Bauanleitung Bongos: Trommeln im Rhythmus Afrikas oder Kubas

bongos01.jpg Für jeden, der den Rhythmus im Blut hat, sind Bongos genau das richtige Instrument. Bongos sind ein afrokubanisches Schlaginstrument. Sie bestehen aus zwei kleinen Hohlkörpern (Kesseln), die miteinander verbunden und einseitig mit einer Membran, dem sogenannten Trommelfell, bespannt sind. Wie der Name schon sagt, wird die Membran oft aus Tierhäuten, meist aus Büffelhäuten, hergestellt. Der Trommel Töne entlocken kann man mit einem Schlegel, mit den Händen oder einzelnen Fingern.

Grundsätzlich gilt die Faustregel, dass große Durchmesser tiefer klingen als kleine Durchmesser; lange Hohlkörper unterstützen diesen Effekt. Eine unten offene Trommel klingt lauter, länger und tiefer als eine geschlossene, weil die im Wortsinn schlagartig komprimierte Luft entweichen kann und daher die Schwingung nicht dämpft. Aus dem gleichen Grund sollte eine Trommel beim Spielen gehalten oder so aufgestellt werden, dass die untere Öffnung dabei nicht verschlossen wird. Die Dämpfung des Trommelschlags kann natürlich ein gewünschter Effekt sein, dann wird ein geschlossener Hohlkörper benutzt, die Öffnung beim Spielen zugehalten oder das Trommelfell mit der Hand abgedämpft.


Bongos bauen


Die kleine Trommel hat einen Felldurchmesser von 7 1/4 Zoll oder ca. 18,4 cm. Sie wird "Macho" (=Mann) oder "Primo" genannt. Die große Trommel hat einen Durchmesser von 8 1/2 Zoll oder ca. 21,5 cm und wird "Hembra" (=Frau) oder "Segundo" genannt. Unsere Bongos haben eine Schlagfläche aus Sperrholz. Eine andere Spannfläche erwähnen wir später noch in unsere Arbeitsanleitung.
 
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Arbeitsschritt 1:
Zunächst müssen die Leisten zugeschnitten werden. Die Seitenflächen müssen mit einer Gehrung von 15° versehen werden (siehe obere Zeichnung), damit die Trommel am Ende die gewünschte Rundung bekommt. Die zugeschnittenen Leisten werden dicht nebeneinander so auf eine ebene Unterlage gelegt, dass die spätere Außenseite des Korpus oben liegt (siehe Zeichnung). Die Ober- und Unterkanten der Leisten müssen bongos03.jpgeine Linie bilden, dazu kann man eine Holzleiste im rechten Winkel gegen die zugeschnittenen Leisten drücken. Nun legt man vorsichtig mehrere Streifen Klebeband (beispielsweise tesa-Malerkrepp) über die Leisten ( die späteren Außenseiten der Trommel) und drückt sie fest an. Um zu überprüfen, ob die gesägte Gehrung, also der Winkel der Segmente stimmt, kann man diesen Verbund nun hochheben und versuchsweise zusammenhalten.
 
Arbeitsschritt 2:
bongos04.jpg Der Verbund wird nun umgedreht, so dass das Klebeband auf der Unterlage liegt. Nun können die Fügeflächen, also die Schrägen, mit Leim bestrichen werden. Es muss so viel Leim auf die Flächen gestrichen werden, das beim Zusammenpressen etwas Leim aus den Fugen tritt. Außerdem muss das Einstreichen zügig geschehen, damit der Leim nicht schon vor dem Pressen abbindet.
 
Arbeitsschritt 3:
bongos05.jpg Sind alle Teile eingestrichen, werden die verbundenen Leisten senkrecht aufgestellt, zum Hohlkörper geschlossen und mit Klebeband fixiert. Dabei muss man immer wieder kontrollieren, ob alle Teile auch richtig sitzen, sich nicht verschoben haben und mindestens auf einer Seite - nämlich dort, wo später das "Schlagfell" aufgeleimt wird - möglichst plan sind, also einen ebenen Rand haben. Man kann die Teile vorsichtig mit einem Holzhammer auf die Unterlage klopfen, damit man einen ebenen, planen Rand erhält.
 
Arbeitsschritt 4:
bongos06.jpg Um den Trommelkörper legt man nun einen Spanngurt - oder bei einem kleinen Trommeldurchmesser Klebeband - und spannt das Band fest an, damit der Leisten fest zusammengepresst werden. Den Körper lässt man nun mehrere Stunden ruhen, bis der Leim abgebunden hat und durchgetrocknet ist.
Beim Anlegen der Spanngurte sollte man darauf achten, dass die Schlösser der Gurte sich gegenüber liegen, um so ein Verziehen des Trommelkörpers zu vermeiden.
 
Arbeitsschritt 5:
Nach dem Abbinden des Leimes können die Vorbereitungen zum Aufleimen der Klangplatten getroffen werden. Bevor die "Felle" aufgeleimt werden, sollte man unbedingt kontrollieren, ob die Oberkante des Korpus eben ist. Wenn nicht, muss sie noch bearbeitet werden. Die Oberkante wird dann mit Feile und Schleifpapier eben gefeilt und geschliffen.

Arbeitsschritt 6:
Die "Felle" (1,5 mm starkes Sperrholz) werden etwas größer als der jeweilige Trommeldurchmesser zugeschnitten. Die Leimfläche des Trommelkorpus wird gut mit Leim eingestrichen, die Klangplatte aufgelegt und mit Klebestreifen fixiert. Um den Druck auf die Schraubzwingen auch dort zu haben, wo er benötigt wird, legt man auf die Kanten Kartonstreifen auf.

Oberhalb und unterhalb der Trommelkörper werden dicke Spannplattenreste als Schutz gelegt und der Körper mit mehreren Schraubzwingen mit möglichst großem Druck gepresst. Der Leim sollte ringsherum gleichmäßig herausgepresst werden. Nun sollte man die Trommeln solange ruhen lassen, bis der Leim abgebunden hat und getrocknet ist.



Alternative - Elefantenhaut:


Man kann auch die Trommel mit "Elefantenhaut" überziehen (ein pergament -ähnliches, dickes Papier mit marmorierter Oberfläche). Elefantenhaut hat den Vorteil, dass es keine bevorzugte Reißrichtung hat wie normales Papier, daher also einlagig verarbeitet werden kann. Die Elefantenhaut wird von beiden Seiten befeuchtet, damit es sich ausdehnt und beim Einstreichen mit Leim nicht wellt. Das Papier sollte aber vor dem Einstreichen mit Leim nicht zu nass sein, der verdünnte Leim kann dann beim Bestreichen etwas in die Oberfläche eindringen und dem Material nach dem Trocknen noch etwas mehr Stabilität verschaffen.
Den planen Trommelrand mit Leim bestreichen und die Haut über die Öffnung mit beiden Händen nach unten streichend fest an die Wand des Trommelkörpers drücken. Die entstehenden Falten evtl. nachleimen und gut andrücken. Das "Fell" mit einem Gummiband (aus einem altem Autoschlauch schneiden - ca. 1 cm breit) oder einer Schnur fixieren, beides kann nach dem Trocknen auf Wunsch wieder entfernt werden.

Arbeitschritt 7:
Nach dem Trocknen werden die überstehenden Ränder vom "Schlagfell" von oben nach unten, das heißt zum Trommelkörper hin, bündig gefeilt und so abgerundet, dass keine scharfen Kanten stehen bleiben und man schmerzfrei, ohne scharfe Kanten an daschlagen kann. das Abrunden sollte aber vorsichtig geschehen, um die Leimstelle nicht zu schwächen und das "Schlagfell" nicht zu beschädigen.

Nun kann das Instrument nach eigenen Vorstellungen gestaltet (Bemalen, Bekleben usw.) werden.

Arbeitsschritt 8:
Zum Schluss werden die beiden Trommeln mit zwei Schlossschrauben zusammengesetzt. Eine Fichtenholzleiste dient als Abstand zwischen den Trommeln. Da die beiden Trommeln einzeln gebohrt werden müssen, muss beim Anzeichnen der Bohrlöcher sehr genau gearbeitet werden, damit die Schrauben auch durch die Bohrlöcher passen. Zusätzlich können Sie die Fichtenholzleiste auch an beide Trommelkörper anleimen.

Stimmung und Klang:


Charakteristisch für die Bongos ist ihr heller, knackiger Sound. Deshalb sind die Felle auch sehr hart gespannt. Der Intervallabstand zwischen "Macho" und "Hembra" liegt zwischen einer Terz und Quinte, je nach Geschmack des Spielers.

Haltung:


Die Bongos werden im Sitzen gespielt. Der Stuhl oder Sitz darf nur so hoch sein, dass die Oberschenkel parallel zum Boden verlaufen. Der rechte Fuß ist etwas weiter vorne als der linke Fuß. Die "Hembra" liegt nun auf dem rechten Unterschenkel, während die "Macho" in der Kniebeuge vom linken Fuß liegt. Die Felle sind dabei leicht nach vorne gebeugt.

Spieltechnik:


Da die linke Hand normalerweise nur auf der "Macho" spielt, liegt das Handgelenk auf dem linken Oberschenkel. Dies hilft, unnötige Bewegungen zu vermeiden. Im Gegensatz zu den Congas werden die Bongos nur mit den Fingern bzw. Fingerspitzen gespielt. Ähnlich wie beim Congaspiel gibt es auch hier eine "Wipptechnik", die von Daumen und Fingerspitzen der linken Hand ausgeführt wird.

Materialliste
Stck. Benennung Maße Material
12 Leiste große Trommel 10 x 55 x 180 Sperrholz
12 Leiste kleine Trommel 10 x 50 x 180 mm Sperrholz
2 Klangkörper 2 mm dick Sperrholz
1 Distanzstück 20 x 30 x 140 mm Fichtenholzleiste
2 Schlossschrauben 5x 50 mm  
  Holzleim    
  Klebeband    
 
Werkzeuge
Kreissäge
Schraubzwingen
Holzhammer
Spanngurte
5 mm Bohrer
Gabelschlüssel passend für Schlossschraube
Hier sind weitere Maße für unterschiedlich große Bongos:

"Mini-Bongos":
Name Zoll cm Vorschlag Winkel 12-teilig (Aussenmaß)
Trommel groß
HEMBRA (Frau) oder Segundo
6 15,24 15 15° 3,81 bzw. 3,75 cm
 
Trommel klein
Macho (Mann)oder Primo
5 12,7 13 15° 3,175 bzw. 3,25 cm
 
Höhe 6 Zoll = ca. 15 cm
Schlagfläche 1,5 mm starkes Sperrholz
Verbindungsstück Vollholz 120 x 20 x 30 mm
2 Schlossschrauben 6x 60 mm


"Bongos mit Holzschlagfläche":
Name Zoll cm Vorschlag Winkel 12-teilig (Aussenmaß)
Trommel groß
HEMBRA (Frau) oder Segundo
8 20,32 20 15° 5,079 bzw. 5,00 cm
 
Trommel klein
Macho (Mann)oder Primo
6 1/2 16,51 16 15° 4,128 bzw. 4,00 cm
 
Höhe 6 bzw. 6 3/4 Zoll = ca. 15,24 bzw. 17,145 cm
Schlagfläche 1,5 mm starkes Sperrholz
Verbindungsstück Vollholz 90 x 30 x 30 mm
2 Schlossschrauben 6x 60 mm