Das solltest du über "Holzwurm" und andere Insekten wissen

Pochende sowie kratzende Geräusche oder gar Löcher im Gebälk sind für viele Hausbesitzer der blanke Horror. Schnell heißt es dann: "Ich habe den Holzwurm". Dies ist allerdings nicht ganz richtig, denn einen Holzwurm gibt es überhaupt nicht. Was als Holzwurm angesehen wird, sind Larven von holzzerstörenden Insekten, die dickere oder dünnere Gänge durch das Holz fressen. Daher wird manchmal vom großen und kleinen Holzwurm gesprochen. Der große Holzwurm ist dann der Hausbock und der kleine Holzwurm der Nagekäfer und seine Familie. Zu den Trockenholz-Insekten, und diese findet man hauptsächlich in Häusern und Gebäuden, zählt auch der Splintholz-Käfer. Hausbock, Nagekäfer und Splintholz-Käfer sind die drei Arten, die wirklich gefährlich sind. Sie können an Dachstühlen, Deckenbalken, Parkett, Möbeln, Treppen, Bilderrahmen oder Schnitzereien erhebliche Schädigungen verursachen. Besonders gefährlich wird es, wenn dabei die Statik des Gebäudes beeinträchtigt wird. Durch Vorsorge und Verwendung von Brettschichtholz oder Konstruktionsvollholz kann die Insektenplage zwar verringert werden, auszuschließen ist sie dennoch nicht. Die modernen Holzwerkstoffe sind glatt und frei von Rissen. Schlechte Zeiten also für die Weibchen der Insekten, die kein Platz für ihre Eier finden. Andere holzzerstörende Insekten sind Frischholz-Insekten. Mit denen müssen sich hauptsächlich die Forstwirte herumärgern. Zu den Frischholz-Insekten zählen Borkenkäfer, Bockkäfer, Scheibenböcke oder die Riesenholzwespe. Letztere kann sich auch im Gebäude wiederfinden, weshalb noch näher auf sie eingegangen wird.

Hausbock

hausbock.jpg Der Hausbock bereitet dem Hausbesitzer sicherlich die meisten Albträume. Der Käfer ist 8 mm bis 25 mm lang, wobei das Männchen deutlich kleiner als das Weibchen ist. Der Körper ist dunkel bis schwärzlich und weist auf den Flügeldecken weissbehaarte Winkel auf. Typisch sind weiterhin zwei glänzende Höcker auf dem Halsschild und die verdickten Schenkel. Bis zu 400 Eier legt jedes Weibchen in Risse und Ritzen von Nadelholz. Die Larve lebt vom Eiweiß im Holz. Sie frisst sich daher bevorzugt durch das nährstoffreiche Splintholz von Kiefer, Tanne, Fichte oder Lärche. Laubholz wird grundsätzlich gemieden. Die Hausbocklarve liebt Wärme (24-30&°C) und feuchtes, frisches Holz (Holzfeuchte 18-30%). So feucht werden Dachbalken zwar meist nicht sein, doch erst ab einer Holzfeuchte unterhalb von 8-10% stellen die Larven ihre Weiterentwicklung ein. Am stärksten ist der Befall des frischen und nährstoffreichen Holzes bis zu einem Alter von etwa 30 Jahren. Ist das Holz über 60 Jahre alt, ist die Larvenentwicklung rückläufig und bei über 100 Jahren altem Holz findet man Hausbocklarven nur noch vereinzelt. Von diesen Larven geht auch keine Gefahr mehr für das Holz und das Bauteil aus.


Die Freßgänge sind oval und unregelmäßig angelegt. Sie gehen bis dicht unter die Holzoberfläche, doch durchbrochen wird sie nie. Lediglich an leichten wulstartigen Erhebungen ist gelegentlich zu erkennen, dass Holzbocklarven ihr Unwesen treiben. Dieses Unwesen treiben die beim Schlüpfen 2 mm langen Larven auch ziemlich lange, schließlich wollen sie bis zu 30 mm groß werden. Insgesamt dauert die Entwicklung mindestens 3 und bis zu 15 Jahre. Dies ist abhängig von den Umgebungsbedingungen und der vorgefundenen Holzqualität. Bei alten Holzbauteilen dauert die Entwicklung mindestens 6 Jahre. Jeder kann sich vorstellen, wie es im Holzbalken aussieht, wenn zahlreiche Holzbocklarven sich jahrelang durch das Holz fressen. Hat die Larve genug gefressen, sucht sie sich einen Platz in der Nähe der Oberfläche und verpuppt sich. Nach vergleichsweise kurzer Zeit als Puppe schlüpft der Käfer, der sich an das Licht der Öffentlichkeit wagt. Sein Bohrloch ist oval und etwa 4 bis 7 mm groß und hat einen glatten oder auch gefransten Rand. Der einzige Lebenszweck des Käfers ist es, sich zu vermehren. Nach zwei bis drei Wochen hat sich auch dies erledigt und sein Leben ist vorbei. Gefressen hat er als Käfer nichts mehr. 

Öffnet man die Fressgänge der Larven, findet man das charakteristische Bohrmehl. Rieselt dieses Bohrmehl aus den Schlupflöchern, bzw. Ausflugslöchern des Käfers, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für Hausbockbefall. Andere Insekten nutzen alte Ausflugslöcher gerne als Nistplatz. Erst wenn der Holzbock wirklich in Ihrem Dachgeschoss herumschwirrt oder bereits tot auf dem Boden liegt, können Sie sicher sein, dass er wirklich da ist. Manchmal kann man den Larven auch beim Fressen zuhören. Dazu muss es allerdings sehr warm und sehr ruhig sein. Lärm bedeutet Gefahr und Gefahr bedeutet Fressen einstellen. Sie müssen sich daher einige Minuten ruhig verhalten, bevor Sie das typische Fressgeräusch hören. Dies klingt, als würden Sie die Fingernägel von Daumen und Zeigefinger aneinanderreiben.

Nagekäfer

Zu den Nagekäfern zählen Weicher Nagekäfer, Gekämmter Nagekäfer und Gewöhnlicher Nagekäfer. Der Nagekäfer wiederum zählt zur Familie der Anobiidae, zu der auch Klopfkäfer, Pochkäfer und Bohrkäfer zählen. Einige Arten erzeugen klopfende oder pochende Laute. Dabei wird der Kopf gegen die Unterlage geschlagen und gleichzeitig der ganze Körper vorgestoßen. Dies geschieht besonders zur Fortpflanzungszeit im Frühling. Solche Geräusche sind es, die manchen Hausbesitzer unruhig werden lassen. Richtig Sorgen muss man sich allerdings vor allem beim Gewöhnlichen Nagekäfer machen. 

Der Gewöhnliche bzw. Gemeine Nagekäfer ist ein bis zu 6 mm langer, gedrungener, meist dunkelbrauner bis schwarzer Käfer, dessen Halsschild über den Kopf vorgezogen ist. Er ist ein ausgesprochener Allesfresser, denn er mag sowohl Laub- als auch Nadelholz, altes wie auch frisches Holz. Lediglich das Kernholz von Kiefer, Lärche, Robinie oder Eiche wird gemieden. Darüber hinaus sind die Plagegeister auch noch sehr anhänglich. Sie verbleiben über Generationen im gleichen Holz bis zu seiner vollständigen Zerstörung. Wobei die Entwicklung der Larve nicht wie beim Holzbock über zehn Jahre dauern kann, sondern nach ein bis drei Jahren abgeschlossen ist. Wie der Hausbock legt auch das Weibchen des Nagekäfers seine 20 bis 30 Eier in Risse.

Die Larven bevorzugen ein kühles und feuchtes Klima. Man findet sie deshalb in Kellertüren, Fußböden, Möbeln, Treppen oder Kirchen, wo sie sich an wertvollen Kunstgegenständen zu schaffen machen. Liegt die Holzfeuchte unter 10% bis 12% hört die Entwicklung der Larve auf, dies ist beispielsweise in zentralbeheizten Räumen der Fall. Im Dachgebälk findet man die Nagekäferlarve meist nicht, da es ihr dort zu warm ist. Die Larvengänge weisen einen kreisrunden Querschnitt auf und sind mit Kot und feinem Bohrmehl locker aufgefüllt. Auch die Ausfluglöcher, durch die der Käfer das Holz verlässt, sind kreisrund. Der Durchmesser beträgt ein bis drei Millimeter. Durch die Fluglöcher wird oft Bohrmehl ausgestoßen (siehe auch Abbildung). Dies ist ein Zeichen von Aktivität. Sind Löcher mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter vorhanden, deutet dies auf Schlupfwespen hin. Das ist gut für Sie und schlecht für die Nagekäferlarve, denn sie wird von der Schlupfwespe gefressen. So regelt die Natur für Sie die Schädlingsausbreitung.

Splintholz-Käfer

Splintholzkäfer kommen mit einer sehr geringen Holzfeuchte aus. Bei einer sich in einem beheizten Raum einstellenden Ausgleichsfeuchte von etwa 11% nagen die Käfer munter weiter. Erst bei einer Holzfeuchte von unter 7% fällt dem Splintholz-Käfer das Fressen schwerer. Hausbock und Nagekäfer haben bei solchen Bedingungen das Fressen längst eingestellt. Der Splintholz-Käfer findet sich beispielsweise in Furnier, Möbeln, Parkett, Tischlerplatten, Türen und Souvenirs wieder. Der Braune Splintholz-Käfer ist nämlich häufig ein "Mitbringsel" von Importhölzern. Daneben gibt es aus der Familie der Splintholz-Käfer noch den einheimischen Parkettkäfer. 

Parkettkäfer werden 2,5 bis 5 mm lang. Die Flügeldecken sind mit Punktstreifen besetzt und er befällt bevorzugt Eiche und zwar speziell, wie der Name bereits sagt, Parkett. Neben Eiche werden eine ganze Reihe weiterer Laubholzarten, zum Teil auch tropische Hölzer befallen. Die Eier werden vom Weibchen meist in die Gefäßporen an den Stirnseiten des Holzes oder auch in Fluglöcher gelegt. Das Bohrmehl ist sehr fein und fest in den Gängen verstopft. Die Fluglöcher sind kreisrund mit einem Durchmesser von einem Millimeter. Weitaus größeren Schaden als der Parkettkäfer richtet allerdings der Splintholz-Käfer an.

Der Braune Splintholz-Käfer wurde mit Tropenhölzern eingeschleppt. Leider geht er nicht nur an tropische Laubhölzer, sondern frisst sich auch durch einheimische Hölzer wie Eiche, Esche, Nussbaum, Ulme und Edelkastanie. Möglich war dies, da er sich auch von der Kälte nicht beeindrucken lässt. Das Maximum seiner Fresssucht erreicht er jedoch bei 26-27°C und einer Holzfeuchte von 16%. Das Insekt entwickelt sich innerhalb von 5 bis 18 Monaten von der Larve zum Käfer, der Generationenwechsel findet damit um einiges schneller als beim Nagekäfer oder gar beim Hausbock statt. Die Käfer sind 2,5 bis 8 mm groß. Die Fraßgänge sind in Faserrichtung orientiert und fest ausgestopft mit feinem Nagsel, so dass sie nur schwer zu erkennen sind. Die Fluglöcher sind kreisrund und haben einen Durchmesser von einem bis zwei Millimeter. Beim Schlüpfen können sich die Käfer auch durch die Decklagen anderer Materialien hindurchfressen.


Riesenholzwespe

Die Riesenholzwespe ist eigentlich ein Waldinsekt. Sie befällt kränkelnde Bäume und lange Zeit im Wald oder im Sägewerk lagerndes frisches Holz. Riesenholzwespen haben zwar einen Stachel, doch mit ihm können sie nicht stechen, geschweige denn Gift verspritzen. Wir Menschen können dem Insekt somit ohne Scheu begegnen, denn auch für den Holzbestand im Haus stellt es keine größere Gefahr dar. Es kommt zwar vor, dass Holz mit Larven der Riesenholzwespe eingebaut wird, doch eine Vermehrung findet bei trockenem Holz nicht statt. Die Larven fressen sich zwischen zwei und sechs Jahren durch das Holz. Die Fraßgänge werden dabei fest mit holzfarbigem Nagsel verstopft, so dass selbst am eingeschnittenen Holz weder Befall noch Schaden erkennbar sind. Irgendwann verlässt die aus der Larve geschlüpfte Riesenholzwespe das Holz und hinterlässt kreisrunde, glattrandige Ausfluglöcher mit einem Durchmesser von vier bis sechs Millimetern. Da der Schaden jedoch lokal begrenzt, die statische Beeinträchtigung minimal und die Wespe sich in dem trockenen Holz nicht weiterverbreitet, ist eine Bekämpfung unnötig. Wen die Löcher stören, der kann sie verschließen und verspachteln. 

Weitere holzzerstörende Insekten

Auch Ameisen oder Termiten zerfressen Bauteile aus Holz. Ameisen gibt es in über 12.000 verschiedene Arten, von denen einige wie die Rossameise ihre Nester in verbautem Holz anlegen. Das Holz muss allerdings morsch, feucht oder pilzbefallen sein. Besonders beliebt sind Bauten in der Nähe von Wäldern oder Gärten, da die Ameisen Sträucher und Bäume, das heißt Pflanzensäfte und Blattläuse, benötigen. Termiten sind vor allem eine Plage in wärmeren Gefilden. Sie befallen Holzteile im Erdbereich und in Gebäuden. Ab und zu kommt mit Holztransporten, Holzgegenständen oder Verpackungen ein Schwung Termiten nach Mitteleuropa und kann lokal Schäden verursachen. Richtig heimisch werden Termiten bei uns allerdings nicht, obwohl in der Nähe des Hamburger Hafens eine Kolonie haust.