So verwandelst du deinen Balkon in eine grüne Wohlfühloase

balkon_vorhaenge.jpg Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf der Haut kitzeln und die Gastronomen die Stühle in den Straßencafés vor die Tür räumen, treibt eine innere Kraft die Menschen an die frische Luft. Dann lernen viele Stadtbewohner ihren Balkon erst richtig zu schätzen. Besonders wenn man keinen Garten zur Verfügung hat, steigern die paar Quadratmeter privaten Außenbereichs die Qualität einer Wohnung immens. Das macht sich zwar häufig auch im Mietpreis bemerkbar, dennoch möchte kaum jemand auf dieses Extra verzichten. So holen viele Balkonbesitzer auch aus dem kleinsten Balkon ein Maximum heraus.

Fassadenbegrünung mal anders

Gerade in den Großstädten entwickeln sich die Balkone zu kleinen Gärten. In Alt- und Neubauten begrünen die Bewohner ihren Außenbereich. Dieser Trend schlägt sich auch in der Architektur von Neubauten nieder. In Mailand erreichte die Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt. Dort wurde mit begrünten Balkonen an zwei Häusern ein ganzer Hektar neue Grünfläche geschaffen, auf der selbst Oliven- und Granatapfelbäume Platz fanden. Bosco Verticale, also „senkrechter Wald“ werden die Häuser genannt.

stadtbalkon.jpg

In diesen Dimensionen bewegt mansich in Deutschland (noch) nicht, auch wenn das Mailänder Projekt sicherlich Nachahmer finden wird. Nur in den seltensten Fällen gestattet die Statik, dass man ganze Bäume anpflanzt — zu dem Baum gesellt sich ja immer noch ein immenser Wurzelballen plus Erde. Die meisten Fassadenbegrünungen dieser Art werden von jenen Bewohnern vorangetrieben, denen es in erster Linie um die Schaffung ihres kleinen Gartenparadieses geht. Denn ein grüner Balkon verschönert nicht nur das Straßenbild, die Pflanzen sorgen für frische Luft und schirmen auch Straßenlärm ab. Damit die Bepflanzung auch ein Erfolg wird, haben wir einige Tipps zusammengestellt:

Die Pflanzzeit und Sonnenverträglichkeit von Balkonpflanzen beachten

balkon_ibiza.jpg Auch wenn es einem ab Februar oder März schon den Fingern juckt, wirklich frostsicher ist die Bepflanzung erst nach dem 16. Mai, wenn die Eisheiligen vorüber sind. In der unmittelbaren Nähe von Fenstern oder schlecht gedämmten Fassaden können Pflanzen vom Frost verschont bleiben. Dennoch besteht immer die Gefahr, dass frische Triebe abfrieren. Beliebte Balkonpflanzen, wie Margeriten oder Geranien, sind allerdings sehr kälteempfindlich.

Wer bei der Auswahl der Pflanzen nicht auf die Ausrichtung des Balkons achtet, wird nicht lange Freude an der Begrünung haben. Mediterrane Pflanzen wie Oleander, Salbei oder Thymian werden sich auf einem Balkon mit Südlage deutlich wohler fühlen, als wenn sie auf einem im Norden liegenden Balkon kaum Sonne abbekom­men. Umgekehrt drohen Pflanzen, die eine schattige Lage benötigen wie die Fuchsie oder Begonie auf einem Südbalkon zu verbrennen. Im Halbschatten hingegen fühlen sich fast alle Pflanzen wohl und viele Pflanzen für halbschattige Standorte wie Petunien oder Kapuzinerkresse gedeihen auch auf einem sonnigen Balkon.

Kräuter sorgen für herrlichen Duft auf dem Balkon

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt man, mit einem Kräuterbeet auf dem Balkon. Zum einen versprühen sie einen herrlich frischen Duft, zum anderen locken sie jede Menge Nützlinge wie Hummeln und Bienen an, denen es in der Stadt tendenziell schwer fällt, Nahrung zu finden. Doch nicht nur den summenden Insekten bieten sie Nahrung. Vor allen Dingen baut man die Kräuter ja für sich selber an. Im Sommer lassen sich mit ihnen Speisen würzen und belebende Drinks zubereiten.

Die meisten Kräuter mögen es sonnig und fühlen sich auch auf dem Balkon wohl. Doch bei vorgezogenen Kräutern aus dem Supermarkt ist die Enttäuschung häufig vorprogrammiert. Diese haben wahrscheinlich noch die Sonne gesehen oder kalten Nachtwind gespürt. Entsprechend geschockt sind sie, wenn sie plötzlich an die frische Luft kommen. Entweder gewöhnt man sie langsam an die Bedingungen auf dem Balkon, oder man zieht die Pflanzen gleich selber. Dann passen sich diese von Anfang an die örtlichen Bedingungen an und sind entsprechend resistent.

Beschattung und Rücksicht auf den Nachbarn

glas_balkone.jpg Rankende Pflanzen, die man an einem Spalier zieht, spenden Schatten und schützen vor neugierigen Blicken. Die Pflanzen jedoch wissen nicht, wo der eigene Balkon aufhört und der des Nachbarn beginnt. Unter Umständen ist der mit der Beschattung seines Balkons nicht einverstanden, weshalb sich entweder mit ihm auf verständigt oder man achtet darauf, dass die Pflanzen nicht zum Nachbarn herüberwuchern oder man sie jederzeit zurückschneiden kann.

Ein weiterer Streitpunkt kann die Pflege der Pflanzen sein. Schneidet man trockenen Blüten heraus, sollten diese nicht auf dem Balkon des Nachbarn landen. Auch bei Gießen ist Vorsicht geboten. Wenn mit Erde verdrecktes Gießwasser auf den unteren Balkon tropft und schlimmstenfalls die frisch gewaschenen Hemden des Nachbarn verdreckt, ist der Streit vorprogrammiert. Es können aber auch schwerwiegendere Wasserschäden auftreten. Pflanzen verlieren nun einmal Blätter und diese können den Abfluss verstopfen. Den sollte man stets freihalten, damit es nicht eines Tages beim Nachbarn durch die Decke tropft.

Sicherer Halt für Pflanzkästen

balkonkaesten.jpg Ein Gedanke, der bei Balkonbepflanzung natürlich immer mitschwingt, ist: Was passiert, wenn es stürmt? In der Regel fallen die Schäden durch herunterfallende Blumentöpfe etwas drastischer aus, als im „kleinen grünen Kaktus“ besungen wird. Sicherer Halt ist ein Muss, wenn man sich nicht alsbald mit Versicherungen herumärgern will. Besonders Pflanzkästen, die an der Brüstung angebracht werden, muss man erhöhte Aufmerk­samkeit schenken. Gerade hohe Pflanzen sind anfällig für Wind. Schwere Pflanztöpfe sorgen zwar für zusätzlichen Halt, jedoch können die Pflanzen auch aus ihnen herausgerissen werden. Orkanböen haben schon Stauden umknicken lassen oder kleine Bäume über die Geländer gehoben. Gegebenenfalls muss man seine Pflanzen bei einer Sturmwarnung anbinden oder aus dem Gefahrenbereich räumen.

Neben der Bepflanzung in den Pflanzkästen an der Brüstung können auch an der Hauswand und, wenn die Größe des Balkon es zulässt, auf in Kübeln auf dem Boden Pflanzen gezogen werden, die man auch selber bauen kann. Reichen diese nur leicht über das Geländer hinaus, stehen sie auch bei Sturm relativ sicher.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de