Dübel aus der Wand per Korkenzieher klappt selten

Im Februar 2014 geisterte ein PR-Beitrag durch das Netz und erschien in vielen Zeitungen, in dem fälschlicherweise das Herausziehen eines Dübels mittels Korkenzieher angepriesen wurde. Dübel, die in der Wand stecken, sind vor allem dann ein Problemfall, wenn der Mieter auszieht und dem Vermieter eine Wand mit Dübellöchern und darin steckenden Dübeln hinterlässt — möglichst noch zwischen den Fugen von Fliesen. Die Dübel müssen also weg, ohne dass die Fliesen abplatzen oder beschädigt werden, ehe die Löcher zugespachtelt oder besser noch mit Injektionsmörtel aufgefüllt werden können.

Das ist einfacher gesagt als getan. Die Methode Korkenzieher kann mal klappen, sie ist jedoch meistens Mist, was diese beiden Fotos augenfällig beweisen. Ist der

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Durchmesser des Korkenzieher-Gewindes zu groß (Foto 1) oder zu klein, geht das Verfahren sowieso in die Hose. Würgt man den Korkenzieher mit Gewalt in den Dübel und zieht und ruckelt und ruckelt und zieht man dann mit der Bizepskraft eines Terminators am Korkenziehergriff, dann — ja dann — kommt einem mit dem Dübel auch ein großer Placken Putz (Foto 2) oder Brocken eines Kalksandsteins entgegen.

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Da ist ein Dübelzieher schon die bessere Lösung. Der ist einem Korkenzieher optisch verwandt und ein speziell angefertigtes Werkzeug mit T-Griff, das — anders als ein Korkenzieher — eine spezielle Zahnstellung hat und für Dübel ab Ø6 mm und bis Ø8 mm geeignet ist. Geliefert werden diese Werkzeuge von „Heinrich Bauwerkzeuge“, aber wer schafft sich schon eigens ein solches Werkzeug an, nur weil er mal zwei oder drei Dübel aus der Wand ziehen will? Und auch ein Dübel­zieher kann nicht verhindern, dass nicht nur der Dübel aus der Wand rutscht, sondern auch der Putz in kleinen oder großen Fladen von der Wand fällt, speziell wenn es sandender Altputz ist.

Mit einem Blech das Abplatzen des Putzes verhindern

An ein Stück Blech, kaum größer als 40 x 40 cm, kommt jeder Heimwerker schnell heran. Der nächste Schlosser hat es in der Abfallkiste. In dieses Blech bohrt man nun je ein Loch für einen 6-er und einen 8-er Dübel. 

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Das Blech presst der Hausherr an die Wand mit dem festsitzenden Dübel und die feinfühlige Ehefrau (oder der große Sohn oder der Nachbar) dreht nun eine passende lange Schraube (Foto 3) mit drei bis vier Umdrehungen in den Dübel. Nun zieht man mit der Hand an der langen Schraube und wenn man Glück hat, kommt einem der Dübel durch das Loch im Blech entgegen. Ist der Dübel hartnäckig, dreht man eine kürzere Schraube ein und zieht diese mit einer Zange (Foto 4) und mit etwas mehr Kraftaufwand samt Dübel aus der Wand, wobei man nie Hauruck, sondern mit kleinen Wackelbewegungen vorgehen sollte. Das Eindrehen von Ringschrauben — auch Hakenschrauben mit Ösen genannt - sollten Sie aus der Erfahrung der baumarkt.de-Redaktion vergessen. Denn einen Schraubendreher durch den Ring zu stecken und diesen dann schräg an die Wand zu drücken, um so mit Hebelwirkung einen festsitzenden Dübel aus der Wand zu holen, führt „gern“ zum Abplatzen von Putz. Selbst wenn einerseits das Blech gegen die Wand gepresst wird und andererseits der Schraubendreher gegen das Blech drückt, kann es zu diesen Schäden kommen.

Spaßige Alternativen in den Heimwerker-Foren

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Das Setzen oder Hausausziehen eines Dübels ist ja nun wirklich nicht zu vergleichen mit dem Aufbau eines Carports oder dem Anbringen eines Waschtischs. Dennoch kreisen um das Thema „Wie ziehe ich einen Dübel aus der Wand?“ zahlreiche Tipps in Heimwerker-Foren. Die Idee mit der Kneifzange ist spaßig. Sofern der Dübel ein wenig aus dem Loch guckt, setzt man die Kneifzange an (Foto 5) und zieht. Dass man dabei den Rand des Dübels abkneift, der große Rest des Dübels aber im Loch stecken bleibt, schmälert verständ­licher­weise die Freude an diesem Verfahren. Jetzt kommt dem Kneifzangen-Spezialisten aber ein User zu Hilfe, der den Einsatz eines Nagelziehers empfiehlt. Dieses Werkzeug, auch Nageleisen genannt, ist bei Zimmerleuten dauernd im Einsatz. Das Endstück, die sog. Klaue, hat einen Schlitz, den man unter einen Nagelkopf schiebt. Das Werkzeug wird gegen einen Balken gedrückt und per Hebelwirkung wird der Nagel dann heraus gezogen. Die Delle im Holzbalken ist nicht weiter schlimm. Setzt man aber den Nagelzieher an eine Schraube an, die man in einen Dübel gedreht hat, kommt einem, auch wenn man vorsichtshalber ein Holzstück unter den Nagelzieher gesetzt hat, die halbe Wand gleich mit entgegen.

Der kleinste HILTI der Welt

HILTI stellt bekanntlich professionelle, motorgetriebene Werkzeuge her. Und hat auch einen Dübelzieher im Angebot, der einmal nicht motorgetrieben ist und als der kleinste HILTI der Welt beschrieben wird. Der Dübelzieher wird in das Bohrloch bzw. den festsitzenden Dübel gesteckt. Dann fahren zwei Haken aus, die sich im Dübel festkrallen. Nun kann der Dübel problemlos und ohne, dass das Bohrloch ausreißt, heraus gezogen werden. Das kleine Werkzeug kostet um die zwölf Euro.

Fotos: www.heinrich-werkzeuge.de (1), www.fotoatelier-schumacher.de (5)