Dämmmaterialien — wie lange haltbar?

Christian M.: Mir ist in einer Fachzeitschrift aufgefallen, daß die Haltbarkeit von Dämmstoffen wie Mineralwolle, Zellulose, Perliten etc. bei ca. 25 Jahren liegt. Gibt es andere effektive Dämmstoffe, die länger halten? In wieweit wird die Dämmeigenschaft der einzelnen Produkte betroffen? Kann es sein, daß ein Niedrigenergiehaus nach 20 Jahren gar keines mehr ist? Was macht man beispielsweise bei einer Verklinkerung, wenn nach 20 Jahren der Dämmstoff erneuert werden muss?

Antwort des Baumarkt-Teams: Lieber Krischan,
Hersteller geben gerne eine Haltbarkeit von 25 oder 30 Jahren an, obwohl diese im Baubereich in den meisten Fällen wesentlich länger ist.

Eine Dämmung aus Blähtonsteinen ist, wie ein Lavastein auch, praktisch unbegrenzt haltbar. Das gilt auch für Dämmstoffe aus Holzfasern. Wie Du weißt, kann Holz hunderte von Jahren halten (schau mal rein bei "fachwerkhaus.de", da wirst'e staunen, was unsere Altvorderen vor 400 Jahren auf die Beine gestellt haben und was heute noch steht!).

Auch Mineral- oder Steinwolle kann sich nicht einfach in Luft auflösen, zumal dieses Material praktisch unbrennbar ist. Bleibt die Zellulose. Zellulose ist der Grundstoff für Papier — und wie lange hält Papier? In Deiner Uni-Bücherei stehen sicherlich Folianten, die einige hundert Jahre alt sind.
Schon in den späten 50er Jahren wurde mit Styropor gedämmt — und wenn solche alten Häuser heute saniert werden, stößt man immer wieder auf einwandfrei erhaltene Styroporplatten.

Die Frage, ob Umwelteinflüsse irgendwann die in einem zweischaligen Mauerwerk eingebettete Dämmung angreifen können, ist eher theoretischer Natur. Der eigentliche Feind von Mauerwerk, Putz und Dämmung ist Feuchtigkeit, die natürlich eine Zellulose-, Holzfaser- und Korkdämmung beeinträchtigen kann.

Merke:
Natürlich ist alles vergänglich,
doch gute Dämmung hält lebenslänglich!


Darauf schrieb Christoph:

Hallo liebe Leute,

vielen Dank für Eure Antwort.

Daß Mineralwolle nicht einfach verschwinden kann, daß Holz auch unbehandelt über 100 Jahre halten kann, daß Bücher nicht nach ein paar Jahren zu Staub verfallen, ist mir ja durchaus bekannt. Aber das geht — wenn auch rhetorisch ansprechend — am Thema vorbei.

Dämmstoffe sind starken Belastungen unterworfen, die einen Alterungseffekt erwarten lassen. Die starken Temperaturunterschiede, einerseits saisonal bedingt, anderseits das starke Temperaturgefälle im Material selber, lassen solche Effekte vermuten. Außerdem kann der Taupunkt bei einem zweischaligen Mauerwerk innerhalb des Dämmstoffs liegen. Mit Feuchtigkeit hat man daher also auch immer zu rechnen. Diese Feuchtigkeit wird zwar wieder abgegeben, trotzdem kann aber mit Materialveränderungen gerechnet werden.

Bei Blähton und Lavagestein bin ich Eurer Meinung. Ich vermute auch, daß diese Materialien sich im Laufe der Zeit nicht verändern. Außerdem sind diese Dämmaterialien von ihrer Wärmeleitfähigkeit nicht gerade das Nonplusultra. Nach den Angeboten, die ich vorliegen habe, müßte eine Dämmschicht aus Blähton fast dreimal so dick sein wie eine Schicht aus hochdämmender Mineralwolle. Vielleicht gibt es da auch noch besseres.

Bei Zellulose, Dämmstoffen aus Holz, Baumwolle, Schafswolle etc. besteht das Problem der Brandgefährlichkeit. Deswegen werden solche Dämmaterialien mit Borsalzen, teilweise auch mit Aluminiumoxyden versetzt. Hier stellt sich die Frage, ob sich diese Zusatzstoffe im Laufe der Zeit von dem Material trennen (Ausfällung) können. Dies kann durch Feuchtigkeit, aber auch durch hohe Temperaturen geschehen. Die Dämmstoffe würden dann ihre brandhemmenden Eigenschaften verlieren und erfüllen dann nicht mehr die Brandschutzverordnng. Eine Erneuerung der Dämmung wäre dann aus Gründen der Sicherheit und aus Gründen des Versicherungsschutzes erforderlich.

Bei Mineral- und Glasfaserwolle kann es zu einem Brechen der Fasern kommen. Die Struktur des Materials wird sich also im Laufe der Zeit verändern. Dies kann aber dann wieder Auswirkungen auf den Dämmwert des Materials haben.

Vielleicht ist diese Frage tatsächlich theoretischer Natur. Aber mir ist bisher noch keine Untersuchung bekannt, die diese Fragestellung wirklich untersucht hat. Diese Frage hat sich bisher auch noch gar nicht gestellt, da erst seit wenigen Jahren hochgedämmte Niedrigenergiehäuser gebaut werden. Und erst bei Niederenergiehäusern können solche Effekte wirklich zu einem spürbaren Anstieg des Energieverbrauchs im Laufe der Jahre führen. Die Probleme werden — falls sie wirklich existieren — erst in 10-20 Jahren auftreten.

Mit freundlichen Grüßen

Christian (der auch gern mal 50 Jahre weiter denkt)



Das Baumarkt-Team ließ sich eine Antwort nicht nehmen:

Lieber Christian,

vielen Dank für Deine Anmerkungen, wobei Du ja recht viel Fachwissen einfließen läßt. Wie Du selbst sagst, gibt es noch keine Untersuchungen speziell die Niedrigenergiehäuser betreffend, schon gar keine Langzeituntersuchungen. Man wird also in 50 Jahren schlauer sein als heute.

Was Deine kritischen Anmerkungen über Zellulose betrifft, so findet das nicht unsere ungeteilte Zustimmung. Bei der Dämmung eines Dachgeschoßbodens mit Zelluloseflocken gibt es im Brandfall den guten Nebeneffekt, daß Löschwasser aufgesaugt wird, also weniger Löschwasserschäden auftreten, außerdem haben sich die Rückstände ganz normal über die Kanalisation umweltverträglich entsorgen lassen. Anderseits wissen wir, daß sich Zelluloseflocken, zwischen den beiden Mauerschalen eingebracht, im Laufe der Zeit zusammendrücken, im oberen Bereich also Kältebrücken entstehen können.

Kork halten wir aus praktischer Sicht für eine gute Dämm-Alternative, da Kork — man betrachte alte, schräg gelagerte Weinflaschen — gegen Flüssigkeit resistent ist und Jahrzehnte überdauert. Selbst die früher üblichen Kork-Rettungsringe haben Jahre gehalten, ehe sie zerbröselt sind. Das wiederum ist bei einer Korkdämmung nicht zu befürchten, da sie normalerweise keinem Dauerrhythmus Naßwerden — Trocknen — Naßwerden — Trocknen ausgesetzt ist.

Die ganze Problematik wäre ein gutes Thema für eine Diplom- oder Doktorarbeit an Deiner Uni — wir würden sie veröffentlichen!

Gruß Redaktion baumarkt.de