So baust du in 13 Schritten ein Solitär Holz-Brettspiel

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Solitär ist ein altes Brettspiel für einen Spieler. Das Wort Solitär leitet sich aus dem lateinischen solus=allein her. Es wird auch Solitaire, Steckhalma, Solohalma, Springer, Jumper, Nonnenspiel oder Einsiedlerspiel genannt. Solitär ist das klassische Einsiedlerspiel für Tüftler. Mit unserer Bauanleitung können Sie sich so ein Tüftelspiel selber tischlern. Es eignet sich für ruhige Stunden zu Hause, aber auch für eine Bahnfahrt oder für einen Cafebesuch, einfach für unterwegs, da die Spielsteine sich im Innern des Kastens befinden. Spielfeld ist der Deckel, der sich herausziehen lässt.

Die Spielregeln für Solitär

Es gibt 32 Spielfiguren in Stäbchenform und 33 Löcher. Die Löcher sind kreuzförmig angeordnet. Zu Beginn des Spiels werden alle Spielfiguren in die Löcher gesteckt. Lediglich das Loch in der Mitte bleibt frei. Spielzüge laufen folgendermaßen ab: Mit einer Spielfigur muss eine andere Spielfigur auf ein freies Feld übersprungen werden. Die übersprungenen Spielfiguren werden entfernt. Das Spiel ist zu Ende, wenn keine Spielfigur mehr übersprungen werden kann. Im Idealfall bleibt somit nur noch eine Spielfigur stehen. Der kürzeste Weg führt mit 18 Zügen zum Ziel.

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Als Holzart eignen sich Rüster (Ulme) und Wenge. Falls diese Hölzer nicht zu bekommen sind, kann man auch ruhig auf andere Holzkombinationen ausweichen. Als Kontrasthölzer bieten sich gut Esche und Wenge, Kirschbaum und Nussbaum oder Nussbaum und Ahorn an. Auf jeden Fall sollten die Hölzer trocken sein. Zur Herstellung des Spiels benötigt ein versierter Heimwerker etwa 6 bis 10 Stunden. 

Solitär bauen

1. Schritt:

Als erstes werden Boden, Deckel (Spielbrett) und der Rand (Umleimer) auf das genaue Maß zugeschnitten. Die Umleimer sollten jetzt noch nicht abgelängt oder schräg geschnitten werden, sondern vorerst als eine Leiste von etwa 1000 mm bis 1200 mm Länge bleiben.

2. Schritt:

Im zweiten Schritt wird die Vertiefung, also der Aufbewahrungsraum für die Spielfiguren im Boden hergestellt. Dazu wird der Boden in die Hinterzange der Hobelbank eingespannt und die Umrisse der Vertiefung werden aufgezeichnet. Danach wird die Vertiefung mit der Hand-Oberfräse grob oder mit Hilfe einer Kopierhülse und einer Schablone exakt gefräst. Dabei sollt man von der Mitte nach außen arbeiten! Notfalls muss mit einem Stecheisen nachgearbeitet werden.

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Soll die Vertiefung ganz mit dem Stecheisen ausgestemmt werden, funktioniert das vereinfacht folgendermaßen: 

  1. Das Stecheisen wird mit der Fase zur Vertiefungsinnenseite angesetzt, etwa 1 bis 2 mm neben dem Riss (Bleistiftstrich). Dann wird leicht angeschlagen.
  2. Der Span wird leicht angehoben.
  3. Zunächst wird rundum auf volle Tiefe gearbeitet. Erst danach wir die gesamte Fläche bis zum Grund ausgestemmt.
  4. Anschließend wird die Kontur mit einem scharfen Stecheisen exakt am Riss nachgestochen.
  5. Im letzten Arbeitsgang wird der Boden mit Grundhobel und Stecheisen geglättet.

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3. Schritt:

Deckel erhält auf der Unterseite eine Nut, damit er nicht ganz herausgezogen werden kann. In diese Nut greift später der Stoppdübel. Zur Arbeitserleichterung kann man die Hand-Oberfräse benutzen. Aber auch mit dem Vorbohren von mehreren Bohrungen in einer Reihe auf die vorgegebene Tiefe und anschließendem Ausstemmen mit dem Stecheisen kann man zu einem durchaus guten Ergebnis kommen(siehe Skizze). Es sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass die Nut keine Lochreihe für die Spielfiguren verletzt. Die Nut liegt deshalb außerhalb der Mitte.

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4. Schritt:

Es werden nun Deckel und Boden so gefälzt, dass eine umlaufende Feder entsteht. Damit Maßtoleranzen nicht so stark auffallen, erhält der Deckel eine zusätzliche Schattennut. Es ist ganz wichtig, dass immer zuerst das Querholz bearbeitet wird. Dabei entstehende Ausrisse werden bei der anschließenden Längsholz-Bearbeitung weggefräst. 

Das Spielbrett, also der Deckel, erhält zusätzlich eine umlaufende Nut, in die die Spielfiguren beim Spiel abgelegt werden können. Mit der Oberfräse wird diese rundherum nach Zeichnung ca. 12 mm breit gefräst. Es kann natürlich auch auf diese Nut verzichtet werden.

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5. Schritt:

Danach werden die Vertiefungen für die Spielfiguren aufgerissen und gebohrt. Mit einer Ständerbohrmaschine lässt sich die benötigte Tiefe genau einstellen. Wird mit der Handbohrmaschine gearbeitet, sollte man sich einen  einfachen Tiefenbegrenzer bauen, damit alle Bohrungen die gleiche Tiefe erhalten. Dazu wird achsparallel ein Klötzchen mit quadratischem Querschnitt ( 20 x 20 mm) durchbohrt, das etwa 20 mm kürzer als die Bohrerlänge ist. Die exakte Bohrerlänge wird erzielt, wenn man das Klötzchen über den Bohrer stülpt und dieser mehr oder weniger weit ins Futter gespannt wird. Der Tiefenbegrenzer sollte beim Bohren festgehalten werden, damit er keine Spuren auf dem Werkstück hinterlässt. Solche Spuren müssen später mühsam weggeschliffen werden. 

Als Alternative zu den Spielfiguren in Stäbchenform kann man auch Kugeln aus Holz oder Glasmurmeln in einheitlicher Größe benutzen. Dann reicht es aus, die Vertiefungen für die Kugeln nur anzusenken (siehe Skizze).

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6. Schritt:

Die Umleimer (Randbefestigung) können gut mit der Fräse oder Kreissäge genutet werden. 

Achtung! Diese Arbeit ist nicht ungefährlich! Deshalb sollte die Leiste 1000 mm bis 1200 mm lang sein. So kann man sie besser handhaben. 

Die Nuten für Spielbrett und Unterteil haben die gleichen Maße. Eine leichte Beweglichkeit, also etwas Spiel, der Deckelfeder in der Nut wird durch Schleifen erreicht. 

Möchte man eine andere Profilform für die Umleimer haben,sollte dieser Arbeitsschritt vor dem Sägen der Gehrungen erfolgen.    

Alternativen zum geraden Aussenprofil siehe Zeichnung. Anschließend werden der Deckel, der Boden und die Innenseite der Umleimer parallel zur Faser mit einer Körnung 150 geschliffen.

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7. Schritt:

Die Gehrungen werden nun mit der Kreissäge angesägt oder alternativ mit einer Feinsäge in der Gehrungslade geschnitten.

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8. Schritt:

Anschließend werden alle Teile verleimt. Teil 2 (Führungsschien) wird nur mit dem Spielbrett in der oberen Nut verleimt. 

Achtung! Der Boden wird nur mit drei Umleimer verleimt. Er erhält an der hinteren Seite ( Aussparung für die Steckstifte) einen Umleimer und an den seitlichen Flächen der Vertiefung. 

Der Leim sollte nur sparsam eingesetzt werden, damit er nicht in die Schattennut quillt. Sollte trotz aller Sorgfalt Leim austreten, sollte man ihn erst abkratze, wenn er elicht angetrocknet ist und eine dünne Haut gebildet hat. 

9. Schritt:

Ist der Leim ausgehärtet, werden die Kanten rundum geschliffen.Es sollte dabei darauf geachtet werden, dass die Kanten und Ecken "eckig" bleiben und nicht im Eifer des Schleifens "rundgenudelt" werden. 

10. Schritt:

In das Bodenteil wird nun das Loch für den Stoppdübel gebohrt. Der Dübel wird auf Maß hergerichtet und in die Bohrung eingesetzt. 

Achtung! Den Dübel noch nicht verleimen!

11. Schritt: 

Die Spielfiguren werden von einem Buchen-Rundstab abgelängt und an beiden Enden leicht angefast. So lassen sie sich leichter in die Löcher stecken. Ganz Faule können auch einfache Riffeldübel verwenden, optisch mit Sicherheit nicht die schönste Lösung. 

Besitzt man eine Drechselbank kann man die Steckstifte natürlich auch in anderen Varianten als gezeigt anfertigen. Am besten fertigt man statt der 33 benötigten Stifte 36 Stück an, so hat man einige in Reserve, falls mal einer verloren geht.

Hier sind einige Varianten für die Form der Steckstifte:

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Man kann die Stecker auch aus andersfarbigem Holz drechseln oder farbig beizen. Besitzt man keine Drechselbank, kann man auch gut mit der Bohrmaschine arbeiten. Durch die ganz individuelle Profilierung der Stecker und der farbigen Gestaltung der Spielkastens wird dieses Spiel zu etwas ganz Persönlichem und Einzigartigem, das sich von der Massenware absetzt.

12. Schritt:

Nun können die Oberflächen aller Teile mit Öl oder Wachs behandelt werden.

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13. Schritt:

Ganz zum Schluß wird der Deckel eingeschoben und nach dem Probeöffnen und Probeschließen kann auch der Stoppdübel eingeleimt werden, falls die Länge und die Breite der Nut stimmt. Nun kann das Spiel beginnen.

Materialliste Solitär Brettspiel

Nr.Stck.BenennungMaßeMaterial
11Umleimer12 mm x 32 mm x 188 mmRüster (Ulme)
1a2Umleimer12 mm x 32 mm x 200 mmRüster (Ulme)
21Umleimer für Spielbrett12 mm x 32 mm x 200 mmRüster (Ulme)
31Spielbrett oder Deckel15 mm x 185 mm x 185 mmWenge
41Unterteil oder Boden15 mm x 185 mm x 185 mmWenge
51StoppdübelDurchm. 5 mm x 20 mmRotbuche
636SteckstifteDurchm. 10 mm x 30 mmRüster (Ulme)
Holzleim, Öl oder Wachs