Do's and Don't - Balkon als Oase der Erholung oder des Ärgers

Miet- oder Eigentumswohnungen vermieten/verkaufen sich besser, wenn sie einen Balkon haben. Bei der Entscheidung für eine Wohnung mit Balkon hilft unsere Checkliste für den Zustand von Balkonen. Der Balkon kann ein eine Oase der Erholung sein, aber auch ein ständiger Quell des Ärgers. Was dürfen Sie auf Ihrem Balkon und was nicht? Hat der Besitzer einer Eigentumswohnung mehr Gestaltungsfreiheit als ein Mieter? Es wird Sie als unser User wahrscheinlich erstaunen, wenn Sie hören, dass der Besitzer einer Ei­gentums­wohnung unter Umständen schlechter gestellt ist als ein Mieter. Bei Eigen­tums­wohnungen hat die sogenannte Eigen­tümer­gemeinschaft durch Mehr­heits­be­schluss das Sagen, wenn es z. B. darum geht, ob jemand eine Markise anbringen darf oder nicht.

Problemfall Markise — darf man sie anbringen oder nicht?

Die Markise ist ein leidiges Thema. Bei Eigen­tums­woh­nungen können sie erlaubt sein, wenn alle Eigentümer mitmachen, also über jedem Balkon eine Markise installiert wird. Dann muss aber auch Einigkeit herrschen über die Art der Markise und deren Farbe. Die eine knallrot, die andere grün-weiß gestreift und die dritte gelb mit blauen Punkten — das geht nicht. Der einheitliche Charakter des gesamten Hauses muss gewahrt bleiben. Würde die Fassade wegen der bunten gemischten Markisen unordentlich aussehen, hätte ein Wohnungsinhaber Schwierigkeiten, seine Wohnung einmal zu verkaufen.

Mieter dürfen auf keinen Fall eine Markise anbringen, denn das wäre ein unerlaubter Eingriff in die Bausubstanz. Um eine Markise niet- und nagelfest und vor allem sturmfest in der Mauer zu verankern, müssen Maueranker gesetzt werden — mit zwei Schrauben und zwei Dübeln kommt man nicht aus. Ganz abgesehen davon kann — wie im geschilderten Fall der Eigentumswohnungen — der Baukörper auch durch Markisen verunstaltet werden. Was natürlich immer erlaubt ist, das ist das Aufstellen eines Sonnenschirms und das Aufhängen eines Sonnensegels, weil beides keine Dauereinrichtungen sind.

Der Balkon und die Grill-Leidenschaft der Deutschen

Der Deutsche ist seit 30 Jahren vom Grillfieber befallen. Der einfache Holzkohle-Grill hat längst Konkurrenz bekommen von Gas- und Elektrogrills. Von allen Grills geht — je nach Windrichtung — eine Belästigung aus für die Nachbarn, die auf ihrem Balkon gerade Kuchen essen und vom Mieter oder Wohnungsbesitzer von nebenan, der Schweinefleisch grillt, mit Schwaden von Fett und angebranntem Fleisch eingenebelt werden. Da ist dann der Ruf nach dem Rechtsanwalt unüberhörbar. Der kann aber gar nichts machen außer Briefe (und Rechnungen) schreiben. Klagt er, so befindet er sich sozusagen auf einem nachgiebigen Grillrost. Denn die Gerichte haben völlig unterschiedlich entschieden.

In jedem Fall sinnvoll ist, dass sich die Mieter untereinander einigen — es sei denn, das Grillen auf dem Balkon ist sowieso per Mietvertrag untersagt, was immer häufiger vorkommt, weil die Hauseigentümer von vornherein einem Streit unter den Mietern vorbeugen wollen. Sinngemäß gilt das auch für Eigentumswohnungen und die Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft. Da sich hinter einem Wohnhaus mit Eigentumswohnungen und oft auch hinter einem Mietshaus eine Grünfläche befindet, ist das Ausweichen auf solche Anlagen sinnvoll — aber auch hier müssen Absprachen erfolgen, damit nicht sechs Parteien auf einmal in einem nur 500 qm großen Garten grillen wollen. In gut funktionierenden Nachbarschaften (und die gibt es mehr, als man glaubt) lässt sich das Problem am besten bei einem gemeinsamen Grillfest/Grillabend lösen.

Wie hoch und intensiv darf der Balkon begrünt werden?

Balkone haben in aller Regel Betonplatten, die mit dem Beton-Fußboden der einzelnen Wohnung fest verbunden ist. Bei Balkonen an Altbauten sieht man aber auch Stützen unter der Balkonplatte. Die Belastbarkeit bei Balkonen sollte derjenige nicht außer acht lassen, der wuchtige Pflanzkübel mit zwei Meter hohen Wacholder- oder Taxus-Büschen aufstellen will. Irgendwann erreicht ein Balkon die Grenze seiner Belastbarkeit, so dass ein Blick in die Baustatik sinnvoll ist. Das Begrünen des Balkons ist erlaubt, aber auch hier kann es „nein“ heißen, wenn durch „wilde“ Begrünung der Gesamteindruck des Hauses beeinträchtigt wird. Das Anbringen eines Spaliers an der Balkonwand, an dem sich Kletterpflanzen hochranken, gilt nicht als Beeinträchtigung. Es muss aber durch regelmäßigen Schnitt verhindert werden, dass die Pflanzen auf Nachbarbalkone übergreifen oder sogar unter die Dachbalken kriechen. Ein Rankgitter direkt am Balkongeländer festzudrillen, um durch Anpflanzen von wildem Wein „Feindeinsicht“ zu verhindern, ist jedoch nicht gestattet, weil dadurch — wie beim Anbringen einer Markise - die Optik des Hauses gestört wird. Und wenn es um die Optik geht, so wollen wir hier gute und schlechte Beispiele zeigen.

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Tja, solch einen kleinen, fast zierlichen Balkon mit blühenden mediterranen Pflanzen sieht man z.B. auf Ibiza. Bei uns wäre diese Optik nur im Sommer zu erreichen.

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Auch hier wieder ein Foto aus dem Süden, wie jedermann auf den ersten Blick sieht. Der Balkon der alten Villa mit seiner Bepflanzung ist schon ein echter Hingucker.

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In Deutschland finden sich aber auch Balkone, die architek­tonisch wunderschön gebaut sind. Die Bewohner stören sich nicht an den Hängepflanzen vom Nachbarn.

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In Neuss am Rhein fanden wir dieses Haus, dessen Balkon fast zugewuchert sind vom Wilden Wein. Das Haus wirkt attraktiver, als die alte Villa mit ihrem nackten Balkon.

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Trostlos dieses Bild einer Miets­hauses aus einer west­deutschen Großstadt. Die Brüstungen der Balkone sind aus Blech und nur einer der Mieter hat ein paar Pflanzen angeschafft.

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Die schmiedeeisernen Brüs­tungen dieser Bal­kone haben die Mieter teil­weise mit einer Plane „hinterfüttert“. Offenbar soll niemand die nackten Beine der Bewohner sehen.

Nun müssen Pflanzen in einem engen Pflanztopf auf dem Balkon natürlich besonders intensiv bewässert werden. Dabei muss aber verhindert werden, dass das Gießwasser auf einen unteren Balkon tropft. Deshalb muss der Balkoninhaber auch das Sieb zum Balkonablauf sauber halten, damit das Regenwasser und überschüssiges Gießwasser ablaufen kann. Und er muss auch hinnehmen, wenn Blätter von einem oberen Balkon auf seinen eigenen geweht werden.

Wäsche auf dem Balkon - im Süden malerisch, in Deutschland umstritten

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Die Deutschen finden es höchst malerisch, wenn in den engen Gassen von Palermo oder Amalfi die Wäsche zwischen den Häusern zum Trocknen aufgehängt werden. Eines ist gewiss: Die Nachbarn vertragen sich, sonstz würde das Jahrhunderte alte System nicht funktionieren. Und natürlich hängt man hier die Wäsche auch auf Balkonen oder Dachterrassen auf — und keinen stört es. In Deutschland gibt es über die Frage, ob man auf einem Balkon Wäsche aufhängen kann oder nicht, gerichtliche Entscheidungen. Und eine besagt: Man darf, aber nur, wenn der Wäscheständer nicht über die Brüstung hinaus ragt.

Mieter aus südlichen Ländern, die ja nun millionenfach in Deutschland leben, kümmern solche Urteile überhaupt nicht. Und so kann man durchaus in einem Vorstadt-Straßencafé irgendwo in einer deutschen Stadt sitzen und den Anblick auf Damenwäsche Gr. 52 auf dem Balkon gegenüber genießen. Und wer solchen Anblick nicht mag, der soll eben woanders hingucken.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de