Alles was du über die S-Klasse bei Schnittholz wissen solltest

Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. Blockhaus) wird Holz im Baubereich in geschnittenem Zustand verarbeitet. Im "geschnittenen Zustand" bedeutet, dass Rundholz mit der Säge zu Balken, Kanthölzern, Bohlen, Brettern oder Latten geschnitten wird. Wie das geschieht, haben wir in einem extra Beitrag für Sie zusammengefaßt. Oft muss Holz im Baubereich eine tragende Funktion übernehmen. Man denke nur an den Sparren bei der Dachkonstruktion oder die Ständerbauweise beim Fachwerkhaus. 

Holz ist ein Naturprodukt, weshalb die Tragfähigkeit nicht immer gleich ist. Natürlich kommt es auf die Holzart an. Aber auch andere Kriterien wie Ästigkeit, Risse, Faserneigung, Insektenbefall oder Verfärbung spielen eine große Rolle für die Tragfähigkeit des Schnittholzes. Geregelt wird die Sortierung von Schnittholz in der DIN 4074. Seit Mitte 2003 gibt es eine neue DIN 4074, die auch Laubhölzer mit berücksichtigt und die auch die Sortierkriterien weiter verfeinert hat. Zuvor wurden lediglich Nadelhölzer in die verschiedenen Sortierklassen S 7, S 10, S13 bzw. MS 7, MS 10, MS 13 und MS 17 bei maschineller Sortierung eingeteilt. 

Für Holz, bei dem es nicht auf die Tragfähigkeit ankommt wie etwa bei Profilholz gibt es ebenfalls eine Sortierung, nämlich eine A- und B-Sortierung. Nach welchen Kriterien dabei vorgegangen wird, haben wir hier für Sie zusammengestellt. Ganz schön schwierig, bei so vielen unterschiedlichen Sortierungen den Überblick zu behalten. Zumal es seit einigen Jahren noch das Konstruktionsvollholz gibt. Dies wird wie Schnittholz ebenfalls zum Bauen verwendet. Es besitzt jedoch eine bessere Güte und wird dementsprechend noch strenger und wiederum nach anderen Kriterien sortiert. 

Warum eine Holzsortierung?

Holz wächst in der Natur in großer Vielfalt und unter verschiedenen Bedingungen heran. Die Holzeigenschaften können sich daher von Baum zu Baum erheblich unterscheiden. Sie werden beispielsweise beeinflußt vom Boden, von der Verfügbarkeit von Wasser und Mineralien, vom Klima, von der Dauer der Vegetationsperiode oder vom Abstand der Nachbarbäume. Selbst innerhalb eines Baumstammes streuen die Holzeigenschaften in Stammlängsrichtung und im Stammquerschnitt erheblich. 

Bei der Verarbeitung zu Schnittholz wird die natürlich gewachsene Holzstruktur gestört. Im Bereich von Ästen oder bei drehwüchsigen Stämmen werden beispielsweise die Holzfasern angeschnitten. Dies beeinflußt die Festigkeit des Holzes. Je kleiner die Querschnittsabmessungen des Schnittholzes sind, desto stärker streuen die Festigkeitseigenschaften. Die Streuung kann bei unsortiertem Schnittholz so stark sein, dass die Festigkeit des stärksten Kantholzes oder Brettes das Zehnfache der Festigkeit des schwächsten Stückes beträgt. 

Bei der Verwendung des Holzes für tragende Zwecke wäre das denkbar ungünstig. Alle Teile müssen den auftretenden Belastungen zuverlässig standhalten. Deshalb müssen sich die Bemessungsvorschriften an den schwächsten Hölzern orientieren. Ohne Sortierung wären die Bemessungswerte erheblich niedriger und die höhere Festigkeit der meisten Hölzer könnte nicht genutzt werden. Dies brächte einen erheblichen Nachteil im Vergleich zu anderen Baumaterialien wie Beton oder Stahl. Auch diese Materialien werden übrigens in unterschiedliche Güteklassen unterteilt. 

Sortierklassen bei Nadelholz

Nadelhölzer werden nach elf Sortierkriterien beurteilt. Schnitthölzer dürfen einer der drei Sortierklassen S 7, S 10 oder S 13 zugeordnet werden, wenn die Grenzwerte aller Sortierkriterien eingehalten werden. Die Zahl in der dem Buchstaben "S" bezeichnet die Festigkeitsklasse des Holzes. Je höher die Zahl, desto tragfähiger ist ein Querschnitt. Das heißt aber nicht, dass ein Holz der Sortierklasse S 10 unbedingt schlechter als ein Holz der Sortierklasse S 13 sein muss. Eine Dachlatte der Sortierung S 10 mit einem Querschnitt von 40 mm x 60 mm kann durchaus tragfähiger sein als eine Dachlatte der Sortierung S 13 mit einem Querschnitt von 24 mm x 48 mm. 

Im Normalfall sind nur wenige der elf Kriterien in der Praxis sortierentscheidend. So sind beispielsweise die Grenzwerte für Faserneigung, Jahrringbreite, Schwindrisse und Druckholz so festgelegt worden, dass sie von einheimischem Nadelholz üblicher Qualität in der Regel automatisch eingehalten werden. Andere Sortiermerkmale wie zum Beispiel Baumkante oder Verfärbungen werden durch die optischen Ansprüche an das Holz stärker begrenzt, als von der DIN 4074 gefordert wird. Weiterhin gibt es noch Sonderfälle wie Blitzrisse, Ringschäle, Insektenfraß und sonstige Merkmale wie Mistelbefall, Rindeneinschlüsse, Wipfelbrüche etc. Sortierentscheidende Merkmale sind somit vor allem Ästigkeit und Krümmung, die insbesondere bei druckbeanspruchtem Schnittholz die Festigkeit beeinflussen kann. Markröhren sind bei den Sortierklassen S 7 und S 10 zulässig, bei Sortierklasse S 13 aber nicht. 

Kanthölzer

Als Kantholz im Sinn der Norm gelten alle hochkant auf Biegung beanspruchten Bauteile. Im modernen Holzbau werden als Wandriegel zunehmend schlankere Querschnitte eingesetzt, die nach ihren geometrischen Abmessungen als Bretter oder Bohlen gelten, aber wie Kanthölzer beansprucht werden. Deshalb müssen auch hochkant biegebeanspruchte Bretter und Bohlen wie Kanthölzer sortiert werden. Diese werden zusätzlich mit dem Buchstaben "K" gekennzeichnet, also S 7K, S 10K oder S 13K. 

Ästigkeit und Krümmung von Kanthölzern

Die Einteilung der Kanthölzer bezüglich der Ästigkeit in verschiedene Sortierungen läßt sich anhand der beiden Abbildungen nachvollziehen.

sklasse1.jpgsklasse2.jpg
A = a / bA = a / h

 Sortierklasse S 7Sortierklasse S 10Sortierklasse S 13
ÄstigkeitA = 3/5A = 2/5A = 1/5
Krümmung:   
längsh = 12 mm / 2mh = 8 mm / 2mh = 8 mm / 2m
Verdrehungbis 2 mm / 25 mmbis 1 mm / 25 mmbis 1 mm / 25 mm

sklasse3.gifLängskrümmung
sklasse4.gifVerdrehung von Kanthölzern

Ästigkeit und Krümmung von Brettern und Bohlen

Bei Brettern und Bohlen ist die Astmessung etwas umfangreicher als bei Kanthölzern. Zudem kommt bei der Krümmungsmessung noch die Querkrümmung hinzu, da sich Bretter und B ohlen auch über die schmale Seite verbiegen können. Die Messung erfolgt jedoch wie bei der Längskrümmung.

SeitenastKantenast
sklasse5.jpgsklasse6.jpg
a = (a1 + a2) / 2wenn a2 = d / 3 :   a = a2 / 2

 
Schmalseitenastgrößte Astansammlung
sklasse7.jpgsklasse8.jpg
E = e1 bzw. E = e1 + e2 

 Sortierklasse S 7Sortierklasse S 10Sortierklasse S 13
Ästigkeit   
Größte EinzellastA= a/b = 1/2A= a/b = 1/3A= a/b = 1/5
AstansammlungA= ?a/b = 2/3A= ?a/b = 1/2A= ?a/b = 1/3
Schmalseitenast--E = 2/3 bE = 1/3 b
Krümmung:   
Längskrümmungh = 12 mm / 2 mh = 8 mm / 2 mh = 8 mm / 2 m
Verdrehungbis 2 mm / 25 mmbis 1 mm / 25 mmbis 1 mm / 25 mm
Querkrümmungbis 1/20bis 1/30bis 1/50

Ästigkeit von Latten

Bei der Festigkeitssortierung von Latten werden im Gegensatz zu Kanthölzern, Brettern und Bohlen lediglich die Sortierklassen S 10 und S 13 ausgehalten. Es wird jedoch nach den gleichen elf Kriterien beurteilt, wie bei den anderen Schnitthölzern auch. Das Kriterium Krümmung spielt bei Latten nur eine untergeordnete Rolle. Die wichtigsten Kriterien sind Ästigkeit und Markröhre. In Sortierklasse S 13 ist eine Markröhre grundsätzlich nicht zugelassen. Außer bei Fichte ist in Sortierklasse S 10 ebenfalls keine Markröhre zugelassen. Bisher wurden Latten nach den gleichen Astkriterien wie Bretter und Bohlen sortiert. Diese führten jedoch bei den kleinen Querschnittsabmessungen der Latten zu einem sehr hohen Ausschußanteil. Deshalb wurden in die neue Fassung der DIN 4074 spezielle Sortierkriterien aufgenommen, die anhand von Festigkeitsversuchen an Dachlatten ermittelt wurden.
sklasse9.jpgsklasse10.jpg
A = a/bA = (a1 + a2)/b

Sortierung: maßgebend ist die größte Astigkeit auf der Breitseite 

allgemein     A = 1/2 bei S 10 bzw. A = 1/3 bei S 13
Kiefer             A = 2/5 bei S 10 bzw. A = 1/5 bei S 13 

Sortierung von Laubholz

Die Sortiermerkmale und Sortierkriterien der Laubholzsortierung entsprechen weitestgehend denen für Nadelholz. Allerdings bleiben die Jahrringbreite und das Reaktionsholz bei der Sortierung von Laubholz unberücksichtigt. Somit müssen Laubhölzer nur neun Kriterien erfüllen und nicht elf wie Nadelholz. Auch heißt es nicht mehr S-Klasse, sondern LS-Klasse. Es wird also ein L wie Laubholz voran gestellt. Dementsprechend heißen die Sortierklassen LS 7, LS 10 und LS 13. Werden Bretter und Bohlen hochkant biegebeansprucht, müssen sie auch wie Kanthölzer sortiert werden. Sie bekommen noch ein "K" ans Ende gesetzt (LS 7K, LS 10K, LS 13K).