Die Deutschen mögen keine grünen und blauen Fassaden

farbigefassade01.jpgJahrzehnte beherrschten weiße und dann im Lauf der Jahre angegraute Putzfassaden das Bauwesen, sieht man von den Landschaften ab, in denen traditionsgemäß mit Ziegelsteinen gebaut wird. Dieses Foto zeigt die Ist-Situation in vielen Gegenden Deutschlands, wobei die Fassaden-Substanz speziell in den neuen Bundesländern besonders verwittert ist. Nun werden es die deutschen Bauherren und Hausbesitzer allmählich aber leid und sehnen sich nach farbenfroheren Außenhüllen, wie eine Umfrage des Internetportals "baumarkt.de" im Herbst 2008 ergeben hat.
farbigefassade02.jpg Farbenfroh bedeutet aber nicht "knallig". Die User konnten einen identischen Haustyp mit unterschiedlich farbigen Fassaden bewerten. Kräftiges Blau und leuchtendes Rot wurden von 89 % abgelehnt, Grüntöne sogar von fast 94 %. Hingegen würden 71 % lieber in ein Haus mit rötlicher, 66 % lieber in ein Haus mit gelb-beiger und 53 % lieber in ein Haus mit hellblauer Fassade einziehen, als in ein Haus mit weißer Fassade. An der Umfrage beteiligten sich 1.733 Hausbesitzer und 2.434 Frauen bzw. Männer, die erst noch ein Haus bauen wollen. Wie eine ideale Fassadengestaltung aussehen kann, zeigt dieses Foto von einer Hangbebauung in unserem Nachbarland Luxemburg. Dass vor allem die Schweden ihre Holzhäuser dunkelrot anstreichen, ist Landessitte, wobei dunkelrot auch in Deutschland akzeptiert wird und mit Farbe Holzfassaden gleichzeitig geschützt und verschönt werden.
farbigefassade03.jpgfarbigefassade04.jpgIm Kommen sind auch zweifarbig gestaltete Fassaden - etwa dergestalt, dass ein bestimmter Teil des Baukörpers eine Kontrastfarbe zur ansonsten weißen Fassade erhält. Solche Farbvarianten werden insbesondere von den Fertighausindustrie angeboten, die als Vorreiter der neu entdeckten Farbenfreude angesehen werden muss. Nicht nur der Fassadenputz kann farbig sein, auch vorgehängte Holzfassaden können farblich hervorstechen. Viele Beispiele dafür findet man im Internet-Portal www.fertighaus.de

gruene-fassade-stuck.jpg Und wie sieht es bei historischer Bausubstanz aus, insbesondere bei den sog. Patrizierhäusern, wie sie in den Gründerjahren um 1880 fast massenhaft gebaut worden sind? In Straßenzügen, in denen sich ein solches Haus ehemals wohlhabender Bürger an das andere reiht, hat eine Renovierungswelle eingesetzt. Die Fassaden wurden gereinigt und farbig neu beschichtet, manchmal auch in mutigen, kräftigen Farben, die sich die ursprünglichen Bauherren vor 120 oder 140 Jahren niemals getraut hätten, auf die Fassaden pinseln zu lassen. Steht ein solches Patrizierhaus aber einsam in einer Reihe von Wohnblocks der 50-er, 60-er Jahre, wie sie nach dem 2. Weltkrieg im Schnellverfahren in vielen zerbombten Städten hochgezogen worden sind, halten sich die Besitzer solcher Patrizierhäuser mit der Fassadenrenovierung zurück. Denn was bringt es dem Hausbesitzer, wenn sein Haus schön renoviert ist, die Nachbarhäuser aber regelrecht verlottert aussehen?

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de