Dach decken mit Bitumenschindeln

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Warum Bitumenschindeln?  Bestandteile, Einsatz und ihre Vorteile

Als Alternative zu Beton, Ton oder Schiefer bietet sich eine Dacheindeckung mit Bitumenschindeln an. Die großen Vorteile: Das Material lässt sich einfach verlegen, denn es lässt sich leicht biegen und schneiden. Jede Schindel kann somit nach Belieben bearbeitet werden. Es gibt sie in vielen verschiedenen Formen und Farben. Du kannst dich für eine klassische Form entscheiden, aber auch sogenannte Biberschwänze verlegen. Bitumenschindeln bestehen aus einer Trägerschicht aus Glasvlies, auf die beidseitig Bitumen aufgebracht worden ist. Die oberste Deckschicht ist ein Mineralgranulat, das Graues farbig werden lässt. Sie schützen somit vor Regen, Schnee, Hitze oder UV-Strahlen. Je nach Witterungsverhältnissen kann bei den unverrottbaren Dachschindeln von einer Lebensdauer von 25 bis 35 Jahren ausgegangen werden. Während sie in den Vereinigten Staaten das Standarddach darstellen, kommen sie in Deutschland überwiegend bei Gartenhäusern, Geräteschuppen, Windfängen, Gauben und Erkern zum Einsatz. Auch wenn die Dacheindeckung leicht zu verarbeiten ist, muss für eine fachgerechte Verlegung einiges beachtet werden. Was das ist, haben wir dir mit Unterstützung der Gutta-Werke am Beispiel der guttatec Bitumenschindeln zusammengestellt. 

Verarbeitungs- und Verlegehinweise

Für die Planung und Verlegung von gutttatec Bitumenschindeln gelten die Fachregeln und die "Regeln für Deckung mit Bitumen-Dachschindeln" gemäß "abc der Bitumen-Dachbahnen". 

Unterkonstruktion

Die Unterkonstruktion sollte aus Holz, möglichst Schichtholz, Verkleidungsbretter (max. 15 cm breit) oder nicht furnierten Bauplatten bestehen. Die Dachfläche muss eben, fest, trocken und gut vernagelt sein. 

Belüftung

Damit Wärme und Wasserdampf entweichen können, wird eine geeignete Belüftungbenötigt. Dazu muss die Luft zwischen der Oberfläche der Dämmung und der nagelbaren Dachfläche von der Traufe bis zum First frei zirkulieren können. Bei Be- und Entlüftung sind die Wärmeschutzrichtlinien und die Energieeinsparverordnung zu berücksichtigen. Dämmschichten müssen raumseitig winddicht ausgebildet werden. 

Schindelunterlage

1.Dachneigung 15° bis 20°:

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Die gesamte Dachfläche mit Bitumendachbahnen bedecken (zum Beispiel V13 besandet). Damit eine doppelte Unterlage für die Dachfläche entsteht, schneiden Sie einen 50 cm breiten Anfangsstreifen und verlegen Sie die folgenden Bahnen mit 50 cm waagerechter und 30 cm Endüberlappung.

2.Dachneigung 21° bis 85°:

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Auch hier muss die gesamte Dachfläche mit einer Bitumendachbahn (V13 besandet) bedeckt werden. Eine doppelte Beschichtung ist bei steileren Dächern allerdings nicht notwendig. Es genügt, die Dachbahnen parallel zu den Traufen mit einer waagerechten Überlappung von 5 cm und 10 cm an den Enden zu verlegen. Die Bitumendachbahnen müssen so glatt wie möglich und mit so wenig Nägeln wie nötig befestigt werden. Jeder Nagel bedeutet eine undichte Stelle, in die Feuchtigkeit eindringen kann, und jede Falte überträgt sich auf die Schindeloberfläche.

Vorbereiten der Kehle

Zur Verlegung von Schindeln in den Dachkehlen kann entweder die Methode mit offener oder mit wechselseitig gedeckter Kehle angewendet werden. Die Vorbereitung hängt von der gewählten Methode ab: 

1) Offene Kehlen

Die Kehlen werden mit 1m breiter Dachbahn abgedeckt. Die senkrechten Überlappungen müssen 30 cm breit sein und geklebt oder geschweißt werden. Die Endüberlappungen der Dachflächenunterlage müssen die Kehle um 15 cm überlappen. Bei der Verwendung von Leisten aus Metall sollten diese im Abstand von jeweils 25 cm befestigt werden. Die Überlappung von 30 cm sollte zusätzlich verklebt werden. 

2) Wechselseitig gedeckte Kehlen

Verwenden Sie eine Dachbahn, die 2,5 cm vom Rand vernagelt wird. Die Überlappungen sollten 30 cm betragen und verklebt werden. 

Schutz der Traufe

Da bei Frost an der Traufe die Bildung von Eisdämmen möglich ist und sich dadurch Wasser unter den Schindeln anstauen könnte, müssen die Traufen besonders geschützt werden. Verwenden Sie Bitumendachbahnen V13 besandet und schaffen Sie im Bereich der Traufe eine doppelte Unterlage. Schneiden Sie einen 50 cm breiten Anfangsstreifen und verlegen Sie nacheinander geklebte Bahnen mit 50 cm waagerechter Überlappung und 30 cm Endüberlappung in einem Abstand von 60 cm über die Innenwandlinie hinaus.

Traufleisten

(siehe Abbildung B) 

Die Traufleisten für die Seitenränder und Traufen des Daches sollten aus korrisionsgeschütztem Material bestehen, das mindestens 8 cm über den Rand ragt und nach unten gebogen ist. Die Traufleisten sollten an den Seitenrändern über (4) und an den Traufen unter (5) der Unterlage verlegt werden.

Kreidelinien 

(Siehe Abbildung D unten)

Kreidelinien dienen als visuelle Stütze, die zur waagerechten und senkrechten Ausrichtung der Schindeln beitragen. Sie dienen auch zur Ausrichtung der Schindeln auf jeder Seite einer Gaube oder eines Schornsteins. Waagerechte Linien können alle vier bis fünf Reihen (1) gezogen werden. Senkrechte Linien (2) sollten bei langen Schindelstrecken benutzt werden, wobei eine Linie in der Mitte der Schindeln gezogen wird und die Schindeln links und rechts der Linie verlegt werden. Dabei sollten Sie die Kreidelinien als Leitlinien ansehen und nicht als Verlegelinien.

Verlegung der Schindeln

Die guttatec-Bitumenschindeln haben Selbstklebepunkte, die bei Sonneneinstrahlung und durch das Gewicht des aufliegenden Schindelblattes selbständig verkleben. Die auf der Schindelrückseite aufgebrachte Folie schützt vor Verklebung im Schindelpaket und wird bei Verlegung nicht abgezogen. 

Schindeln nageln und verkleben

Von entscheidender Bedeutung ist die richtige Befestigung der Schindeln. Schlagen Sie die Nägel gerade so tief ein, dass die Nagelköpfe bündig liegen, aber nicht in die Schindeloberfläche eindringen. Nageln Sie stets 2,5 cm oberhalb des Blatteinschnitts und 2,5 cm von jedem Rand entfernt. Die korrekt Anordnung und die Menge der Nägel für den gewählten Schindeltyp entnehmen Sie der Abbildung C. 

Bei steilen Dachneigungen (› 60°) oder bei starken Windeinflüssen sind mehr Nägel erforderlich. Zudem müssen die Schindeln, wie in Abbildung C gezeigt, mit Schindelkleber verklebt werden. Da nur bei warmer Witterung die beschriebene Selbstklebewirkung eintritt, müssen bei kaltem Wetter die Schindeln ebenfalls angeklebt werden. Auch in stark windigen Regionen sollten zumindest die Zungen der fünf obersten Reihen verklebt werden. Die Klebepunkte des Schindelklebers sollten nicht größer als 25 mm sein und der Kleber muss sparsam auf die Unterseiten der Schindelzungen angebracht werden.

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Reihe für Reihe verlegen

(siehe Abbildung D) 

Die Schindelzungen der Anfangsreihe werden bis zum Ende des Blatteinschnittes abgeschnitten. Damit die Stoßfugen der Anfangsreihe nicht mit den Stoßfugen der nächsten Reihe zusammentreffen, kürzen Sie die Anfangsreihe in der Länge um 12 cm. Die Anfangsreihe muss die Traufe wie auch den Giebel 6 bis 10 mm überragen (3). 

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Erste Reihe (4): 

Eine vollständige Schindel wird bündig zur Anfangsreihe an Traufe und Seitenrand verlegt. Nageln Sie wie in Abbildung C gezeigt und fahren Sie mit ganzen Schindeln fort. 

Zweite Reihe (5): 

Schneiden Sie eine halbe Zunge einer Schindel ab und beginnen Sie am Seitenrand. Die Schindel wird so vernagelt, dass die unteren Enden der Zungen bündig mit der Spitze der Blatteinschnitte der Schindeln der ersten Reihe verlegt werden (passen Sie dies für Dachneigungen an, die eine andere Überdeckung fordern). 

Dritte und folgende Reihen (6): 

Die dritte Reihe wird mit einer Schindel begonnen, bei der eine ganze Zunge abgeschnitten ist. Schneiden Sie bei jeder folgenden Reihe eine weitere halbe Zunge ab. Für optimalen Schutz gegen Wind und Regen sollten Sie die Schindeln an den Dachrändern verkleben.

Schindelverlegung in Kehlen

1) Offenkehlen-Verfahren: 

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Ziehen Sie zwei Kreidelinien vom First zu den Traufen. Der Abstand soll oben 15 cm betragen und pro Meter zu den Traufen um 1 cm zunehmen (1). Die Schindeln werden auf diesen Linien zugeschnitten. Außerdem wird aus der obersten Ecke ein 5 cm großes Dreieck geschnitten (2), um das Wasser in die Kehle abzuleiten. Binden Sie das Kehlende jeder Schindel in ein 5 cm breites Band Schindelkleber ein (3) und vernageln Sie die Schindeln 5 cm von der Kreidelinie entfernt (4).

2) Verfahren mit wechselseitiger Deckung: 

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Verlegen Sie die Schindeln in der Kehlnaht. Die letzte Schicht sollte mindestens 30 cm auf die angrenzende Dachoberfläche ragen (1) und mit einem zusätzlichen Nagel in der oberen Schindelecke befestigt werden (2). Die Schindeln werden vor dem Vernageln leicht in die Kehlnaht gedrückt. Es darf bis 15 cm beidseitig der Kehlnaht nicht genagelt werden.

Grat und Firste

Die letzten Schindelreihen müssen so ausgeglichen werden, dass die Firstabdeckung auf beiden Seiten des Firstes gleichmäßig die obersten Schindelreihen bedeckt. Schneiden Sie rechtwinklige Schindeln an den Einschnitten in einzelne Stücke (1). Verlegen Sie die Grat- und Firstschindeln in doppelter Dicke, indem Sie zwei Stücke aufeinanderlegen und sie über die Grate oder Firste biegen. Bei kalter Witterung sollten die Schindeln vor dem Biegen erwärmt werden. Nageln Sie den Dachabschluss 16 cm vom Ende der Zunge (2) und 2,5 cm von jeder Seite (3). Begonnen wird auf der der Hauptwindrichtung entgegengesetzten Seite des Firstes. Bitte achten Sie unbedingt darauf, dass die Nägel nicht sichtbar sind.

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Anschlußbleche für Kamin und Wand

Zunächst wird die Wasserschutzbahn etwa 10 cm an Kamin oder Wand hochgeführt. Die Dachfläche wird mit Bitumenschindeln bis an die Wand oder den Kamin eingedeckt. Nun werden die Anschlussbleche und Nockenbleche fachgerecht eingebaut. Die Überdeckung der einzelnen Nocken muss mindestens der Höhenüberdeckung der Schindelgebinde entsprechen. Die das Anschlußblech anlaufenden Bitumenschindeln sind mit einer Nocke versehen. Die Nocken nur im oberen (ca. 5 cm) Bereich vernageln (nur auf der Schalung). Die auf dem Blech liegenden Bitumenschindeln werden verklebt. Auf der Wandseite werden die Nocken mittels einer Kappleiste regendicht abgesichert.

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