Schritt-für-Schritt-Anleitung - Vesperbretter in zwei Varianten

vesperbrett1.gif Wer hart arbeitet, benötigt häufiger eine Pause und etwas anständiges zu Essen. Eine zünftige Brotzeit ist da genau das Richtige. Richtig zünftig wird es allerdings nur mit dem passenden Geschirr - aus Plastik sollte es daher nicht sein. Ein Vesperbrettchen aus Holz muss es schon sein beim Verzehr von Hausmacher Wurst und anderen Leckereien. Noch besser schmeckt die Brotzeit, wenn man das Vesperbrettchen zuvor selbst getischlert hat. Wir stellen Ihnen daher zwei Varianten von Brettchen vor, einmal rund, einmal eckig, wie es einem gefällt. Beide Varianten werden hier in massivem Teak vorgeschlagen, weil dieses Holz einen eigenen Ölgehalt hat und somit besonders haltbar im Kontakt mit Feuchtigkeit ist. Alternativ kann aber auch gut abgelagertes Buchenholz oder Eiche verwendet werden. In unserem Holzlexikon werden die verschiedene Holzsorten und ihre Eigenschaften vorgestellt.


Variante 1: Rundes Vesperbrettchen tischlern


Bei dieser Variante sollte man sehr geübt im Umgang mit der Oberfräse und entsprechendem Zubehör sein!

1. Schritt - Umrisse anzeichnen


Nehmen Sie das Brett mit den Maßen 380 x 280 mm und ziehen Sie einen Bleistiftstrich über die gesamte Breite; genau in der Mitte bei 140 mm. Reißen Sie nun bei ca. 150 mm von einer kurzen Außenkante her einen Kreuzpunkt an. Mit Hilfe eines Zirkels wird an diesem Kreuzpunkt ein Kreis mit dem Radius von 130 mm geschlagen.

Der Griff des Brettchens ist insgesamt 100 mm lang und endet in einem kleineren Kreis. Von dem Punkt, wo der bereits gezeichnete große Kreis die Halbierungslinie des Brettchens kreuzt, sind es 70 mm bis Mitte Loch für den Innenkreis mit Ø 20 mm und für den Außenkreis mit Ø 60 mm (siehe Zeichnung).

Reißen Sie beide Kreise an und ziehen Sie zwischen großem und kleinem Kreisbogen einen Verbindungssteg mit einer Breite von 30 mm. An den vier Punkten, wo der Verbindungssteg die Kreisbögen trifft, zeichnen Sie Rundungen mit einem Radius von 20 mm an, um einen handschmeichelnden Übergang zu schaffen.

2. Schritt - Umrisse mit Band- oder Stichsäge ausschneiden


Wenn alle Umrisse aufgezeichnet sind, wird die Form des Vesperbrettchens mit Hilfe einer Band- oder Stichsäge sauber ausgeschnitten. Damit die gerundeten Übergänge am Steg des Griffes sauber ausgeschnitten werden, kann hier vorab mit einem Bohrer Ø 40 mm gearbeitet werden.

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3. Schritt - mit Oberfräse Rundungen ausfräsen


Und nun sind die Könner gefragt. Um die Rundungen sauber auszufräsen, brauchen Sie eine Oberfräse mit Stangenanschlag. Die Stange sollte an einem Ende ein kleines Loch haben (falls nicht, bohren Sie es), damit ein Nagelköpfchen hineinpasst. Der Nagel wird in den Kreismittelpunkt des Brettchens geschlagen. Mit Hilfe der Rändelschraube am Stangenanschlag wird der Radius des zu fräsenden Kreises eingestellt. Der Fräskopf ist gerade (ohne Zierprofil) und wird so eingestellt, dass er zunächst nur etwas mehr als die Hälfte der Materialstärke abträgt - in unserem Fall ca. 10 mm.

4. Schritt - beide Seiten fräsen


Wenn die Oberfräse entsprechend eingestellt ist, spannen Sie das Werkstück sicher auf Ihre Werkbank und fräsen zunächst die Umrisse von der einen Oberfläche des Brettchens. Dann wird das Brett umgedreht und von der anderen Seite gefräst.

Achten Sie dabei darauf, dass die Kreismittelpunkte exakt übereinander liegen! Der Nagel wird verwendet, weil wir in diesem Fall nicht durchbohren können! Beim kleineren Kreis am Griff kann eventuell auch eine Kopierhülse (falls vorhanden) verwendet werden, denn hier wird der Innenkreis mit Ø 20 mm als Aufhängung später durchgebohrt.

5. Schritt - Vertiefung am Rand fräsen


Nach Bedarf kann auf der Oberseite des Brettchens 10 mm vom Rand noch eine Vertiefung zum Auffangen von Flüssigkeit gefräst werden. Dieses "Rinnsal" ist 10 mm breit und ca. 4 - 5 mm tief.

6. Schritt - Vesperbrett schleifen


Wenn alle Umrisse sauber ausgefräst sind, wird das Brettchen geschliffen. Die Kanten werden mit Hilfe einer feinen Feile rundum gebrochen und dann auch geschliffen.

Mit der Feile können auch die Stellen noch nachgearbeitet werden, wo die Fräse eventuell nicht hinkam. Das Vesperbrettchen erhält keine Oberflächenbehandlung und sollte nur per Hand (nicht in der Spülmaschine) gespült werden.

Variante 2: Eckiges Vesperbrett tischlern



1. Schritt - Maße auf Brett einzeichnen


Nehmen Sie ihr Brett mit den Maßen 300 x 190 mm und reißen Sie die Endmaße des Brettchens mit 280 x 170 mm an. Zeichnen Sie in den vier Ecken außerdem die Rundungen mit einem Radius von 20 mm ein.

In der linken oberen Ecke wird der Kreismittelpunkt für den "Eierbecher" ermittelt; 30 mm von links und 30 mm von oben.

Außerdem wird die Vertiefung für das Messer angerissen; 18 mm von der Oberkante, 25 mm breit und ca. 230 mm lang (siehe Zeichnung).

2. Schritt - Umrisse zuschneiden


Schneiden Sie mit Hilfe einer Band- oder Stichsäge die genauen Umrisse des Brettchens aus. Bohren Sie dann mit einem Bohrer Ø 35 mm das Loch für das Frühstücksei.

Spannen Sie das Brettchen sicher auf Ihre Werkbank und fräsen Sie anhand einer Oberfräse die Vertiefung für das Messer ca. 10 mm tief. Vorher kann die Rundung beim Abschluss rechts sauber mit einem Bohrer Ø 25 mm auch ca. 10 mm tief vorgebohrt werden.
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3. Schritt - Kanten brechen, Rundungen feilen


Spannen Sie das Brettchen so in Ihre Werkbank ein, dass Sie die Rundungen mit einer feinen Feile sauber nacharbeiten können. Je genauer vorher geschnitten wurde, desto weniger muss nachgearbeitet werden. Dann wird das Brett geschliffen, die Kanten werden gebrochen und es kann in Gebrauch genommen werden! Auch hier ist keine weitere Oberflächenbehandlung nötig.

Materialliste für die Vesperbrettchen

Variante 1 für je ein Brett:  
1 Stück Teak, Buche oder Eichebrett 380 x 280 mm 18 mm stark
 
Variante 2 für je ein Brett:  
1 Stück Teak, Buche oder Eichebrett 300 x 190 mm 18 mm stark