Das deutsche Problem der trostlosen Garagenhöfe

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Deutschland lebt vor allem von der Autoindustrie. Aber die Fahrzeuge sind in ihrer Masse auch Auslöser für täglichen Frust — es fehlen nämlich Parkplätze und ganz besonders Garagen. Und wenn es Garagen gibt, dann sind sie oftmals hässliche Zweckbauten in Form von Garagenhöfen. Millionen Bundesbürger blicken, wenn sie aus ihren Fenstern schauen, entweder auf zugeparkte Straßen oder trostlose Garagenhöfe.

Betrachten wir zunächst einmal den Normalfall. Da baute 1970 ein Ehepaar ein Häuschen und setzte daneben eine Garage. Eine Garage reichte aus — nur wenige Familien besaßen damals zwei Autos. Als dann doch das zweite Auto angeschafft wurde, weil die Ehefrau zurück ins Erwerbsleben ging und einen Wagen brauchte, war das zunächst auch kein Problem. Der Zweitwagen wurde eben vor der Tür abgestellt — in ruhigen Wohnstraßen gab es Platz genug. Aber dann wurden die Töchter und Söhne erwachsen, blieben in „Pension Mama“ — und stellten ihre Autos ebenfalls in der ruhigen Wohnstraße ab. Und weil es bei allen Nachbarn ähnlich zuging, war auf einmal die Straße zugeparkt. Der Müllwagen hat seitdem Mühe, sich durch die Straßen zu schlängeln.

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Ja, hätten die Häuslebauer damals wenigstens die Garage nach hinten ins Grundstück gesetzt, dann hätten sie wenigstens auf der Garagenzufahrt anstatt auf der Straße einen Abstellplatz. Die Erbauer von Landhäusern und Villen leisteten sich schon damals Doppelgaragen und breite Auffahrten und können heute bequem vier Fahrzeuge auf dem eigenen Grundstück abstellen, wenn die Straße zugeparkt sein sollte.

In dieser glücklichen Situation ist aber nur eine Minderheit. Wer in einer Eigentumswohnung wohnt, hat zumindest (in aller Regel) einen Parkplatz in der Tiefgarage oder auf einem Garagenhof hinter dem Haus. Wer in einem Reihenhaus wohnt, kann natürlich keine Garage anbauen, aber er kann einen PKW zumindest auf einem Garagenhof unterbringen. Der Zweitwagen muss dann da abgestellt werden, wo gerade Platz ist — womöglich 250 m von der Wohnung entfernt. Bei peitschendem Regen erreicht man dann seinen Wagen in durchnässtem Zustand. Für die Millionen Mieter, die keinen Garagenplatz haben, ist die tägliche Suche nach einer Parkgelegenheit der abendliche Stimmungstöter schlechthin. Und wenn sie dann einen Parkplatz gefunden haben, auf dem man kostenlos parken darf (und solche Parkplätze soll es ja unbestätigten Gerüchten nach geben), dann steigert sich der Frust dennoch. Denn wenn der Mieter sich auf seinem Balkon niederlässt und statt ins Grüne in einen Garagenhof blickt, wo es auch nachts „Peng“ macht, wenn jemand die Garagentür zuknallt, stellt sich bestimmt keine Wohlfühlatmosphäre ein.

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Die Städte und Landkreise stehen dem Problem hilflos gegenüber. Mit Tiefgaragen und Garagenhöfen ist ja auch kein Staat zu machen — anders als mit gläsernen Hochhäusern, die irgendein Stararchitekt entworfen hat. Deutschland ist, sieht man von zwei Bundesländern ab, ein zugebautes und zugestelltes Land mit Dauerstaus auf den Autobahnen. Die Misere ist auch nicht mehr zu ändern — oder? Die Redaktion von baumarkt.de meint dazu:

  1. Doppelparkergaragen, in denen zwei PKWs auf Kippbühnen stehen, werden von den Hausbesitzern nicht angenommen. Zu gefährlich erscheint ihnen bzw. ihren Frauen der Kippvorgang. Abgesehen davon müssen diese Huckepack-Garagen jährlich gewartet werden und sind dazu auch noch teuer.


  2. Garagenhöfe sollten unter die Erde gelegt werden. Der dadurch entstehende freie Platz sollte begrünt oder als Kinderspielplatz hergerichtet werden.


  3. Garagen sollten qua bauamtlicher Vorschrift nicht parallel zur Hausfront angebaut, sondern nach hinten „geschoben“ werden. Die Zufahrt kann dann als weiterer Abstellplatz dienen.


  4. Bei der Bebauung großer Grundstücke sorgt der Bauherr schon aus eigenem Interesse dafür, dass Doppelgaragen gebaut werden. Aber auch ihm muss vorgeschrieben werden, dass diese nach hinten ins Grundstück gesetzt werden, damit auf der Zufahrt weiterer Parkraum bleibt.


  5. Industriebrachen und leerstehendes Kasernengelände sind zu Parkplätzen und/oder Parkhäusern umzufunktionieren mit Dauerparkplätzen für die Bewohner der Umgebung. Diese müssen natürlich eine Miete bezahlen, aber eine „bürgernahe“ von maximal 50 € im Monat.

Geschieht nichts, stellt sich Deutschland mit seinem Exportschlager, nämlich dem PKW, selbst zu.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de