Baufirma pleite - wie kann man sich schützen?

Jahr für Jahr gehen Tausende von Baufirmen pleite. Das ist natürlich schlimm für die betroffenen Mitarbeiter der Bauunternehmen. Schlimm kann es aber auch für den privaten Häuslebauer kommen, denn oft steckt das ganze Vermögen und noch mehr in dem Neubau. Eine Pleite der Baufirma zieht dann häufig eine private Pleite nach sich. Das gilt vor allem dann, wenn schon Vorauszahlungen für Arbeiten geleistet wurden, die überhaupt noch nicht erbracht wurden. Doch nicht nur der Konkurs der Baufirma vor Fertigstellung des Hauses ist ein Problem, auch danach kann der Bauherr auf seinen Kosten sitzenbleiben. Dann nämlich, wenn sich nach Fertigstellung Mängel herausstellen. Zwar besteht eine Gewährleistungspflicht, doch wenn das Bauunternehmen zwischenzeitlich in Konkurs gegangen ist, muss der Bauherr die Kosten der Mängelbeseitigung selbst tragen.

Raten nach Baufortschritt zahlen


Nun stellt sich natürlich die Frage, wie sich ein Bauherr davor schützen kann. Der erste Grundsatz sollte lauten, dass der Bauherr die Raten nach Baufortschritt bezahlen sollte. Keinesfalls sollte er sich auf einen Vertrag einlassen, der beinhaltet, dass ein Viertel oder gar die Hälfte der Kosten vor Baubeginn bezahlt werden müssen. Das Geld des Bauherren ist im Falle einer Pleite dann sehr wahrscheinlich verloren. Aber auch wenn der Bauherr die Raten nach Baufortschritt bezahlt hat, wird er bei einer Insolvenz wahrscheinlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Wenn ein anderes Bauunternehmen beauftragt werden muss, ist das mindestens zehn bis zwanzig Prozent teurer. Hinzu kommt noch die verlorene Zeit, die ebenfalls Kosten, wie zum Beispiel in Form einer länger zu bezahlenden Miete, verursacht.

Steht die Baufirma vor Insolvenz?


Es ist also auf alle Fälle mehr als unangenehm, wenn die Baufirma während der Bauzeit pleite geht. Man sollte sich daher vorher genau erkundigen, ob die Baufirma nicht kurz vor der Insolvenz steht. Zum Beispiel kann die eigene Bank bei der Schufa Auskunft über die finanziellen Verhältnisse einholen. Weiterhin sollte der Bauherr auf einer Erfüllungsbürgschaft bestehen. Übergibt der Bauunternehmer eine Erfüllungsbürgschaft seiner Bank, dann ist der Bauherr im sicheren Bereich. Die Bank zahlt an ihn dann das Geld, wenn der Vertrag nicht erfüllt wird - beispielsweise dadurch, dass der Bauunternehmer nach dem ersten Spatenstich Pleite macht. Verweigert die Bank dem Bauunternehmen allerdings so eine Bürgschaft, ist dies ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht stimmt und man von solch einem Unternehmen besser die Finger lässt. Noch ist solch eine Erfüllungsbürgschaft keine Pflicht, auch wenn die Verbraucherverbände dies fordern.

Bauvertrag möglichst exakt formulieren


Wichtig ist auch, den Bauvertrag samt Bau- und Leistungsbeschreibung so exakt wie möglich zu formulieren. Denn Kunden werden von Baufirmen oft im Rahmen des rechtlich gerade noch Zulässigen benachteiligt, wie eine Überprüfung von 250 Bauverträgen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ergab. Die Verträge sind häufig so gestrickt, dass unerfahrene Kunden beim Bauen immer wieder hohe Zusatzkosten schlucken müssen, die sie bei Vertragsabschluss nicht erkennen konnten. Das Angebot sollte in diesem Fall von einem Baurechtler (Anwalt, Verbraucherzentrale oder Archtiekt) überprüft werden. Dieser kann Gefahrenpunkte aufdecken, bevor der Bauvertrag unterschrieben wird.

Doch auch wenn der Bauherr Experten zur Bauüberwachung zur Seite stehen hat, sollte er so häufig wie möglich persönlich kontrollieren. Wie sagt doch das Sprichwort: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Vorsicht ist auch bei unerklärlichen Zeitverzögerungen angesagt. Sie könnten erste Anzeichen für eine drohende Insolvenz sein.