Bauanleitung: Stelzen mit verstellbarem und nicht verstellbarem Auftritt

stelzen01.jpgStelzen sind heute nur noch als Kinderspielzeug oder für Showeinlagen bekannt. Ursprünglich hatten sie jedoch einen ganz praktischen Nutzen. Mitte des 19.Jahrhunderts fragten sich Schafhirten an der französischen Atlantikküste: "Was tun, wenn man ständig nasse Füße bekommt und zu klein ist, um über Hecken und Gestrüpp zu schauen?" Man baut sich einen Turm, den man mitnehmen kann. So entstanden die ersten Stelzen. Zwei Stelzen unter die Beine und eine dritte Stelze zum Draufsitzen. Vielleicht haben aber die Franzosen das auch bei den Holländern abgeschaut. So genau weiß man es nicht. 

Praktisch war auch, dass von der Stelzen-Position aus anschleichende Wölfe leicht auszumachen waren. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf kaiserlichen Erlass die karge Heidelandschaft mit Kiefernschonungen aufgeforstet und das Gebiet trockengelegt, da war es mit den Stelzen auch bald vorbei. Aber um ihren Lebensunterhalt aufzubessern, begannen die Schäfer ihre Stelzen-Kunst als Showeinlagen und in Sport-Wettbewerben zu vermarkten. Als Preise erhielten diese Stelzenfiguren Naturalien. Bis heute ist der Stelzen-Sport in Frankreich weit verbreitet.

Hierzulande sind Stelzen hauptsächlich bei Kindern sehr beliebt. Das Laufen mit Stelzen stellt eine besondere Anforderung an das Gleichgewichtsvermögen von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Viele geben leider nach den ersten mißlungenen Versuchen wieder auf und stellen die Stelzen beiseite. Doch gerade für Heranwachsende ist das Stelzenlaufen ein wichtiges Training. Der für eine bessere Motorik und eine ideale Möglichkeit, den Gleichgewichtssinn exzellent zu fördern. Darum sollte man Kinder und Jugendliche dazu anhalten, weiter zu üben. Am besten eignen sich verstellbare Stelzen, deren Trittfläche mit der Zeit erhöht werden können. 

Möchte man es einfach nur mal schnell ausprobieren, kann man auch fest verschraubte Stelzen verwenden. Mit unserer Bauanleitung bieten wir Ihnen beide Möglichkeiten. Stelzen sollten aus massivem Buchenholz gefertigt werden, wobei der Stelzenfuß aus einem Stück sein sollte. Bei verleimten Verbindungen kann Bruchgefahr nicht ausschlossen werden.

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Stelzen bauen

Wir haben Buchenholz mit den Maßen 30 x 60 mm mit einer Länge von 1780 mm gewählt. Im oberen Bereich werden die Stelzen, wie auf der Zeichnung zu erkennen ist, mit einem Zapfen versehen. Welche verschiedenen Möglichkeiten der Verbindung es gibt, können Sie hier nachlesen. Die Fußkanten erhalten eine Fase von 10 mm x 45°.

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Der Griff erhält den dazu passenden Schlitz. Der Griff ist abgerundet, damit man sich nicht durch scharfe Kanten und Ecken verletzen kann. Die Maße werden auf das Holz übertragen, ausgesägt und alle unebenen Kanten glattgeschliffen. Nachdem der Schlitz gefräst und mit dem Zapfen zusammengefügt worden ist, werden die Bohrungen für die Befestigung vorgenommen. In die Bohrungen kommen 8 mm geriffelte Holzdübel, die verleimt werden. Die überstehenden Enden werden nach dem Trocknen des Leimes abgesägt und feingeschliffen. Dann erst wird die Außenkante von Schaft und Griff abgerundet.

Für die festverschraubten Stelzen werden zwei Fußteile nach Zeichnung gefräst und mit drei unterschiedlich langen Holzschrauben mit dem Schaft verschraubt. Die Höhe der Befestigung sollte sich nach der Größe der Person und der Sicherheit beim Stelzenlaufen richten. 

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Besser geeignet für eine längerfristige Verwendung der Stelzen ist der verstellbare Auftritt. Am besten wird er, wie schon am Anfang erwähnt, aus einem massiven Holzstück gefräst.

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Ist das nicht möglich, sollten Sie den Auftritt aus jeweils drei Teilen fertigen: den beiden Seitenteilen und dem Mittelteil. Die drei Einzelteile sollten Sie auf jeden Fall mit nichtrostenden Holzschrauben, Holzleim und Holzdübeln miteinander sicher und fest verbinden. 

Die Auftritte bekommen zwei Bohrungen zum Verstellen, die passend zu den Bohrungen am Schaft jeweils mittig 150 mm voneinander entfernt liegen. Die Bohrungen am Schaft haben einen Mittenabstand von jeweils 50 mm.

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Bei den Bohrungen am Schaft sollten Sie darauf achten, dass diese durch die schmalen Seiten des Schafts gehen, also im rechten Winkel zum Griff gebohrt werden. 

Die Auftritte werden mit Verstellschrauben, Hutmuttern und Unterlegscheiben am Schaft befestigt. Zum Schluss sollten Sie alle Holzteile mit Hochschutzlack versiegeln. Die Schaftenden sollten zum Schutz Kunststoff- oder Gummikappen erhalten.

Materialliste

Nr.StückBenennungMaßeMaterial
Nicht verstellbare Stelzen:
12Schaft30,0x 60,0x 1780,0 mmBuche massiv
22Auftritt40,0x 110,0x 200,0Buche massiv
32Griff30,0x 62,0x 150,0 mmBuche massiv
44Holzdübel8,0x 40,0 mmBuche
51Holzschraube-Senkkopf5,0x 90,0 mmRostfrei A2
61Holzschraube-Senkkopf5,0x 80,0 mmRostfrei A2
71Holzschraube-Senkkopf5,0x 60,0 mmRostfrei A2
112Kunststoffkappen60 x 30 x 40 mm 
  Zu bekommen bei: http://webshop.b-plastic.com/ Nr.: TKV 60/30/40  
Holzleim, Hochschutzlack
 
Verstellbare Stelzen:
12Schaft30,0x 60,0x 1780,0 mmBuche massiv
22Auftritt Buche massiv
2a4Seitenteile Buche massiv
2b2Mittelstück Buche massiv
 12Holzschraube4,0x 30,0 mmRostfrei A2
 12Holzdübel6,0x 30,0 mmBuche
32Griff30,0x 62,0x 150,0 mmBuche massiv
44Holzdübel8,0x 40,0 mmBuche
84LappenschraubeM8x 100Stahl rostfrei
94HutmutterM 8DIN 1587 A2
108Unterlegscheiben8,4DIN 125 A2
112Kunststoffkappen60 x 30 x 40 mm 
  Zu bekommen bei: http://webshop.b-plastic.com/ Nr.: TKV 60/30/40  
Holzleim, Hochschutzlack

Anleitung zum Stelzenlaufen

Die ersten Schritte:

Die Stelzen werden an die Wand gelehnt und die Kinder stellen sich mit dem Rücken an die Wand. Die Kinder umfassen die beiden Stangen von vorne und steigen vorsichtig auf, wobei beide Stangen immer noch an der Wand anliegen. Das Kind löst vorsichtig die Verbindung zur Wand und balanciert das eigene Gleichgewicht aus. Der Körper ist möglichst weit aufzurichten und die Körperspannung einzuhalten. Schritt für Schritt wird beim Gehen das jeweilige Bein entlastet bzw. das Körpergewicht verlagert.

Aufsteigen mit Hilfe:

Anstatt die Stelzen an die Wand zu lehnen, kann auch eine Person die Stelzen halten, während das Kind aufsteigt und die ersten Schritte unternimmt. Der Helfer kann dabei die beiden Stangen immer festhalten und die ersten Schritte mitgehen.