Baumängel - so lassen sich die schlimmsten vermeiden

Fehler macht jeder, das ist unvermeidlich. Deshalb ist es nur natürlich, dass auch Bauhandwerker Fehler machen. Solche Baumängel sollten allerdings nicht zu groß sein und rechtzeitig bemerkt werden. Dafür ist eine regelmäßige Kontrolle während des Bauvorgangs notwendig. Unterstützung sollte man sich dabei von einem Experten holen. Der kostet zwar Geld, hilft aber möglicherweise auch eine Menge Geld einzusparen.

In den letzten Jahren wies im Durchschnitt jeder kontrollierte Neubau nach Erhebungen des Bauherren-Schutzbundes (BSB) 10 bis 20 Baumängel auf. Etwa ein Viertel der Bauschäden hat einen Wertumfang von 15.000 bis 30.000 Euro. Insgesamt werden für Nachbesserungsarbeiten jährlich Milliardenbeträge ausgegeben. Bauherren, die am falschen Ende sparen, zahlen dabei häufig drauf. Feuchte Wände, rostende Rohre oder klaffende Fugen sind die Folge falschen Geizes. Handwerker und Bauunternehmer unterbieten sich, um im Wettbewerb bestehen zu können, gegenseitig im Preis. Sparen kann der Unternehmer nur an zwei Dingen, am Material, am Lohn oder an beidem. Dass dabei die Qualität auf der Strecke bleibt, kann sich jeder an zwei Fingern ausrechnen. Die Preistreiberei hat zudem die Folge, dass immer mehr Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Dann fängt der Ärger für den Bauherren erst richtig an. Falls er bereits Vorauszahlungen geleistet hat, kann er sein Geld abschreiben. Zudem muss er sich einen neuen Handwerker suchen. Dabei geht wertvolle Zeit verloren.
 
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Baumängel lauern überall, wie der Verband privater Bauherren (VPB) herausgefunden hat. Die Hauptmängel beim Neubau liegen vor allem in der mangelhaften Ausführung von Kellern und Außenwänden. Allein 87 Prozent der von Sachverständigen des VPB begutachteten Keller sind mangelhaft ausgeführt und unzureichend abgedichtet. Fast drei Viertel aller Häuser sind schlecht gedämmt und 60 Prozent aller vom VPB geprüften Außenwände sind bautechnisch nicht korrekt ausgeführt. Vor allem bei den Anschlüssen wird der Bauherr laut Verband regelrecht über den Tisch gezogen. Als Laie hat er es auch schwer, Kältebrücken oder nicht winddichte An- und Abschlüsse zu erkennen. Schäden in diesen Bereichen lassen sich nur mit erheblichem technischen und damit kostspieligem Aufwand wieder beheben. Bei Altbauten ist eine veraltete Haustechnik die häufigste Mängelursache. Auch bei der Wärmedämmung mangelt es mit 70 Prozent Mängeln gewaltig. Zudem bereiten bei Altbauten zwei Drittel aller Keller Probleme und mehr als die Hälfte aller untersuchten Dächer.
 
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Vermeidung von Baumängeln durch Planung oder Baukontrolle



Viele Baumängel lassen sich durch eine bessere Planung des Bauvorhabens oder durch stärkere Baukontrolle vermeiden. Das fängt bereits mit der Baubeschreibung an. Dort sollten Konstruktion und Materialien aller Hausteile stehen. Ist etwas anders ausgeführt als beschrieben, liegt ein Mangel vor. Die Bandbreite reicht von zu hellen oder zu dunklen Fliesen fürs Badezimmer über die falsche Farbe des Putzes bis hin zu fehlender Drainage ums Haus. Je detaillierter die Baubeschreibung, desto weniger Streitpunkte und Nervenbelastung gibt es für alle Beteiligten. Mehr zum Thema Leistungsbeschreibung beim Hausbau finden Sie in einem gesonderten Beitrag. Wer sich ein gebrauchtes Haus kauft, der sollte sich unbedingt vor Vertragsabschluss ein Gutachten ausarbeiten lassen, rät der VPB. Dann weiß der Käufer, was an Modernisierungskosten noch auf ihn zukommt, zusätzlich zum reinen Kaufpreis und den nicht unerheblichen Nebenkosten.

Während der ganzen Bauphase sollte zudem eine genaueste Kontrolle erfolgen. Je früher ein Fehler entdeckt wird, desto einfacher lässt er sich beseitigen und desto weniger Geld kostet es in aller Regel. Der Bauherr sollte nach jedem Bauabschnitt die Arbeiten daher selber anschauen. Dabei sollte auch immer der Vergleich mit der Baubeschreibung angestellt werden. Wenn etwas merkwürdig vorkommt, sollte Architekt, Bauleiter oder ein anderer Experte hinzugezogen werden. Dabei lässt sich einfacher argumentieren, wenn der Bauherr ein schriftliches Protokoll (wann wurde was von wem gemacht?) und Fotos (wie sieht es aus?) gemacht hat. Bei der Beurteilung von technischen Mängeln sollte ein unabhängiger Experte herangezogen werden. Der Bauherr kann aber auch die gesamte Fehlersuche an einen unabhängigen Gutachter abgeben. Gegen Gebühr bieten der Technische Überwachungsverein (TÜV), der Verband Privater Bauherren (VPB), der Deutsche Kraftfahrzeugüberwachungsverein (Dekra), der Bauherren-Schutzbund (BSB), die Verbraucherzentralen und vereidigte Sachverständige der IHK's solche Dienste an.

Hausbau vom Fachmann begleiten lassen



Wer ganz auf der sicheren Seite liegen möchte, sollte den gesamten Hausbau von einem unabhängigen Architekten oder Bauingenieur begleiten lassen. Ein Bauleiter wird bei jedem genehmigungspflichtigen Bauvorhaben sowieso benötigt, da empfiehlt es sich einen unabhängigen Experten zu nehmen. Kommt der Bauleiter vom Bauunternehmen, ist die Unabhängigkeit nicht unbedingt gewährleistet. Der Bauleiter sollte bereits bei der Planung mit einbezogen werden und überprüfen, ob die Baubeschreibung technisch einwandfrei ist. Weiterhin steht er dem Bauherrn bei den einzelnen Abnahmen während der Bauphasen und der unabhängigen Schlussabnahme zur Seite und vertritt seine Interessen auf der Baustelle. Er trägt die Verantwortung, dass die Bauausführung den genehmigten Plänen entspricht. Weiterhin beantwortet er Fragen der Handwerker und schaut ihnen auf die Finger. Die Baukontrolle für ein Eigenheim kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Der TÜV zum Beispiel verlangt 0,8 bis 1,1 Prozent der Baukosten, der Verband privater Bauherren berechnet pro Stunde rund 90 Euro. Auf den ersten Blick mag das einem vielleicht viel vorkommen, aber wenn man bedenkt, dass es 25.000 Euro kosten kann, einen feuchten Keller nachträglich von außen abzudichten, ist das sicherlich eine sinnvolle Investition. Zumal sich ein geprüftes Haus besser verkaufen lässt.

Wenn der Baumangel aber nun doch eingetreten ist…



Wenn der Baumangel nun aber doch eingetreten ist, denn nicht jeder baubegleitende Fachmann ist von morgens bis abends auf der Baustelle, was dann? Im Schadensfall gilt es, schnell zu handeln und eine dezidierte schriftliche Mängelrüge an den Bauunternehmer oder Handwerksbetrieb los zu lassen. Geht der auf nichts ein und zeichnet sich eine gerichtliche Auseinandersetzung ab, sollte der Bauherr über einen Fachanwalt für Baurecht vor Gericht ein selbstständiges Beweisverfahren beantragen. - cu