Die Baumarkt-Gruppen im Kurzporträt

Die Baumarkt-Branche ist ganz schön in Bewegung geraten, seit die PRAKTIKER-Baumärkte und deren Tochter MAX BAHR insolvent geworden sind. 2015 dürfte ein Großteil dieser Märkte einen neuen Betreiber gefunden haben, meistens die ehemaligen Mitbewerber. Wenn sich auch EDEKA und REWE nicht grün sind, jedenfalls was die Übernahme der Tengelmann-Supermärkte durch EDEKA betrifft, so waren sich die beiden Lebensmittel-Riesen jedoch wohl gesonnen, als 2007 die ehemaligen Marktkauf-Baumärkte von EDEKA zur REWE-Gruppe gingen, der bekanntlich die toom-Baumärkte gehören. Dass OBI ebenso wie KIK der Tengelmann-Gruppe gehören, die sich allerdings (Stand Frühjahr 2015) aus dem Lebensmittel-Filialgeschäft zurückzuziehen scheint, dürfte den Heimwerkern egal sei, soll aber an dieser Stelle zumindest erwähnt werden.

Diese Gruppe bezeichnet sich als Pionier der neuen Handelsform "alles unter einem Dach für den Heimwerker". Der Heimwerker kann sich in Deutschland in 120 Bauhaus-Baumärkten umsehen. Insgesamt betreibt die mit ihrer Holding in der Schweiz ansässige Gruppe in Europa 185 Märkte und setzt in der BRD Schätzungsweise 2 Mrd. € um. Bauhaus hat in 30 seiner Baumärkte die "Bäderwelt" integriert. Ferner verfügen 20 Märkte über Baustoffhallen mit "Drive-in-Arena", wo das Fachhandwerk einkauft. Daraus ergibt sich die Zielsetzung der Gruppe, die den Heimwerker wie den Fachhandwerker gleichermaßen bedienen will. 

Mit 90 Baumärkten quer durch die Republik mischt bauSpezi auch auf den vorderen Rängen mit, wobei die einzelnen Baumärkte von privaten Einzelhändlern betrieben werden, die sich der "NBB Dienstleistungs AG" angeschlossen haben und über diese die Ware ebenso beziehen, wie das 

Marketing- und Werbekonzept. Die NBB ist auch in anderen Handelssegmenten aktiv wie z.B. "AngelSpezi" oder "gartenSpezi". Die einzelnen bauSpezi-Märkte sind als Mittelgroße Baumärkte einzustufen. 

Die BayWa AG ist ein Konzern, der in den Geschäftsfeldern Agrar, Baustoffe und Energie 7,3 Mrd. € umsetzt, davon entfallen auf die Baumärkte ca. 344 Mio €. Aus dem Agrarhandel kommend, ist an der BayWa fast logischerweise Raiffeisen Bayern beteiligt. Die Baywa hat sich jedoch im Laufe der Firmengeschichte zu einem Mischkonzern gewandelt, der Autohäuser ebenso betreibt wie Tankstellen oder Baustoffhandlungen oder Baumärkte. Letztere treten einheitlich als BayWa Bau- und Gartenmärkte auf (Jahresumsatz 418 Mio €) und sind mit 98 Märkten an 60 Standorten zu finden. 

Fünf Baumärkte (Stand 01/10) im Raum Berlin, die sich alle in innerstädtischen Einkaufslagen befinden. Dementsprechend ist die Verkaufsfläche der Baumärkte namens „Der Heimwerker“ weniger groß, als in Baumärkten auf der grünen Wiese. Das bedeutet auch, dass sich das Sortiment verstärkt an Frauen wendet und dass eher Kleinteile für den „täglichen Einsatz“ verkauft werden, als Baustoffe oder Großgeräte. Betrieben werden die Baumärkte von der JRB Handelsvertretungs GmbH. 

Dem einzelnen Heimwerker sagt dieser Name kaum etwas, jedoch sind diesem Einkaufs- und Marketingverbund 265 regionale Baumärkte und Baustoffhandlungen angeschlossen, die ihre Waren über die EMV beziehen und über die EMV auch "regulieren", also die Ware bezahlen. Diese regionalen Baumarktbetreiber haben sehr unterschiedliche Namen, etwa "Landmaxx" oder "Baufuchs". Die jeweilige Marktgröße ist sehr unterschiedlich - von klein bis mittelgroß. Immerhin ist diese Verbundgruppe seit ihrer 1997 erfolgten Gründung auf Platz 7 der Baumarkt-Umsatzrangliste vorgedrungen bei einem Umsatz von 585 Mio € im Jahr. 

Die EXTRA Bau- und Hobbymärkte waren die Franchise-Schiene der Praktiker AG; die Betreiber sind also Privatpersonen, die sich dem EXTRA-Konzept angeschlossen haben. Von der Praktiker-Insolvenz warens ie also nur mittelbar betroffen, so dass es weiterhin einige EXTRA Bau- und Hobbymärkte gibt. 

Die "GLOBUS Fachmärkte GmbH & CO KG" betreiben derzeit 80 Baumärkte (54 GLOBUS Baumärkte sowie 26 hela Profi Zentren) bei einer Mindestgröße pro Baumarkt von 7.000 qm in Deutschland und Luxemburg. Die GLOBUS Fachmärkte GmbH & CO KG gehören zur Globus-Gruppe. Die Gruppe aus St. Wendel im Saarland besteht aus den GLOBUS SB-Warenhäuser , den GLOBUS Fachmärkten sowie den ALPHA-TECC.-Elektrofachmärkten. 5,9 Mrd. € Umsatz erzielte die Globus-Gruppe 2009/2010, der auf die Baumärkte entfallende Anteil beträgt knapp 1,4 Mio €. 

Vereinfacht gesagt, sind die Hagebaumärkte meistens "Töchter" regionaler Baustoff-, Fliesen- oder Holzfachhändler, wobei diese Fachhändler sich ihrerseits dem Einkaufs- und Marketingverbund der "Hagebau Handelsgesellschaft für Baustoff GmbH & Co. KG" angeschlossen haben. Die Hagebau-Kooperation ist neben dem Baustoff-, Fliesen- und Holzhandel auch in weiteren Geschäftsfeldern aktiv (z.B. Werkmarkt). Rund 300 Hagebaumärkte unterschiedlicher Größe und Sortimentsausrichtung gibt es in der BRD. Der von diesen Baumärkten erwirtschaftete Umsatz ist uns unbekannt. 

Seit Januar 2008 gehören auch die hela Profi Zentren zu den GLOBUS Fachmärkten. GLOBUS betreibt heute 80 Baumärkte mit einer jeweiligen Mindestverkaufsfläche von 7.000 m². Der Wechsel vom vorherigen Eigentümer, der Distributa-Gruppe, zur ebenfalls im Saarland ansässigen Globus-Gruppe hatte jedoch keine Namensänderung zur Folge - der Name "hela" soll bestehen bleiben. 

"Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH & Co. KG" lautet die offizielle Firmenbezeichnung. Hinter Hellweg steht kein wie auch immer gearteter Konzern, also auch kein "Lebensmittler". Vielmehr hat sich die in Dortmund mit ihrer Zentrale ansässige Gruppe "reinrassig" auf das Baumarkt-Geschäft konzentriert und betreibt in der BRD 75 Baumärkte. Der Jahresumsatz liegt bei über 600 Mio. €. Hellweg ist auch in Österreich aktiv mit sieben Baumärkten. Hellweg kooperiert mit der BayWa im Bereich des Wareneinkaufs. 

Die "EDEKA Hessenring" betreibt im Großraum Kassel mehrere SB-Warenhäuser und einige Baumärkte, ebenfalls unter dem Namen Herkules. Da die regionalen EDEKA-Großhändler ein ziemliches Eigenleben führen, kann es nicht verwundern, dass die EDEKA-Tochter AVA ihre Marktkauf-Baumärkte zwar an Toom verkauft hat (REWE-Gruppe), die Herkules Baumärkte der Edeka Hessenring aber wohl erhalten bleiben sollen und sich der Hagebau-Gruppe insoweit angeschlossen haben, als sie über diese ihren Wareneinkauf tätigen. 

Über den Hornbach-Baumärkten schwebt die Hornbach-Holding AG, die auch noch im Baustoff- und Gewerbe-Immobilienbereich tätig ist. In der Holding dominiert die Inhaberfamilie Hornbach, wobei 90 % der Holding-Umsätze von der Baumarkt AG erwirtschaftet werden. Hornbach betreibt 124 Filialen, davon 92 in Deutschland und macht damit einen Umsatz von 1,760 Mrd. €. Das Unternehmen versteht sich als ein Megastore-Betreiber im Baumarktbereich, weil die Durchschnittsgröße aller deutschen Märkte bei über 10.000 qm liegt. 

Die Baustoff-Großhandelskooperationen Interpares und Mobau haben schon in den 80-er Jahren zur "i & m" fusioniert, wobei sich das Unternehmen nunmehr "Eurobaustoff" nennt. An 600 Standorten in der BRD sind Baustoffgroß- und Einzelhändler vertreten, die dieser Gruppe angeschlossen sind. Unter der Firmierung "i & m Baucentrum" werden von den regionalen Baustoffhändlern baumarktähnliche Märkte betrieben, die - anders als Baumärkte - einen Schwerpunkt im Bereich der Baustoffe haben. Allerdings widmet sich die Gruppe auch verstärkt den Bauherren und Renovierern, indem sie die Waren in einem exklusiven Rahmen anbietet incl. Muster-Anwendungen. 

1880 gegründet, befindet sich das Unternehmen immer noch in Familienbesitz. Zwar war der erste deutsche Baumarkt ein Knauber-Baumarkt, der 1968 eröffnet wurde, heute aber versteht man sich als "Freizeitmarkt" mit einem von üblichen Baumärkten stark abweichenden Sortiment, wobei das Dekorative stark im Mittelpunkt steht. Auch haben die Knauber-Freizeitmärkte gutl sortierte Bastel-Abteilungen. Sieben Freizeitmärkte gibt es im Großraum Bonn. Zur Knauber Holding gehören neben der Freizeitmärkten auch die Geschäftsfelder Handel mit Heizöl, Tank- und Flaschengas und Pellets. 

Unter dem Namen "Krämer" gibt es nur drei Baumärkte, jedoch haben sich unter dem Dach der Betreibergruppe KEM ("Eisen Krämer") an die sechzig Baumärkte geschart, die unter sehr verschiedenen Namen in ihren regionalen Bezirken operieren. 

Die Familie Liechtenstein betreibt in den neuen Bundesländern sechs Baumärkte. Man legt wert darauf, dass es sich um rein ostdeutsche Märkte handelt. 

Siehe unter "TOOM" 

Siehe unter "Praktiker" 

Das Unternehmen gehört zur Tengelmann-Gruppe (Kaiser's-Märkte, Tengelmann-Märkte, Plus-Discounter, KIK-Textildiskont usw.) Allerdings befinden sich die einzelnen 

OBI-Baumärkte im Besitz von sog. "Franchisenehmern", also privaten Baumarktbetreibern, die sich dem 

OBI-Konzept angeschlossen haben. OBI betreibt in Deutschland 334 Baumärkte, im europäischen Ausland und in den ehemaligen Ostblockländern weitere 171, wobei die "östliche" Expansion stark vorangetrieben wird. Der inländische Umsatz beträgt derzeit etwa 3,6 Mrd. €. Wenn sich OBI auch ein 

Kopf-an-Kopf-Rennen mit PRAKTIKER und TOOM liefert, was die Zahl der deutschen Märkte betrifft, so ist das Unternehmen jedoch nach wie vor Marktführer beim Umsatz. 

Die COOP aus Kiel betreibt neben ihren Lebensmittelmärkten auch 12 Plaza-Baumärkte. 

Der durch seine aggressive Rabatt-Werbung bekannt gewordene Baumarktriese befindet sich im Insolvenzverfahren. Das Unternehmen gehörte früher zur Metro-Gruppe (C & C-Märkte, REAL- und Extra-Warenhäuser, Kaufhof-Warenhäuser, Saturn- und Media-Markt-Fachmärkte). Seit 2005 war Praktiker eigenständig, da ging die Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG an die Börse. Praktiker hatte Anfang 2007 die MAX-BAHR-Baumärkte übernommen, die unter dem alten Namen weitergeführt werden und eine eigene GmbH bilden. Schon Ende der 90-er Jahre hatte sich PRAKTIKER durch den Zukauf der Wirichs-Baumärkte vergrößert; zwischenzeitlich war die Gruppe in der BRD an 343 Standorten und weltweit an 420 Standorten vertreten. Praktiker hat sich inzwischen sukzessive aus dem Ausland zurück gezogen, nun rätselt die Branche und damit auch tausende Mitarbeiter/innen, wie es weitergehen soll. 

Seit drei Jahren litt die Praktiker AG unter Verlusten im dreistelligen Millionenbereich, die letztendlich zur Insolvenz führten. Das ständig ausgewechselte Management zeichnete sich durch Unvermögen aus. Man zog für zweistellige (!) Millionenbeträge Unternehmensberatungen zu Rate als Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Die sollen dazu geraten haben, alle einigermaßen profitablen Standorte in MAX BAHR umzutaufen, da dieser Name bei den Heimwerkern akzeptiert werde und MAX BAHR werden könne. Doch Pustekuchen — auch MAX BAHR hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Im August 2013 begann für 51 PRAKTIKER-Baumärkte der Totalausverkauf, was Schnäppchenjäger munter machte. 

Dann folgte im September 2013 die Ankündigung, dass alle Praktiker-Baumärkte geschlossen werden. Für die Max-Bahr-Schiene wurden Käufer gesucht. Interessenten wurden jedoch nicht gefunden. 

Was von PRAKTIKER bleiben wird, das ist der dämliche Werbespruch „20 % auf alles — außer Tiernahrung.“ Um beim Thema Tiernahrung zu bleiben — auch ohne Rabatt auf eben diese ist PRAKTIKER auf den Hund gekommen. 

Mitte 2015 waren die Standorte (Ladenlokale) mehrerer dutzend ehemaliger Praktiker-Märkte von Unternehmen wie Hornbach, OBI, Bauhaus und anderen übernommen worden. Für viele andere haben sich keine Nachmieter gefunden.

Stabilo ist eine im süddeutschen Raum beheimatete Baumarkt-Kette mit einer über 30 Jahre alten Firmengeschichte. Etwa 20 Filialen von Stabilo gibt es in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. In den letzten Jahren sind weitere Filialen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dazugekommen. Neben den üblichen Baumarkt-Artikeln hat sich das Unternehmen auf Nischenartikel spezialisiert. So kommt der KFZ-Bereich mit Wagenheber oder Hebebühnen ebenso nicht zu kurz wie das Forst-Sortiment mit Brennholzsägen, Kettensägen oder Holzspalter. Darüber hinaus gibt es immer wieder Aktionen und Saisonartikel. Wer als Heimwerker seine Werkstatt ausstatten möchte findet bei Stabilo alles, was das Herz begehrt. Das Angebot an Werkzeugschränken, Werkzeugwägen und Werkbänken samt allem erdenklichen Zubehör ist jedoch auch für den Profi interessant. Auch Devo, ein Online-Fachmarkt für Haus, Hof, Werkstatt und Garten, gehört zum Unternehmen. 

Nach der Übernahme von 133 Marktkauf-Baumärkten ist TOOM auf 370 Baumärkte angeschwollen und damit zur Nr. 3 der Rangliste geworden. TOOM erzielt einen Jahresumsatz von ca. 2 Mrd. Jahresumsatz. Hinter TOOM steht der Kölner Lebensmittelkonzern REWE, der in 16 Ländern 320.000 Mitarbeiter/innen beschäftigt und 50 Mrd. € Umsatz erwirtschaftet. Bei TOOM sind 14.500 Mitarbeiter beschäftigt. Zahlreichen Märkten sind neben der "Heimwerker-Abteilung" moderne Garten- und Pflanzenabteilungen angeschlossen. Hauptstandbein ist allerdings das Sortiment rund um die Themen Bauen, Renovieren und Verschönern. 

Die Kaes GmbH, ein bayrisches Unternehmen, das in verschiedenen Bereich aktiv ist, betreibt in Oberbayern und Schwaben derzeit acht Baumärkte. 

Diese Kooperation selbständiger Einzelhändler gehört ebenfalls zum Zeuss/Hagebau-Verbund, tritt aber einheitlich im deutschen Markt auf, wo 230 Werkmärkte betrieben werden. Man legt wert darauf, kein Baumarkt zu sein, was angesichts der kleinen Verkaufsflächen sowieso jedermann versteht. Dennoch unterscheiden sich die übersichtlichen Sortimente nicht wesentlich von dem, was die Baumärkte anbieten. Nur ist das Warenangebot beschränkt und konzentriert sich auf das, was der Heimwerker als Basisbedarf braucht. 

Zeuss - E/D/E - EK - Hagebau - Otto:

Für den Heimwerker kann es auch interessant sein zu erfahren, wie sich die Großen der Branche zusammengetan haben, siehe dazu auch die Einleitungszeilen dieser Übersicht. Das fast schon historische "Einkaufsbüro Deutscher Eisenwarenhändler" aus Wuppertal, kurz E/D/E genannt, hat sich schon frühzeitig mit einem anderen starken Partner zusammengetan, der EK-Großeinkauf aus Bielefeld. Daraus ging dann die ZEUS-Kooperation hervor (Bauklotz, Werkmarkt), an der sich die Hagebau-Gruppe zunächst mit 35 % beteiligte, dann aber auf 50 % erhöhte, was zur Folge hatte, dass die beim E/D/E angesiedelte ZEUS nun ihr Quartier wechselte von Wuppertal nach Soltau in der Lüneburger Heide, wo Hagebau ansässig ist. Die wiederum sind auch im Online-Shopping-Bereich aktiv, wobei an dem Shop www.hagebau.de (und nur an dem Shop) die OTTO-Gruppe aus Hamburg mit etwas über 50% beteiligt ist, nachdem sich das Joint Venture www.obi@otto 2006 aufgelöst hatte.