Dachboden-Verseuchung in den neuen Bundesländern

Auch heute noch finden sich auf Dachböden in den neuen Bundesländern extrem hohe Konzentrationen des Schädlingsbekämpfungsmittels DDT. In geringeren Konzentrationen ist ebenso das Schädlingsbekämpfungsmittel Lindan nachweisbar, das sich rascher abbaut als DDT. Dies haben Messungen des Umweltbundesamtes in insgesamt 15 Mehr- und Einfamilienhäusern im Osten Berlins und im Berliner Umland ergeben. Ursache der Belastung: Bis 1988 wurde in der ehemaligen DDR auf Dachböden und in Innenräumen das Holzschutzmittel "Hylotox 59" mit den Wirkstoffen der Schädlingsbekämpfungsmittel DDT und Lindan verwendet. In den Wohnungen unter den Dachböden und in neu ausgebauten Dachwohnungen wurden keine bedenklich hohen DDT- und Lindanwerte gemessen. Nach derzeitigem Kenntnisstand kann davon ausgegangen werden, dass keine Gesundheitsgefahren für die Bewohner bestehen. Ist ein Ausbau von Dachstühlen geplant, die mit "Hylotox 59" behandelt wurden, sollten allerdings Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden. Auch sollten DDT-belastete Dachböden vorsorglich nicht als Trockenböden oder Abstellräume genutzt werden.

DDT und Lindan in Bundesrepublik lange schon verboten


DDT und Lindan sind Nervengifte, die sich im Fettgewebe anreichern. Lindan (Gamma-Hexachlorcyclohexan) hat bei Labormäusen Lebertumore verursacht. DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) wurde vor allem wegen seiner schädlichen Umweltwirkungen in der Bundesrepublik Deutschland schon 1972 verboten. In dem Forschungsprojekt "Aktuelle DDT- und Lindan-Konzentrationen in Wohnräumen nach intensiven Holzschutzmitteleinsatz aus Dachböden in der Vergangenheit" wurden neben den Dachböden auch Wohnungen direkt unter belasteten Dachstühlen sowie ausgebaute Dachwohnungen in 15 Mehr- und Einfamilienhäusern untersucht. Die Wohnungen wurden von den Eigentümern zur Verfügung gestellt sowie von Mietern, die sich mit Gesundheitsbeschwerden oder diesbezüglichen Ängsten an die lokalen Gesundheitsämter gewandt hatten.

In einigen nicht ausgebauten Dachstühlen waren kristalline Ausblühungen von DDT am Holz zu sehen. Gemessen wurden dort bis zu 4,6 Mikrogramm Innenraumluft. Selbst lange zurückliegende Behandlungen der hölzernen Dachkonstruktion und anderer Holzteile können in Einzelfällen noch heute hohe Konzentrationen von DDT auf den Dachböden verursachen, deutlich geringere Konzentrationen wurden für Lindan ermittelt. In den - nicht nach heute üblichen Standards - ausgebauten Dachwohnungen und in den Wohnungen unter behandelten Dachböden waren die Ergebnisse dagegen unauffällig - bis auf zwei Ausnahmen. Dort erreichten die DDT-Konzentrationen in der Luft über 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das spricht für eine Holzschutzmittelanwendung direkt in diesen durch Eigenleistung in DDR-Zeiten ausgebauten Wohnungen. Der vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Vetrinärmedizin (BgW) angegebene Eingriffswert liegt bei 1 mg DDT pro Kubikmeter Innenraumluft-Konzentration. Generell wurden in den Wohnungen Mittelwerte um 0,04 Mikrogramm DDT und 0,02 Mikrogramm Lindan pro Kubikmeter Luft ermittelt.

Ähnliches gilt für die Konzentrationen der Schädlingsbekämpfungsmittel in Staub. Auf Dachböden wurden oft über 1000 Mikrogramm DDT je Gramm Staub gefunden, während die Konzentrationen in den Wohnungen 200 Mikrogramm je Gramm Staub nicht überschritten und im Durchschnitt um 20 Mikrogramm je Gramm Staub lagen. Die gemessenen DDT-Konzentrationen im Hausstaub lagen weit unter dem für Kleinkinder - die in der Regel auf dem Boden spielen und Staub über Haut und Mund aufnehmen - zulässige Werten.

Die Lindanwerte lagen in der Regel unter 1 Mikrogramm, bis auf zwei Ausnahmen, die Konzentrationen von bis zu 9 Mikrogramm je Gramm Staub aufwiesen. Selbst in den Dachböden wurden im Staub lediglich maximal 11 Mikrogramm Lindan pro Gramm Staub nachgewiesen.

Sicherheitsvorkehrungen bei Aufbau des Dachstuhls


Wer seinen Dachstuhl noch ausbauen will, sollte bestimmte Sicherheitsvorkehrungen beachten, die sich an der "Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol (PCP)-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden" orientieren. Denn die dort genannten Vorschriften helfen auch beim Umgang mit anderen schädlichen Substanzen. Um gewährleisten zu können, daß neu in ehemals behandelte Dachböden eingebaute Wohnungen allenfalls minimale Konzentrationen der früher eingesetzten Schädlingsbekämpfungsmittel ausweisen, sollten von Fachleuten

  • vor Baubeginn Altstaubablagerungen im Dachbereich sorgfältig entfernt werden,
  • die mit Holzschutzmittel behandelten Holzbauteile unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit und der statischen Berechnungen entfernt oder dampfdicht zum Innenraum abgetrennt werden,
  • die Fußbodenbretter durch einen neuen Fußboden ersetzt werden.