Bienen und Wespen machen dem Gartenbesitzer Stress

Lange Regenperioden bis in den Juni, dann mehrere Wochen Schönwetter mit Hitzerekorden — dem Gartenbesitzer wurde die Himbeer-Ernte manchmal sogar verhagelt. Dann das Hochwasser 2013 in Bayern und in den neuen Bundesländern. Und dann die Insekten, von denen die Wespen die am meisten gehassten sein dürften. Was ist zu tun, um nicht gestochen zu werden? Und was, wenn unweit Ihrer Kaffeeterrasse Wespen ein Nest in den Rollladenkasten Ihrer Terrassentür gebaut haben?

Die wichtigste Regel, die leider fast nie beachtet wird, lautet: Ruhe bewahren, es sei denn, es hat sich eine Bremse auf Ihrem Arm oder Bein nieder gelassen. Das Herumrudern mit den Armen und das Schlagen nach Bienen, Wespen und gar Hornissen nehmen diese Insekten als Bedrohung wahr und stechen zu. Mit sogar lebensbedrohlichen Folgen für Menschen, die eine Bienengift- oder Wespenallergie haben. Wenn Ihnen eine Wespe auf dem nackten Unterarm herum krabbelt — machen Sie gar nichts. Die Wespe hat kein Interesse daran, Sie zu stechen und fliegt von alleine davon, wenn sie nach einer Sekunde gemerkt hat, dass auf Ihrem Arm oder Hals nichts zu holen ist. Und krabbelt eine Biene oder Wespe auf Ihrem Kirschkuchen herum, dann nützt kein Spray (denn der Kuchen würde ungenießbar). Das „Weg fitschen“ mit der Kuchengabel fassen die Insekten als Angriff auf — sie wehren sich mit einem Stich.

hibiskusbluete_hummel.jpgHummeln sind auch Bienen, aber sozusagen die schwer­fäll­igere und dickere Abart. Manchmal haben sie ihren Pelz so dick mit Blütenstaub beladen, dass sie kaum noch fliegen können. Hummeln stechen zwar auch, aber äußerst selten und nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Stechkraft bei Hummeln ist geringer ausgeprägt, so dass es ihnen nicht immer gelingt, die Haut eines Menschen zu durchdringen. Darauf sollte man aber nicht wetten! Generell kann man sich ge­fahr­los vor einen Hibis­kus­strauch stellen und Hum­meln bei ihrer Sammelarbeit beobachten. Nicht wenige Gartenfreunde finden das lustig und die In­sek­ten fast liebenswert, wenn sie behäbig von Blüte zu Blüte taumeln. Beim „Hummelflug“, wie ihn Rimski-Korsakow genial komponiert hat, besteht also keine Gefahr.

Bienen sind für unsere Vegetation unverzichtbar. Kein Obst in unseren Gärten, wenn Bienen die Blüten nicht bestäuben würden. Und kein Honig auf unseren Frühstückstischen, wenn es keine Bienen gäbe. Ohne Schutzhemden und Hauben nähert sich kein Imker einem Bienenstock. Napoleon hat zwar die Biene zu seinem Wappentier gemacht, hielt sich aber von Bienenstöcken fern. So wie Papst Urban VIII, der gleich drei Bienen in seinem Wappen vereinigte. Der Bienenstich, wie er in den Bäckereien als Gebäck angeboten wird, mag durchaus schmackhaft sein — ein richtiger Bienenstich ist es nicht. Es sind erfreulicherweise nicht die Bienen, die sich gerne in menschliche Gesellschaft begeben, es sind dies die Wespen. Von einer Biene, die sich auf Ihren Balkon verirrt hat, geht also keine Gefahr aus.

Wespen sind wie die Bienen sehr nützliche Insekten, können aber eine wirkliche Bedrohung sein, denn sie haben nicht nur die Neigung, immer dann aufzutauchen, wenn etwas Süßes auf dem Tisch liegt, sondern sie neigen auch dazu, in Rollladenkästen, Dachvorsprüngen und Holzstapeln ihre Nester zu bauen. Wie man Wespennester am Haus und im Garten beseitigt, darüber hat die Redaktion von baumarkt.de einen ausführlichen Beitrag verfasst. Und nicht nur das: Es wurde auch eine Anleitung zum Selbermachen über eine Wespenfalle aus der Plastikflasche ins Netz gestellt. Solche Fallen sind bei einzelnen Störenfrieden durchaus ein passables Mittel. Und es soll auch coole Typen geben, die blitzschnell eine Wespe mit der Kuchengabel zerquetschen. Appetitlich ist das nicht und Naturfreunde werden bei solchem Tun sicherlich Protest erheben. Eher ist es ratsam, neben der Kaffeetafel einen Staubsauger aufzustellen und die Wespen wegzusaugen. Bei Wespennestern ist natürlich in erster Linie die Hilfe eines Schädlingsbekämpfers sinnvoll — und das ist auch gesundheitsfördernd für den Gartenbesitzer. Denn sechs oder acht Wespenstiche sind ein marmelade-schinken.jpgGrund, auch wenn man kein Bienenallergiker ist, einen Arzt aufzusuchen. Ein relativ humanes Mittel (sofern man bei Wespen überhaupt von Humanität sprechen kann) ist das Weglocken. Das Verfahren kennt jeder, der eine Außengastronomie betreibt. Man stellt weit weg vom Esstisch ein Tischlein auf, auf dem man eine Scheibe gekochten Schinken und ein kleines, geöffnetes Töpfchen Marmelade deponiert (siehe Foto). Wespen stehen auf süße Marmeladen und auf Fleisch, sie sind also, was die Aufnahme von Nahrungsmitteln betrifft, den Menschen nicht unähnlich. Dass es Menschen gibt, die flugs den Deckel auf das Töpfchen schrauben, wenn sich nur genügend Wespen eingefunden haben und auf diese Weise die Wespen umbringen, ist eine Tatsache — für den Naturfreund eine Niedertracht, für den Wespenfeind ein martialisches Freudenfest.

Hornissen bilden wie die Bienen oder Wespen eigene Staaten. Sie sind die größten Insekten aus der Familie der Wespen. Und damit sind wir auch bei einem weit verbreiteten Aberglauben.zeichnung_hornisse.jpg Hornissenstiche sind nicht gefährlicher als Wespenstiche, wohl schmerzhafter, weil Hornissen einen längeren Stachel haben und damit tiefer in die Hautschichten eindringen können. Aber dass ein Mensch von drei und Pferde von sieben Hornissenstichen sterben können, ist absoluter „volkstümlicher“ Blödsinn. Hornissennester sind in deutschen Gärten relativ selten. Die Hornissen unterscheiden sich von Bienen und Wespen nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch eine sehr schmale „Wespentaille“ zwischen „Oberkörper“ und „Unterleib“. Auch sie haben in unserer Flora eine Daseinberechtigung, lassen Garten­be­sitzer aber leicht in Panik geraten. In tropischen Ferien­bun­ga­lows kleben solche Nester häufig unter dem Dach. Die Einheimischen fackeln nicht lange und stürzen sich mit Gartenspritzen, die mit Benzin oder Petroleum gefüllt sind, auf die Insekten. Solche Radi­kal­me­thoden sollte man in Deutschland vermeiden und einen Schädlingsbekämpfer herbei holen.

Bremsen sind gut als lebendes Vogelfutter, ansonsten aber ekelhafte Biester und dazu auch noch Überträger verschiedener Krankheiten. Mit Bienen oder Hornissen sind sie nicht verwandt, wohl aber mit Fliegen. Man kann sie leicht erkennen an ihrem grauen Körper. Angelockt werden die blutsaugenden Weibchen durch Schweiß, während die Männchen ganz harmlos Nektar aus Blüten saugen. Da sieht man es mal wieder — auch bei den Mücken stechen nur die Weibchen! Die Feministinnen haben dieses Thema bis heute nicht aufgearbeitet, möchten wir satirischer Weise hinzu fügen. Nun denn: Sobald sich eine Bremse auf Arm oder Bein niedergelassen hat, sofort draufschlagen. Ist man erst einmal gestochen, helfen Juckreiz stillende Cremes (oder auch nicht).

Foto: www.fotoatelier-schmacher.de