Verbindungen, in Abhängigkeit von Herkunft und Wachstumsbedingung der Ausgangsprodukte, Verarbeitung sowie Transport und Lagerung eine erhebliche Schwankungsbreite aufweisen. Bereits in der Vergangenheit wurden auf der Basis der Ergebnisse toxikologischer Untersuchungen sowohl natürliche Extrakte als auch synthetisch hergestellte, künstliche Verbindungen freiwillig durch den Hersteller für bestimmte Anwendungszwecke beschränkt oder durch den Gesetzgeber über die Kosmetikverordnung reguliert. Beispiele hierfür sind künstliche Moschusverbindungen (unter anderem Moschus-Ambrette) und natürliche Extrakte, wie etwa Eichenmoos- oder Bergamotte-Extrakt.

Grundsätzlich sollte jedem Anwender von Riech- und Aromastoffen bewusst sein, dass er den ohnehin bereits vorhandenen Innenraumluftverunreinigungen, die er oft nur in einem eingeschränkten Maße beeinflussen kann, zusätzliche Verbindungen hinzufügt. Dies läuft den grundsätzlichen Empfehlungen zuwider, die Konzentration vermeidbarer Luftinhaltsstoffe auch in Innenräumen, die oft Gesundheitsrisiken durch Bodenbeläge aufweisen, so gering wie möglich zu halten, um aus Gründen der Vorsorge die Wahrscheinlichkeit einer nachteiligen gesundheitlichen Wirkung zu verringern.

Wir halten es für erforderlich, dass Riech- und Aromastoffe nur in Kenntnis der möglichen unerwünschten Begleiteffekte eingesetzt werden. Folgende Punkte sollten beachtet werden:
  • Von einer Verwendung von Verdampfern (Teelichte oder ähnliches), die mit Essenzen, Duftölen und sonstigen Flüssigkeiten betrieben werden, wird abgeraten, um die Konzentration der in die Innenluft gelangenden Stoffe nicht unnötig zu erhöhen.

  • Sofern trotzdem der Zusatz von Riech- und Aromastoffen zur Raumluft vorgesehen ist, sollte er nur im Einvernehmen mit allen betroffenen Raumnutzern erfolgen, um auch schon eine Belästigung zu vermeiden. Von der Verbreitung von Riech- und Aromastoffen über Lüftungs- und Klimaanlagen auf ganze Gebäude, vor allem wenn sie ohne Kenntnis der Raumnutzer erfolgt, ist abzuraten. Da davon auszugehen ist, dass öffentliche Gebäude, zum Beispiel Kaufhäuser und Kinos, auch von empfindlichen oder bereits sensibilisierten Personen betreten werden, wird dringend empfohlen, im Sinne des Verbraucherschutzes dort Riech- und Aromastoffe nicht zu verwenden.

  • Wenn Personen über Allergien, Befindlichkeitsstörungen und unspezifische gesundheitliche Symptome klagen, sollte auch an Riech- und Aromastoffe als mögliche Ursache gedacht werden. Im Zweifelsfall sollten diese Personen auf den Gebrauch von Riech- und Aromastoffen verzichten.

  • Es muss dringend davon abgeraten werden, Riech- und Aromastoffe einzusetzen, um eine mangelhafte Qualität der Innenraumluft zu überdecken. Hier gilt es vielmehr, den Ursachen dafür nachzugehen und etwaige Quellen zu beseitigen. Nicht abwendbare, kurzfristig wahrnehmbare unangenehme Gerüche sollten durch ausreichende Lüftung vermindert werden.

  • Zubereitungen und Produkte mit Riech- und Aromastoffen sollten nur außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt und genutzt werden. Eine attraktive farbliche und geruchliche Wahrnehmung kann Kinder zu einer oralen Aufnahme (Bonbon-Effekt) verführen - mit der möglichen Gefahr einer Vergiftung.